TW 100: Annette Koch, Gerry Weber

"Im Idealfall entsteht dann ein Closed Loop"

Gerry Weber
Annette Koch ist seit elfeinhalb Jahren Head of Social Corporate Resonsibility bei Gerry Weber.
Annette Koch ist seit elfeinhalb Jahren Head of Social Corporate Resonsibility bei Gerry Weber.

Für Gerry Weber war 2021 das Jahr, in dem sich der DOB-Hersteller in Sachen Nachhaltigkeit neu ausgerichtet hat. Unter der Regie von Annette Koch, Head of CSR, wurden zahlreiche Forschungsprojekte gestartet. Im Gespräch mit der TW berichtet die Sustainability-Managerin über den Weg zum Closed Loop, den Kreislaufgedanken und die erste Cradle-to-Cradle-Kollektion von Gerry Weber.

TextilWirtschaft: In diesem Jahr haben Sie mit der Leibnitz-Universität ein Forschungsprojekt für nachhaltiges 'End of Life-Design' gestartet. Wie ist der aktuelle Stand?
Annette Koch:
Gemeinsam mit dem Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik (IKK) der Leibniz Universität Hannover befinden wir uns bereits in der zweiten Phase des zukunftsweisenden Forschungsprojektes, dass auf den Gedanken der Kreislaufwirtschaft einzahlt. Die ersten Ergebnisse und Testwerkstücke liegen vor, sie sind aus Stoffen mit unterschiedlichster Zusammensetzung hergestellt worden. Jetzt werden die technischen Parameter ermittelt und mit den erforderlichen Eigenschaften verschiedener Modezutaten und Accessoires verglichen. In der nächsten Phase werden dann die möglichen Einsatzgebiete getestet. Im Idealfall entsteht dann ein Closed Loop: So könnte dann aus einer Polyester-Elasthan-Ware ein Kunststoffreißverschluss für Outdoorjacken gefertigt werden.

Wie weit sind Sie auf dem Weg, schon in Produktentwicklung und Kollektionskonzeption den Kreislaufgedanken einfließen zu lassen?
Neben der Verwendung recycelter Rohwaren werden wir in Kooperation mit einem Partner auch Trainings für unsere Produktteams durchführen, um diesen das nötige Wissen und Handwerkszeug über eine kreislauffähige Kollektion zu vermitteln. Denn idealerweise muss die Wiederverwertbarkeit schon bei der Entwicklung mitgedacht werden.

Gibt es schon jetzt kreislauffähige Produkte aus Ihrem Haus?
Ja, bei uns gibt es schon innovative Produkte, die dem Kreislaufgedanken entsprechen, z.B. die Coffee Denim bei Taifun und Samoon mit recycelten Denimwaren aus Pre-Consumer-Abfällen. In der Zukunft werden wir den Kreislaufgedanken, den wir übrigens für die zukunftsträchtigste Technologie in der nachhaltigen Mode halten, mit mehreren Partnern weiterführen: hier geht es um Second-Hand-Angebote, Mietmodelle, die Sammlung und intelligente Sortierung der gesammelten Ware und die Weiterleitung der verschiedenen Kanäle zur Wiederaufbereitung.

Wann kommt die erste Cradle-to-Cradle-Kollektion von Gerry Weber?
Wir forcieren im Moment den Einsatz biologisch angebauter Rohstoffe und zertifizierter recycelter Waren. Außerdem streben wir im Bereich des Tierwohls den Einsatz zertifizierter Fasern an. Zusammen mit diesen Maßnahmen im Bereich der Kreislaufwirtschaft werden Cradle-to-Cradle-fähige Produkte entstehen. Für eine ganze Cradle-to-Cradle-Kollektion gibt es aber noch keinen fixierten Starttermin.

Welche Pläne haben Sie im Bereich Nachhaltigkeit für das kommende Jahr?
Im November haben wir unsere Gerry-Weber-Nachhaltigkeitsstrategie mit fünf definierten Handlungsfeldern veröffentlicht, erarbeitet von einer eigens gebildeten Taskforce Nachhaltigkeit mit Mitgliedern aus allen relevanten Abteilungen. Die Agenda umfasst insgesamt 25 Nachhaltigkeitsziele und ist auf unserer Corporate Website einsehbar. Damit sind wir hinsichtlich unseres Fortschritts in Sachen Nachhaltigkeit jetzt messbar und sehr transparent.

Und was gehört zu den dort gesteckten Zielen?
Zu den Zielen gehören beispielsweise die Klimaneutralität der Haller Unternehmenszentrale bis 2023, das Vorantreiben der Kreislaufwirtschaft und die sukzessive Erhöhung nachhaltiger Rohstoffe in den einzelnen Produkten. Ziel ist unter anderem ein 100%-iger Anteil ökologischer Baumwolle bis 2025. Außerdem haben wir nach erfolgreichem Piloten in 30 Stores gerade alle Filialen in Deutschland und Österreich mit Recyclingboxen für getragene Kleidung ausgestattet. Wir sind sehr gespannt, wie sich dieses Projekt nun entwickeln wird. Erste Tests mit Secondhand sowie ein Projekt mit Hundebetten aus Dead Stock, entstanden aus einem Projekt mit Studenten der AMD, begleiten uns ebenfalls ins neue Jahr.

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