Gestaffelte Aufhebung des Shutdowns in Österreich

In Österreich geht es wieder los − oder?

Seit Montag, 9 Uhr, dürfen Läden bis 400m² in Österreich wieder öffnen. Die ersten Stunden zeigen: Blumen- und Baumärkte profitieren am meisten.

Die Auflagen sind streng, die Disziplin der Kunden offenbar recht hoch. Erst seit ein paar Stunden haben Einzelhandelsgeschäfte wieder offen – aber bei weitem nicht alle Unternehmer nutzen die Möglichkeit, den Shutdown unmittelbar nach Ostern abzubrechen.

ÖTZ - Österreichische Textilzeitung
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Österreichischen Textilzeitung, die wie die TextilWirtschaft zu dfv Mediengruppe gehört.
Einen Monat lang musste der Einzelhandel (mit Ausnahme des Lebensmitteleinzelhandels, der Trafiken und Drogerien) seine Läden geschlossen halten, mit einer Erleichterung für kleinere Handelsformate geht die Bundesregierung nun den ersten Schritt in Richtung Normalisierung.

Allerdings: Vor allem in Wien bleiben viele kleine Läden vorerst weiterhin geschlossen, zumindest am Montagvormittag unterschied sich die Frequenz in den Einkaufsstraßen und Grätzeln nur unwesentlich vom österlichen Stillstand.

Auch in den meisten Kleinstädten bietet sich ein ähnlich ruhiges Bild, vor allem, was den Modehandel betrifft: Viele "Ortskaiser" sind von der Regelung ausgenommen, ihre Läden oft ein Vielfaches größer als die erlaubten 400m².

"Natürlich habe ich für diese Zwischenlösung wenig Verständnis", sagt Mag. Josef Nagl, der in St. Johann im Pongau sein Modehaus (erst vor kurzem aufwendig renoviert) betreibt. "Wir betreiben an unserem Standort 1.600m² Verkaufsfläche, wird sind daher vom Erlass des Ministeriums ausgenommen. Was hier offensichtlich nicht richtig eingeschätzt wird: Wir leben hier im dezentralen Raum, wenn ich an einem Dienstag gleichzeitig 20 Kunden im Laden habe, ist das schon extrem viel. Meine Mitarbeiter, viele davon schon Jahrzehnte lang bei uns beschäftigt, würden nur zu gern wieder beginnen zu arbeiten."

Für Nagl, der betont, dass alle größeren Händler in der Region über große Parkplätze oder Tiefgaragen verfügen, heißt es aber noch warten bis am 2. Mai. Und dann? "Das Coronavirus ist ein Nierenschlag für uns, man sieht die Arbeit der letzten Jahre plötzlich in Gefahr. Aber es bliebt uns nichts anderes übrig, als uns in Geduld zu üben und darauf zu hoffen, dass sich die Branche zur Eröffnung aller Läden nicht mit wahnwitzigen Abverkäufen noch mehr in die Bredouille bringt."

Palmers lockt zum Re-Start mit 20%-Rabatten

Mehr als 2.000m² groß ist der Laden von Stoffhändler Herbert Komolka in der Mariahilferstraße in Wien. Weil Komolka den Verkauf von Stoffen (zum DIY von Mund-Nasen-Masken) für systemrelevant erachtet, hat er Briefe an diverse Minister geschrieben, die bis Redaktionsschuss allerdings unbeantwortet blieben.

Mit 20 Filialen ging Fussl heute wieder an den Start, auch Palmers öffnete alle in Frage kommenden Filialen – und lockt schon am Ostersamstag via Zeitungsinseraten mit Rabatten von 20%, um die Kunden wieder rasch in die Läden zu bekommen.

Schon kurz vor 8 Uhr bildeten sich lange Schlangen vor den Baumärkten vor allem im Osten des Landes – und Gartencenter wurden regelrecht gestürmt. Hier scheint der Nachholbedarf der letzten Wochen so groß zu sein, dass auch längere Wartezeiten in Kauf genommen werden. Wie schnell der Modehandel wieder attraktiv werden kann für das Social-Distancing-Publikum, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Bis zur Normalisierung scheint es aber noch ein weiter Weg zu sein.

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