GfK-Konsumklima: Angst vor Rezession steigt

Verbraucherstimmung sinkt auf Allzeittief

IMAGO / Panthermedia
Bei einer Inflationsrate von fast 8% nehmen die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Ausgaben genauer in den Blick.
Bei einer Inflationsrate von fast 8% nehmen die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Ausgaben genauer in den Blick.

Es ist ein trauriger Rekord: Seit Beginn der Konsumklima-Erhebung für Gesamtdeutschland im Jahr 1991 wurde noch nie ein niedrigerer Wert für die Konsumstimmung gemessen als aktuell mit minus 27,4 Punkten. Noch nicht einmal in der Finanzkrise oder der Coronakrise zeigten sich die Verbraucherinnen und Verbraucher laut GfK so verunsichert wie jetzt. Vor allem bezüglich ihrer eigenen Einkommen sind sie so pessimistisch eingestellt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Die Einkommenserwartung − einer der drei Einzelindikatoren des Konsumklimas − setzt im Juni ihre steile Talfahrt fort. Der noch im Mai gemessene Anstieg erweise sich somit als kurze Verschnaufpause, heißt es von den Konsumforschern. Der Indikator verliert 9,8 Punkte und sinkt auf minus 33,5 Punkte. Dies ist der niedrigste Wert seit fast 20 Jahren (Dezember 2002: minus 35,5 Punkte). Im Vorjahresvergleich weise die Einkommensstimmung sogar ein Minus von knapp 68 Punkten aus.
Vor allem die stark steigenden Verbraucherpreise drückten auf die Stimmung. "Der Anstieg der Lebenshaltungskosten von derzeit knapp 8% drückt schwer auf die Stimmung der Verbraucher und schickt diese auf Talfahrt", sagt GfK-Experte Rolf Bürkl. Problematisch sei vor allem, dass durch die hohe Inflation die Kaufkraft der privaten Haushalte dahinschmelze.
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Somit würden auch die in den vergangenen zwei Jahren in den Lockdown-Phasen angesparten Finanzmittel vermutlich nicht in dem erhofften Maße in Käufe und Anschaffungen umgesetzt werden. "Darunter wird die Binnenkonjunktur in den kommenden Monaten leiden", heißt es von den Konsumforschern.

Anschaffungsneigung so niedrig wie seit 14 Jahren nicht mehr

Neben der Einkommenserwartung haben sich auch die Konjunkturaussichten weiter eingetrübt. Aus Verbrauchersicht bleibe die Rezessionsgefahr hoch. Lieferkettenprobleme sowie der Ukraine-Krieg behinderten derzeit die Produktion in Deutschland, das bereite auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern Sorge, was sich wiederum in einem weiteren Abrutschen der Anschaffungsneigung niederschlägt. Der Indikator verliert im Juni im Vergleich zum Vormonat 2,6 Punkte und weist nun minus 13,7 Punkte auf. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt laut GfK mit minus 20,1 Punkten während der Finanz- und Wirtschaftskrise im Oktober 2008 gemessen.
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