GfK-Konsumklima: Corona-Krise sorgt für historischen Tiefpunkt

Verbraucherstimmung im freien Fall

Schulen und die meisten Geschäfte geschlossen, Millionen Menschen in Kurzarbeit, Kontakteinschränkungen und ein stillstehendes öffentliches Leben - diese Gemengelage in Folge der Corona-Krise hat den Konsumenten wenig überraschend massiv auf die Kaufstimmung geschlagen. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) meldet für ihren Index zum Konsumklima im April einen historischen Tiefstand. Besonders bezüglich ihrer Einkommen sind die Verbraucher pessimistisch.

So zeigt sich bei der Einkommenserwartung ein beispielloser Absturz. Der Indikator verliert gegenüber dem Vormonat 47,1 Zähler und fällt damit auf -19,3 Punkte. Ein solch hoher Monatsverlust wurde noch niemals seit Beginn der monatlichen Erhebung zur Verbraucherstimmung im Jahr 1980 gemessen, heißt es von der GfK.

Diese massive Abwärtsentwicklung erklären die Konsumforscher vor allem mit dem Lockdown wesentlicher Bereiche der deutschen Wirtschaft. Durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit erlitten viele Verbraucher bereits spürbare Einkommenseinbußen. Dies betreffe neben Angestellten auch viele Selbständige im Handel und Dienstleistungsbereich, wie z.B. Frisöre, deren Einkünfte auf null gefallen sind.

In Erwartung sinkender Einkommen rutscht auch die Anschaffungsneigung der Verbraucher ins Minus. Der Indikator verliert 36 Zähler und sinkt auf -4,6 Punkte. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von knapp 58 Punkten. "Die Verunsicherung unter den Konsumenten ist derzeit riesig. Neben den bereits tatsächlich stattfindenden Einkommenseinbußen ist die Angst vor Jobverlust bei vielen Beschäftigten stark gestiegen. Dies ist ein beträchtliches Konsumhemmnis, das noch dadurch verschärft wird, dass aufgrund geschlossener Geschäfte häufig die Möglichkeit fehlt, Dinge einzukaufen.

Verbraucher rechnen mit schwerer Rezession

„Angesichts eines weitgehend eingefrorenen Wirtschaftslebens kommt der beispiellose Absturz des Konsumklimas nicht ganz überraschend. Handel, Hersteller und Dienstleister müssen sich auf eine unmittelbar bevorstehende, sehr schwere Rezession einstellen,“ erklärt Rolf Bürkl, GfK-Konsumexperte bei der Vorstellung der Studie. Zwar sei der Indikator Konjunkturerwartung nicht so stark abgestürzt wie die Einkommenserwartung und die Anschaffungsneigung, das habe aber auch damit zu tun, dass der Wert schon bei der letzten Erhebung gesunken sei. Der Indikator Konjunkturerwartung büßt im April 2,2 Zähler ein und rutscht auf -21,4 Punkte. Ein geringerer Wert wurde zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise im Mai 2009 mit -26 Zählern gemessen.

Die GfK prognostiziert so für Mai 2020 für das Konsumklima einen historischen Tiefstand von -23,4 Punkten, das sind 25,7 Punkte weniger als noch für den April (revidiert 2,3 Punkte).

Die Erhebung der Konsumklima-Studie fand vom 1. bis 14. April statt, das heißt die Verbraucher wussten zu dem Zeitpunkt nicht, dass es bereits ab dem 20. April Lockerungen geben würde. "Es bleibt zu hoffen, dass das schrittweise Öffnen der Geschäfte ab dem 20. April einen weiteren Absturz der Konsumneigung, wenn nicht komplett verhindern, aber zumindest etwas abfedern kann", heißt es so von der GfK.
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