Boris Johnson zurück in der Downing Street

Britischer Premier erteilt vorzeitiger Lockerung eine Absage

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Lockdown in London: Leere Straßen und U-Bahnhöfe, geschlossene Geschäfte und Restaurants.
Lockdown in London: Leere Straßen und U-Bahnhöfe, geschlossene Geschäfte und Restaurants.

Die erste Frage, die den britischen Premierminister Boris Johnson nach überstandener Covid-19 Erkrankung erwartete, war klar: Wann wird der Shutdown gelockert? Seine Antwort nach Wiederaufnahme seiner Amtsgeschäfte in der Downing Street am Montagmorgen: Nicht jetzt.

Äußerlich trat Boris Johnson gewohnt temperamentvoll vor seinem Amtssitz zur kurzen Rückmeldung an ein Rednerpult und bat die Briten um Geduld. „Das Blatt hat sich gewendet, aber dieses ist der Moment maximalen Risikos“, sagte Johnson mit Blick auf das Coronavirus, „es wäre zu früh, die Ausgangsbeschränkungen zu lockern.“


Mit Blick auf die Forderungen von Unternehmen und auch aus der eigenen Partei sagte Johnson, dass er die Ungeduld verstehe. Eine zweite Infektionswelle müsse aber verhindert werden. Die Ausgangsbeschränkungen gelten in Großbritannien seit dem 23. März und noch bis mindestens 7. Mai. Dann will die Regierung die Maßnahmen offiziell überprüfen und ihre Pläne vorlegen. Noch sei es zu früh, die zweite Phase im Kampf gegen das Virus zu starten. Er ließ aber anklingen, dass die strikten Social Distancing-Restriktionen stufenweise gelockert würden, wenn es so weit sei. „Ich will die Wirtschaft wieder in Bewegung bringen so schnell ich kann, aber ich möchte nichts aufs Spiel setzen, was bisher erreicht wurde“, so Johnson.

Wachsende Unruhe

Damit reagierte der Premierminister auf die wachsende Unruhe in der Bevölkerung, der Wirtschaft und auch in der eigenen Partei. Der wirtschaftliche Schaden des verordneten Stillstands ist immens. Die Wirtschaftsleistung in Großbritannien könne in diesem Jahr um 6,8% zurückgehen, bevor sie wieder ein positives Wachstum von 4,5% erreiche, stellt der EY Item Club in seiner vierteljährlichen Wirtschaftsprognose fest. Auch wenn sich die Wirtschaft nach einer Lockerung des Shutdowns zu erholen beginne, werde sie nicht vor 2023 zu der Größe von Ende 2019 zurückkehren.


Die Bekleidungsläden, die seit dem 23. März geschlossen sind, hatten im März einen Umsatzeinbruch von 35%, das geht aus den Daten der nationalen Statistikbehörde ONS hervor. Im April kommt es im stationären Handel zu einem Totalausfall. Die Online-Verkäufe sind im März gestiegen und haben laut Rhian Murphy, Head of Retail Sales bei ONS, einen Anteil von 22,3% an den gesamten britischen Einzelhandelsumsätzen erreicht.

Weil kein Abverkauf möglich ist, staut sich inzwischen nicht nur in den Läden, sondern auch in den Lägern die Ware. Warenhäuser wie John Lewis entwickeln bereits Pläne für einen möglichen Restart im Mai. „Wir haben einen Dreistufen-Plan, mit dem wir sofort beginnen können, sobald die Regierung grünes Licht gibt“, sagt Andrew Murphy, Executive Director for Operations bei John Lewis. Man habe verschiedene Szenarien entwickelt, auch die Öffnung von Teilbereichen in den Stores. John Lewis sei in der Lage, ab Mitte kommenden Monats einige seiner insgesamt 50 Filialen zu eröffnen.

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