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Großbritannien

Härtere Maßnahmen im Kampf gegen die Epidemie erwartet

Ein Land im Krisenmodus. Alles dreht sich um den Corona-Schock und die Konsequenzen für Menschen und Wirtschaft. Mit 1394 bestätigten Corona-Infizierten und 35 Todesfällen liegt Großbritannien noch hinter der Entwicklung auf dem Kontinent zurück. Aber während die Zahl der Erkrankten wächst, nimmt der Druck auf die Regierung zu, härtere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus durchzusetzen.

Ging Premierminister Boris Johnson bislang noch relativ gelassen mit der Pandemie um, werden ab diesem Montag neue Maßnahmen angekündigt, die in täglichen Pressekonferenzen kommuniziert werden sollen. Eindämmung- und Isolierungsvorkehrungen werden erwartet. Darunter die Anordnung der Regierung, dass Menschen über 70 Jahren oder mit Vorerkrankungen bis zu vier Monaten zu Hause bleiben sollen.

Die Londoner Straßen, U-Bahnstationen und Flughäfen wirken bereits wie ausgestorben. Für den britischen Einzelhandel mit seinen 3,1 Millionen Beschäftigten, dem ohnehin schon wegen der strukturellen Veränderungen der Wind ins Gesicht bläst, ist die Corona-Krise eine bislang nicht gekannte Herausforderung.

Die Supermärkte bereiten sich auf die nächste Stufe vor, um Panikkäufe einzudämmen. Einige fordern die Ausweitung der Sonntagsöffnungs-Zeiten mit der Begründung, dass die gegenwärtig erlaubten sechs Stunden ein zu enges Zeitfenster für den Verkauf seien. Supermärkte schicken Mitarbeiter aus anderen Bereichen auf die Verkaufsfläche.

Von der Kaufhauskette John Lewis & Partners wechseln 500 Mitarbeiter, einschl. viele Fahrer, vorübergehend zur Schwester-Supermarktkette Waitrose & Partners, um in der Food-Sparte auszuhelfen. Händler mit Online-Lieferung und Click & Collect-Service fahren volle Kapazitäten.

Die Retailer sorgen sich aber, dass der Betrieb betroffen sein könnte durch die Abwesenheit von Personal. Denn Premier Johnson hat verordnet, dass Menschen mit Symptonen wie anhaltendem Husten oder erhöhter Temperatur sieben Tage zu Hause bleiben.

Weil die Leute aus Furcht vor Ansteckung lieber zu Hause bleiben, viele Firmen ihre Mitarbeiter wo möglich im Home Office arbeiten lassen und in der Krisenstimmung Käufe des täglichen Bedarfs Priorität haben, leidet das Modegeschäft. Associated British Foods (ABF), Konzernmutter des Bekleidungsdiscounters Primark, ist von den Schließungen der Stores auf dem Kontinent ebenso betroffen wie von der rückläufigen Frequenz in Großbritannien. Die die Schließung der europäischen Primark Stores in Frankreich, Spanien und Österreich, die 20% von Primarks Verkaufsfläche und 30% des Umsatzes ausmachen, könnte in den kommenden vier Wochen zu einem Umsatzverlust von 190 Mio. Pfund (209 Mio. Euro) führen, teilte ABF am Morgen mit. Die Stores sollen solange geschlossen bleiben, bis in den jeweiligen Ländern die Öffnung wieder erlaubt ist. In Großbritannien waren die Primark-Umsätze auf vergleichbarer Basis in den vergangenen zwei Wochen rückläufig, heißt es in dem Trading Statement. Der Rückgang habe sich aufgrund der reduzierten Kundenfrequenz in den letzten beschleunigt.

„Wir managen das Business angemessen, aber erwarten nicht die Auswirkung auf den Umsatz signifikant abmildern zu können,“ so ABF. Zumindest gibt es leichte Entwarnung hinsichtlich Lieferungen aus China. Da die meisten Fabriken, die Primark beliefern, den Betrieb wieder aufgenommen haben, wird jetzt nur ein minimaler Versorgungsengpass erwartet.

Die meisten Stores des Shopping Center Betreibers Unibail-Rodamco-Westfield in seinen Einkaufszentren in Frankreich, Spanien, Polen, Österreich, der Tschechischen Republik und Slowakei sind geschlossen. Ausnahmen sind Supermärkte, Lebensmittelstores und Apotheken.

Die Auswirkungen des Corona-Ausbruchs auf das Geschäft im Londoner West End sind laut New West End Company (NWEC) noch nicht abzusehen. Die Zahl der Reisenden, die an Londoner Flughäfen ankommen, seien im Januar bereits einstellig rückläufig gewesen. Im Februar und März seien die Zahlen zweistellig gewesen. Vor allem bei internationalen Besuchern aus China, gefolgt aus den USA und Europa gab es einen beträchtlichen Einbruch. Aber auch Briten haben laut NWEC ihre Besuche in die Hauptstadt reduziert.
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