Großbritannien unter „Lockdown“

Briten müssen zu Hause bleiben – Alle Modegeschäfte geschlossen

Imago Images/ZUMA Wire
Lockdown in London: Leere Straßen, geschlossene Geschäfte
Lockdown in London: Leere Straßen, geschlossene Geschäfte

Dreiwöchige Ausgangssperre für alle Briten: Premierminister Boris Johnson hat am Montagabend in einer Fernsehansprache an die Nation weitreichende Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie verkündet. Er forderte die Bürger des Landes auf, zu Hause zu bleiben.

Johnson sprach von einer nationalen Notlage, die die drakonischen Maßnahmen für mindestens drei Wochen nötig machen. Die soziale Distanzierung sei notwendig, um Leben zu retten und den staatlichen Gesundheitsdienst NHS zu schützen. Damit schränkt nun auch Großbritannien das Leben in der Öffentlichkeit massiv ein.


Nicht zum täglichen Leben notwendige Einrichtungen werden mit sofortiger Wirkung geschlossen. Darunter Bekleidungsgeschäfte, Nagelstudios, Hotels, Bibliotheken, Gotteshäuser und Gemeinschaftseinrichtungen in Parks wie Spielplätze. Hochzeiten, Taufen werden ausgesetzt. Geöffnet bleiben Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Tankstellen, Postfilialen, Haushaltsgeschäfte und Zeitungsläden. Auch die Banken dürfen ihre Türen offen halten. Das Treffen mit Freunden wird verboten, aber für jeden wird eine Form der Bewegung pro Tag erlaubt sein. Gruppen von mehr als zwei Personen müssen mit Bußgeldern rechnen. Sie würden von der Polizei aufgelöst, kündigte Johnson an.

Damit hat Johnson nach Kritik an dem anfangs zögerlichen Vorgehen eine Kehrtwende vollzogen. Bei den rasant steigenden Zahlen der Coronavirus-Infizierten auf derzeit 6650 und 335 Toten befürchtet die Regierung einen Kollaps des ohnehin überlasteten Gesundheitssystems. Der NHS veröffentlichte an diesem Montag ein Video, in dem Ärzte und Pfleger die Bürger anflehten, zu Hause zu bleiben.

Die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Leben der Menschen sind noch nicht abzusehen. Viele Retailer, von Selfridges über Harrods bis hin zu John Lewis, hatten bereits im Laufe der vergangenen Woche ihre Läden geschlossen. Die Modekette Next hatte die Schließung ihrer 700 Filialen in Großbritannien für Montagabend vor der Rede des Premiers angekündigt. Einer nach dem anderen Einzelhändler fordert von den Vermietern die vorübergehende Aussetzung der Mietzahlung. Wie zu hören ist, soll die Regierung eine Pause bei den Mietzahlungen von drei Monaten ermöglichen. Das wiederum erhöht den Druck auf die Vermieter.  Und auf die Lieferanten kommt eine Welle der Produktions-Stornierungen zu.


Die Kundenfrequenz in den Geschäften war im März bereits um bis zu 40% zurückgegangen, so die Handelsspezialisten von Springboard. Aber auch die Online-Umsätze sind schwach. Im Februar, der Monat bevor das Coronavirus Großbritannien mit Wucht traf, verzeichneten die Online-Verkäufe ein Minus von 0,4% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Wie aus dem gerade erschienen IMRG Capgemini Online Retail Index hervorgeht, geht die Schere zwischen den Retailer-Typen auseinander: Bei den Multichannel-Händlern gingen die Verkäufe um 8,2% zurück, während Online Pure Player einen Zuwachs von 12,5% erreichen.

Nach der verhängten Ausgangssperre kommen nun die Supermarktketten an ihre Kapazitätsgrenzen. Viele Websites sind inzwischen überlastet, weil immer mehr Verbraucher versuchen, ihre Lebensmittel online zu bestellen.

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