"Gründlichkeit vor Schnelligkeit"

Zero dürfte wieder öffnen - tut es aber nicht

Foto: Zero
Zero führt deutschlandweit 70 Geschäfte, die alle unter 800m² groß sind.
Zero führt deutschlandweit 70 Geschäfte, die alle unter 800m² groß sind.

Das Bremer DOB-Label Zero dürfte einen großen Teil seiner bundesweit 70 Läden eigentlich ab nächster Woche wieder öffnen, tut es aber nicht.

Geschäftsführer Urs-Stefan Kinting erklärt: „Grundsätzlich begrüßen wir das schrittweise Hochfahren des Handels. Wir haben uns aber dagegen entschlossen, ab Montag wieder zu öffnen, weil wir auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung haben.“ Jetzt zähle Gründlichkeit vor Schnelligkeit. „Wir wollen zunächst ein fundiertes Hygienekonzept umsetzen. Gesundheit geht vor Umsatz. Es nützt nichts, schnell die Läden zu eröffnen, wenn wir dadurch die Gesundheit der Mitarbeiter gefährden.“


Kinting peilt nun den 4. Mai als möglichen Starttermin an. In den kommenden zwei Wochen rechnet er ohnehin nur mit geringer Frequenz vor allem im DOB-Handel und liefert eine mögliche plakative Erklärung dafür: „Auch die Frisöre dürfen erst ab 4. Mai wieder arbeiten, und vorher werden auch viele Frauen tendenziell keine Mode kaufen.“

"Es nützt nichts, schnell die Läden zu eröffnen, wenn wir dadurch die Gesundheit der Mitarbeiter gefährden.“
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"Es nützt nichts, schnell die Läden zu eröffnen, wenn wir dadurch die Gesundheit der Mitarbeiter gefährden.“

Die Betty Barclay-Tochter Zero (70 eigene Läden in Deutschland, 334 Flächen bei Multilabelhändlern) sieht sich mit seinem vertikalen, kurzfristigen Geschäftsmodell in der derzeitigen Situation gut aufgestellt. „Uns drückt die Ware nicht so arg wie viele andere Unternehmen“, sagt Kinting. Oberstes Ziel: eine Übersteuerung der Läden und Flächen vermeiden, um Rabattschlachten zu begrenzen. In einem Schreiben an die Kunden im Handel hat Zero vor Kurzem mitgeteilt, dass die Einkaufsplanung über alle Vertriebskanäle angepasst worden sei. In Absprache mit den Lieferanten habe man die Einkaufsmengen auf die überarbeitete Umsatzplanung ausgerichtet.


Kinting rechnet nach einer ersten Einschätzung damit, dass sich das Umsatzminus im Vergleich zum Plan von 20% im Mai auf 5% bis Jahresende verringert. Konkret bedeutet das: „Die Stückzahlen der Kollektionen Mai und Juni konnten durch Stornierungen bei den Lieferanten reduziert werden. Die Kollektion Juli wird nicht ausgeliefert, um den Warendruck von den Flächen zu nehmen. Die Abverkaufszeiträume für März, April, Mai und Juni haben wir verlängert.“ Die August-Kollektion werde in diesen Tagen bearbeitet bzw. bei den Lieferanten bestellt. Kinting plant mit einem um 20% niedrigeren Volumen als ursprünglich geplant.

In Hinblick auf mögliche Rabattschlachten sagt er: „Gesund wäre es, keine Rabatte zu geben und sich auf den SSV zu konzentrieren.“ Dass diese Idealvorstellung eintritt, glaubt er allerdings nicht. Andererseits erwartet aber auch zum jetzigen Zeitpunkt keine ausufernden Rabattschlachten. „Ich glaube nicht, dass es einen Preiskrieg geben wird. Aus meinen Gesprächen mit Einzelhändlern höre ich sehr viel Vernunft. Aber letztlich weiß natürlich niemand, wie der Markt reagiert. Das ist abhängig von vielen Faktoren wie Frequenz, Kundenverhalten und Wetter.“

Die Situation in den Online-Kanälen empfindet Kinting noch als „verhältnismäßig ruhig“. Natürlich gebe es an vielen Stellen bereits Aktionen. „Aber das war vorher genauso, auch wir haben zum Beispiel an der Glamour Shopping Week teilgenommen.“ Zero mache im E-Commerce stabile Geschäfte. „In den Wochen rund um den Beginn des Shutdown hatten wir eine Delle, aber seitdem sind die Umsätze auf normalem Niveau.“ Kleider und Business-Outfits liefen naturgemäß derzeit eher weniger. „Ist ja klar. Wenn niemand ins Büro geht, braucht auch niemand Sachen fürs Büro, und dann stelle ich natürlich andere Produktgruppen in den Vordergrund.“
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