Strategische Allianz aus Händlern und Herstellern

"Jetzt retten uns nur echte Zulagen"

H+P
Klaus Harnack, Partner bei Hachmeister + Partner
Klaus Harnack, Partner bei Hachmeister + Partner

Stirbt der Handel, stirbt die Stadt. Mitgerissen werden große Teile der Industrie. Klaus Harnack, Partner und Spiritus Rector der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner, befürchtet das Schlimmste und ruft in einem Strategiepapier auf zur Gründung einer Task Force und branchenübergreifenden Allianz. "Die Lage ist dramatisch."

Kein Umsatz, laufende Kosten, mangelnde Liquidität, Margen und Ergebnis unter Druck. Die behördlich verfügte Schließung der Läden sei nichts anderes als ein vorübergehendes Verbot der Geschäftsausübung. "Kredite werden nicht ausreichen, um eine Insolvenzwelle nie dagewesenen Ausmaßes abzuwenden", warnt Harnack. Handel und Hersteller gleichermaßen seien gefährdet in ihrer Existenz. Es werde zu einem verheerenden Dominoeffekt kommen.

Die Branche allein werde aus sich heraus darauf keine Antwort finden. Der Staat sei gefragt. "Zum Ausgleich für Vermögensschäden retten uns nur echte Zulagen." Als Vorbild könne das österreichische Modell dienen. "Da werden Kredite umgewandelt in Zulagen. Zudem können Zulagen unabhängig von zuvor gewährten Krediten ausgezahlt werden."


Harnack und H + P seien dabei, eine branchenübergreifende strategische Allianz zu formen, um "im Sinne einer konzertierten Aktion die Kräfte und verschiedenen Initiativen aus unterschiedlichen Branchen zu bündeln und mit einer Stimme in Berlin, aber auch vor Ort in den Städten und in vielen Foren und Communities zu sprechen". Partner seien unter anderen die Verbände BTE (Textil-Einzelhandel), BDSE (Schuh-Einzelhandel), BLE (Lederwaren-Einzelhandel) sowie die Katag AG.


Zur Durchsetzung und Steuerung der gemeinsamen Ziele solle sich sehr bald eine Task Force aus anerkannten Köpfen unterschiedlicher Marktsegmente bilden. "Viele Freunde der Idee", so Harnack, hätten ihr aktives Engagement für die Allianz spontan bereits zum Ausdruck gebracht. Darunter Olymp-Chef Mark Bezner, die Brax-Geschäftsführer Stefan Brandmann und Michael Horst, Christian Hirmer, Mitinhaber von Hirmer in München, sowie Katag-Chef Daniel Terberger.


Übergeordnetes Ziel der Initiative sei die Erhaltung vitaler Innenstädte in Deutschland "mit ihrem geradezu einzigartigen Mix aus Handel, Gastronomie und kulturellen Einrichtungen. Und damit die Sicherung Hunderttausender Arbeitsplätze. Allein im Einzelhandel der genannten Branchen und spiegelbildlich bei den Textil- und Bekleidungsherstellern sind gut 440.000 Menschen beschäftigt".

Parallel zum Vorstoß Richtung Berlin in Sachen Finanzierung sieht Harnack dringenden Handlungsbedarf, um Leitlinien "für ein partnerschaftliches Miteinander" zwischen Handel und Industrie in Zeiten der Krise zu besprechen und zu definieren. "Es geht nur gemeinsam."

Die meisten bisherigen Vorschläge zur Lösung des für alle ausgesprochen schwierigen Waren-Problems hätten nicht die vollumfängliche Resonanz gefunden, "weil zu einseitig formuliert wurde, was die Teilnehmer auf der jeweils anderen Stufe der Wertschöpfungskette tun sollten." So funktioniere das nicht. Es gehe nur einvernehmlich.

Wo es drückt, ist bekannt. Überall liegt inaktuelle und nur noch schwer zu vermarktende Ware aus frühen Lieferterminen. Hinzu kommen nicht zur Auslieferung gelangte Aufträge, die auf Seiten der Industrie zu enormen Lager- und Vorfinanzierungsprobleme führen. Blickt man nach vorn, auf den Zeitpunkt eines möglichen Exits, sind topaktuelle Themen und Produkte gefragt, die, so Harnack, "konkurrenzfähig sein müssen mit dem Programm der Onliner und großen Marktplätze".

Handel und Industrie müssten hier – beim Schlüsselthema Waren-Management – sehr schnell und sehr differenziert zu individuellen Lösungen kommen. "Wir haben vertikale Monatslieferanten, Ready-to-Wear Systemlieferanten, Hersteller mit sehr kompetenten NOS- / seasonal NOS-Angeboten sowie klassische Vororder-Marken." Überall sind die Mechanismen anders. "Dafür gibt es nicht die eine Formel. Das muss man bilateral besprechen. Und im wechselseitigen Verständnis. Wenn wir da rauskommen wollen, dann nur miteinander."
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