Zinser, Röther, Garhammer und Co

"Es geht um unsere Existenz"

Der Handel droht am Warendruck zu ersticken. "Wir müssen da raus", rufen namhafte Retailer und kommen mit einem neuen Ideen-Katalog.

Noch ist nicht klar, wann die Läden wieder öffnen. Am liebsten Ende April, spätestens im Mai, so hoffen einflussreiche Händler aus der Marktmitte und skizzieren in einem Aufruf an die Industrie ein Modell, das "existenzbedrohende Liquiditätsengpässe" überwinden und einen Re-Start in die zweite Hälfte der Saison zu möglichst "werterhaltenden" Bedingungen garantieren soll.

Unterzeichner des Appells zur Stabilisierung der "gemeinsamen Wertschöpfungskette" sind Inhaber und Geschäftsführer der Unternehmen Zinser (Tübingen), Garhammer (Waldkirchen), Röther (Michelstadt), Baltz (Bochum), Ranck (Sulingen) und Hagemeyer (Minden).

Wir müssen uns befreien vom Warendruck – so ließe sich die Formel in einem Satz bündeln. Konkret denkt die Initiative an diese Maßnahmen:
Die noch zur Auslieferung anstehende Ware für die Liefertermine März, April, Mai und Juni möge maximal noch zur Hälfte ("terminlich entzerrt und an die dann aktuelle Situation angepasst") an den Handel versandt werden. Dadurch, so die Hoffnung, werde der Handel in die Lage versetzt, bestehende Sortimente in den folgenden Wochen noch "werterhaltend und im Sinne guter Markenführung zu veräußern".


Man müsse alles tun, so heißt es, Warenbestände, die nicht mehr innerhalb der verkürzten Saison vermarktet werden können und die zwangsläufig Limitkürzungen für die kommende Einkaufsrunde nach sich ziehen würden, zu vermeiden. Idealerweise werden vornehmlich sommerliche und Ready-to-wear-Programme eingesteuert.


Zieht die Industrie da mit? Vor allem, was passiert mit den nicht gelieferten Warenvolumina? Auch dafür machen die Initiatoren einen Vorschlag: Themen und Produkte, die wegen der Ausnahmesituation aktuell nicht ausgeliefert werden können, fließen ein in die Sortimente für das Frühjahr und den Sommer 2021. "Unter der Voraussetzung, dass diese Ware bis dahin nicht durch den Industriepartner über andere Kanäle vermarktet wurde."

Auch das absehbar belastete Geschäft für Herbst/Winter ist Teil der Überlegungen. Hier wollen die Händler, die sich als Sprachrohr der in der Katag wie im h+p-Kreis verbundenen Adressen sehen und von beiden unterstützt werden, 80% des getätigten Ordervolumens gegenüber der Industrie garantieren. Man habe, so berichtet Katag-Vorstand Knut Brokelmann, mit einem guten Dutzend Top-Partnern im Vorfeld gesprochen und weitgehendes Commitment über die Notwendigkeit der Maßnahmen. Dass Marken und Hersteller, die die skizzierten Ideen einvernehmlich mittragen, bei der Ordervergabe bevorzugt würden, verstehe sich.


Die gegenwärtige Lage treffe alle gleichermaßen. "Es geht um unsere Existenz." Um Lasten ausgewogen zwischen den Parteien zu begrenzen, müsse man über weitere Details zu Warensteuerung und zu Finanzierung (Valutierungen, Retouren, Skonti, Stornierungen, NOS-Programme, Taktung) parallel und bilateral verhandeln. "Selbstverständlich und im wechselseitigen Interesse fair."
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