Händler-Kampagne im verlängerten Shutdown

Tausende Stores beteiligen sich an "Wir machen auf_merksam"-Kampagne

Gerry Weber
Gerry Weber beteiligte sich mit fast seinem gesamten Filialnetz an der Aktion.
Gerry Weber beteiligte sich mit fast seinem gesamten Filialnetz an der Aktion.

Am Montag, 11.1., sollte ursprünglich der Shutdown enden, stattdessen geht er bekanntlich in die Verlängerung. Mit der Kampagne "Wir machen auf__merksam" rücken Modehändler die prekäre Lage des Fashion Retail in den Fokus.

Um 11 Uhr am 11.1. fotografierten sich zahlreiche Händler vor den geschlossenen Türen, posteten das Bild mit dem #wirmachenaufmerksam in den Sozialen Medien, um so auf die Nöte des Modehandels im zweiten Shutdown aufmerksam zu machen.

Aktion "Wir machen auf...merksam"

Bis Redaktionsschluss wurden unter dem Hashtag der Aktion über 1700 Bilder geteilt. Die Instagramseite freundschaftsdienst.eu hat seit ihrer Gründung vor vier Tagen 650 Abonnenten.

Die Initiatoren der Kampagne, Uwe Bernecker, Inhaber des Labels Funky Staff, und Günter Nowodworski von Now Communication, zeigten sich mit dem Start der Kampagne zufrieden. "Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich die vielen Posts und Kommentare lese", sagt Bernecker. "Aber die große Resonanz zeigt auch, wie ernst die Lage ist und wie wichtig, dass wir von der Politik gehört werden."

Zu den zentralen Forderungen der Kampagne zählt eine Perspektive, wann der Modehandel wieder öffnen kann, bzw. eine angemessene Entschädigung. Zahlreiche Modehändler hatten sich der Aktion angeschlossen, unterschiedlicher Genres und Größen. Unter anderem Bofinger in Heidelberg, Dollinger und Juhasz in Bad Reichenhall, Ebbers in Warendorf, Küster in Mayen, um nur einen Bruchteil zu nennen. 


Auch Gerry Weber nahm mit rund 180 Stores, 90% seines Filialnetzes, an der Aktion teil. "Wir möchten ganz akut aufmerksam machen auf die absolut existenzgefährdende Lage, in der sich der Einzelhandel und die deutsche Modebranche befinden", begründete COO Angelika Schindler-Obenhaus die Entscheidung, bei der Kampagne mitzumachen. "Es ist fünf vor zwölf", sagte sie in einer Videobotschaft auf Instagram, mit der sie auf das Aktionsbündnis aufmerksam machte. Neben Ausgleichszahlungen und einer klaren Perspektive, wann der Handel wieder öffnen kann, formulierte der Gerry Weber Vorstand, zu dem neben Schindler-Obenhaus CEO Alexander Gedat und CFO Florian Frank zählen, weitere Punkte: Die Möglichkeit für Sonntagsöffnungen sowie die Schaffung einer Rechtsgrundlage für Mietkürzungen.

Unterstützt wurde die "Wir machen auf...merksam"-Kampagne auch von der Katag AG in Bielefeld. Man beteilige sich "an der Gemeinschaftsaktion des stationären Einzelhandels, um auf die existenzgefährdende Notsituation vieler Betriebe - insbesondere im Textileinzelhandel - durch die weitere Verlängerung des Lockdowns hinzuweisen", heißt es in dem entsprechenden Post der Katag AG in den Sozialen Medien. Und weiter: "Wir sind keine Corona-Leugner, aber zum Erhalt der Arbeitsplätze sowie der Attraktivität der Innenstädte fordern wir die Wiedereröffnung des derzeit geschlossenen stationären Einzelhandels oder alternativ eine angemessene Entschädigung der Betriebe!" 

Katag AG unterstützt Aktion "Wir machen auf...merksam"

Mit dem Medienecho sind die Initiatoren zufrieden. Man sei bei vielen Lokalzeitungen Titelthema gewesen, manch' ein Händler habe auch überregionalen Medien Interviews gegeben, Fernsehsender wie das ZDF oder Sat.1 hätten auch Interesse gezeigt.

In den Sozialen Netzwerken war das Echo allerdings nicht durchweg positiv. Einige kritisierten eine zu große Ähnlichkeit zur Querdenker-Aktion "Wir machen auf", in dessen Rahmen tatsächlich Läden geöffnet werden sollten. Bernecker und Nowodworski distanzierten sich allerdings von Anfang an von Corona-Leugnern und Querdenkern und gingen dagegen vor, als ihr Poster in einer Telegram-Gruppe auftauchte. 

Und was ist der nächste Schritt, jetzt da Aufmerksamkeit geschaffen wurde? Offenbar gibt es Überlegungen sich mit der Initiative #handelstehtzusammen, die u.a. von Schuhhändler Friedrich Werdich ins Leben gerufen wurde, zusammenzuschließen. Allerdings dürfe durch ein solches Bündnis der Schwung, den die Freundschaftsdienst-Initiative nun habe, nicht verloren gehen. Eine Gefahr zu vieler vereinzelter Aktionen ohne ausreichend Schlagkraft sieht man nicht. Nowodworski: "Es müssen nicht immer alle unter einer Flagge segeln, wenn mehrere Boote auf Kurs fahren, dann ist das auch sehr eindrucksvoll."
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