Hamburger Modehändler Classico befürchtet Pleitewelle im Herbst

"Die Mieten vernichten die Liquidität der Händler"

Foto: Classico
Harald Heldmann: „Classico hat alle Möglichkeiten, diese Krise zu überleben, weil wir in der Vergangenheit konservativ gewirtschaftet haben. Aber irgendwann können auch wir nicht mehr.“
Harald Heldmann: „Classico hat alle Möglichkeiten, diese Krise zu überleben, weil wir in der Vergangenheit konservativ gewirtschaftet haben. Aber irgendwann können auch wir nicht mehr.“

Wir erreichen Harald Heldmann im Auto. Der Hamburger Modehändler (13 Läden unter Classico, ein Online-Shop unter myclassico.com und ein Großhandelsgeschäft mit dem Label Bloom) war kurz in der Firma, um einer Mitarbeiterin im Homeoffice einen Rechner zu organisieren.

Notfallmanagement, wie es so viele andere Unternehmen in diesen Tagen und Wochen betreiben. Heldmann bat um Rückruf. Er hat ein Thema, das ihm besonders am Herzen liegt: die Mieten. Heldmann rechnet in den nächsten Monaten mit zwei Pleitewellen.

Die erste stehe unmittelbar bevor und treffe die Schwächsten. Die zweite folge in wenigen Monaten. „Wenn der Handel die neue Herbstware und gleichzeitig die nun gestundeten Mieten zahlen muss.“


Er befürchtet, dass 20 bis 40% der kleineren Händler dann wegbrechen. Seine Meinung: „Die Immobilienwirtschaft sollte sich an den Problemen beteiligen.“ Zwar sei es gesetzlich wohl leider so, dass die Vermieter im Recht seien und auf die Zahlung der Miete bestehen könnten. Aber gesamtwirtschaftlich sei es viel günstiger, durch ein Dekret die Zahlung der Mieten für zwei Monate einzufrieren, genauso wie die Kredite der Immobilieneigentümer. „An laufenden Kosten hat ja ein Immobilieneigentümer nicht so viel, könnte das also deutlich besser verkraften.“

Natürlich verschiebe sich dann das Problem in die Immobilienwirtschaft. Heldmann: „Es ist aber in der Immobilienbranche sicherlich viel einfacher, die Zeit einzufrieren und damit das Problem nach hinten zu schieben. Für notleidende Immobilienunternehmen , und davon wird es sicherlich nicht so viele geben, lässt sich mit weit weniger Kosten, ein Hilfs- und Stabilisierungsfonds auflegen.“

Harald Heldmann führt 13 stationäre Läden unter Classico, einen Online-Shop unter myclassico.com und ein Großhandelsgeschäft mit dem Label Bloom.
Foto: Classico
Harald Heldmann führt 13 stationäre Läden unter Classico, einen Online-Shop unter myclassico.com und ein Großhandelsgeschäft mit dem Label Bloom.
Seinem Unternehmen selbst gehe es noch den Umständen entsprechend gut. Er habe kaum größere Dispo-Kredite und sei relativ frei von Banken. 13 Geschäfte betreibt Classico, zwölf in Hamburg und eins in Lübeck, zwischen 50 und 500m² (Hamburg-City) groß. Die durchschnittliche Verkaufsfläche beträgt 120m². Alle Häuser sind gemietet, der Mietanteil am Umsatz in normalen "erträglich".

Und wie ist das Feedback seiner Vermieter angesichts der aktuellen Krise? Für die allermeisten sei eine Stundung erstmal okay, sagt Heldmann. Mehr Entgegenkommen gebe es allerdings nicht. Ein Beispiel: Bei der ECE ist Heldmann Mieter in zwei Objekten, Alstertal- und Elbe-Einkaufszentrum. „Mir wurde klipp und klar mitgeteilt, dass ich zur Zahlung verpflichtet sei.“ Gleichzeitig sei angedeutet worden, dass man auf Mahnungen aber vorerst verzichte.

Heldmann: „Classico hat alle Möglichkeiten, diese Krise zu überleben, weil wir in der Vergangenheit konservativ gewirtschaftet haben. Aber irgendwann können auch wir nicht mehr.“
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