Alexander Lochner von Lochner Top Fashion

Handel in Zeiten von Corona: „Nach Ostern wird's eng”


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Alexander Lochner: "Dass alle mit Sale starten, macht mir wirklich Angst"
Alexander Lochner: "Dass alle mit Sale starten, macht mir wirklich Angst"

Frühe Sales, unkooperative Lieferanten, good Guys und bad Guys - Premiumhändler Alexander Lochner von Lochner Top Fashion in Burghausen über seine größten Sorgen und Herausforderungen angesichts der Corona-Krise.

TextilWirtschaft: Herr Lochner, was ist Ihre größte Herausforderung in der aktuellen Lage?
Alexander Lochner:
Meine größte Sorge ist, dass ich hoffentlich in vier Wochen meinen Laden wieder aufschließen darf, dann aber alle mit Sale starten. Das macht mir wirklich Angst. Die andere Sorge ist natürlich, was mit meiner Ware passiert, und wie ich diesbezüglich mit meinen Lieferanten zusammenarbeiten kann. Denn gerade was einige internationale Brands anbetrifft, ist hier die Kooperation alles andere als gut.


Wen meinen Sie konkret?
Zum Beispiel Ganni. Die haben bis zuletzt Ware geschickt und dann kam am Dienstag eine Mail mit der Info, dass sie ihren Pre-Sale auf die Pre-Collection vorziehen und am Donnerstag starten, also einen Tag, nachdem wir unsere Läden schließen mussten. Das ist einfach keine Art. Eine echte Unverschämtheit. Ich habe dann mit Ganni telefoniert. Aber da hieß es nur, man müsse auch Liquidität schaffen. Aber das geht zu Lasten von allen anderen. So geht man nicht mit Partnern um. Entweder, die nehmen die Pre-Collection zurück oder ich storniere die gesamte Herbstorder. Da bin ich eiskalt.

Heißt das, Sie würden auch bei Ganni, die ja immer noch einen gewissen Hype-Faktor haben, auf eine weitere Zusammenarbeit verzichten?
Ich werde mir auf jeden Fall sehr genau anschauen, wer sich in dieser Krise wie verhält. Und ich werde sicher nur noch mit Firmen arbeiten, die das Wort Partnerschaft auch ernst nehmen.

Denken Sie überhaupt schon an die Order fürs nächste Frühjahr, die ja im Premiumgenre eigentlich im Mai schon wieder losgeht?
Man muss sich ja damit auseinandersetzen. Wir brauchen ja hoffentlich auch dann wieder Ware. Ich denke, viele Labels werden auf digitalem Wege etwas vorbereiten. Und wahrscheinlich splitte ich es so auf, dass ich bei einigen nur die Pre- und bei anderen nur die Main-Kollektion ordere.

Apropos bad Guys und good Guys. Wer hat sich denn bis dato sehr kooperativ gezeigt?
Closed zum Beispiel. Die haben sofort alle Artikel, die in der Auslieferung noch offen waren, storniert. Da hatte ich mit manch anderem ganz schön harte Diskussionen.  Außerdem hat Closed auch bei der Auslieferung der Pre-Autumn-Ware Entgegenkommen signalisiert.

Wie sieht ihr Plan für die jetzt angesetzten vier Schließungswochen aus?
Meine Mitarbeiter sind jetzt erstmal im Urlaub. Denn Kurzarbeit will ich erst anmelden, wenn gar nichts mehr geht. Denn das macht sich ja schon im Gehalt für meine Mitarbeiter bemerkbar. In der Zwischenzeit mache ich ein wenig Verkauf über Instagram. Aber ehrlich gesagt funktioniert das nicht so richtig gut. Der Aufwand steht eigentlich in keinem Verhältnis zu dem, was dabei rumkommt. Ansonsten hoffe ich, dass die Menschen auch nach Ostern noch Lust auf neue Mode haben.

Wie lange können Sie die derzeitige Situation überbrücken? Und ab wann wird es für Sie eng?
Das ist eine schwierige Frage. März und Oktober sind die wichtigsten Monate für mich. Ich habe eine Auslieferungsquote von 95% und keinen Cash-Income. Ganz gut geht es wohl bis Ostern. Danach wird es eng. Es kommt natürlich am Ende auch darauf an, wie ich mich im Einzelnen mit meinen Lieferanten einigen kann.

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