Handeln in der Corona-Krise - Jenny Trettin, Inhaberin des Berliner Wäscheladens Doppel D

"Meine Mitarbeiter werden in der Krise richtig kreativ"

Doppel D
Jenny Trettin will ihren Dessous-Laden in Berlin Charlottenburg im Home Office weiter betreiben.
Jenny Trettin will ihren Dessous-Laden in Berlin Charlottenburg im Home Office weiter betreiben.

Jenny Trettin, Inhaberin des Berliner Wäscheladens Doppel D, beschäftigt alle elf Mitarbeiter im Home Office weiter in Vollzeit. Im TW-Interview erzählt sie, wie sie ihr Geschäft in der Corona-Krise weiterführt.


TextilWirtschaft: Ihr Laden ist geschlossen und Sie haben für Ihre Mitarbeiter keine Kurzarbeit beantragt. Was machen Ihre elf Verkäuferinnen im Home Office?
Jenny Trettin: Sie sind gerade extrem kreativ, bereiten Podcasts vor und kommunizieren mit den Kunden und bereiten eine Crowdfunding-Aktion vor. Ich bin selbst überrascht, wieviel Potenzial diese Krise bei meinen Leuten frei setzt.

Und wie verdienen Sie dabei Geld?
Indem wir Ware und Gutscheine an unsere Kundinnen versenden. Bislang hatten wir ja keinen Online-Shop, aber wir bieten unseren Kundinnen jetzt an, ihnen ihre Lieblingsmodelle nach Hause zu schicken. Und das wird extrem gut angenommen, unsere Stammkundinnen wollen uns gern unterstützen und kaufen vor allem auch Gutscheine. Bis jetzt haben meine Mitarbeiterinnen in drei Tagen mehr als 25 Päckchen verschickt.

Aber davon kann man doch keine elf Mitarbeiter und keine Miete bezahlen.
Das ist richtig. Aber zum Glück liefen die vergangenen Monate sehr gut, und ich habe mir ein Polster für solche Krisen aufgebaut, sodass ich die kommenden anderthalb Monate erstmal überbrücken kann. Ich habe einen sehr guten Steuerberater und einen guten Draht zu meiner Hausbank, werde also auch schnell an Kredite kommen. Mein Vermieter hat mir zudem signalisiert, dass ich eventuell nicht die vollen 4000 Euro monatlich zahlen muss. Ich bleibe gespannt.

Warum haben Sie nicht einfach Kurzarbeit angemeldet?
Weil ich meine Mitarbeiter, so lange es geht, Vollzeit weiter beschäftigen will. Das ist auch für meine Leute wichtig, um ihnen Mut zu geben und den Zusammenhalt zu stärken.


Wie ist denn der Zusammenhalt mit den Lieferanten? Bekommen Sie da auch Unterstützung?
Auch das läuft hervorragend. Keiner stellt mir einfach Ware vor die Tür. Meine Lieferanten haben alle laufenden Bestellungen von sich aus gestoppt, sie sind sehr verständnisvoll. Es ist ein absolutes Miteinander.

Sie klingen sehr optimistisch. Bereitet Ihnen diese Krisen-Situation keine Sorgen?
Doch, natürlich. Wenn ich bis Ende Juni keinerlei Einnahmen habe, wird es schon brenzlig. Bis dahin hat sich hoffentlich alles wieder entspannt und ich checke parallel mit meinem Steuerberater alle Optionen für Unterstützungen vom Staat.

Ist die Stimmung unter Ihren Mitarbeiterinnen auch so gut?
Ja, bislang sind alle sehr optimistisch. Sie kommen ständig mit neuen Ideen. Es mag blöd klingen, aber zurzeit tut ihnen die Pause ganz gut, weil wir schon seit Dezember einen sehr hohen Krankenstand hatten und alle irgendwie auf dem Zahnfleisch gingen. Und sie entdecken jetzt ganz neue Marketing-Möglichkeiten zur Kundenbindung. Die Kommunikation mit unserem Kundenstamm ist gerade in diesen schwierigen Zeiten absolut wichtig.

Können Sie Beispiele nennen?
Am spannendsten finde ich die Podcast-Idee. Da soll es um Frauen-Themen gehen – Intimes aus der Umkleidekabine – um Diäten und die damit einhergehenden Veränderungen der Brust, Brustvergrößerung etc. Einfach andere Themen, wir wollen die Leute ja auch ein bisschen ablenken. Wir rücken in dieser Krise alle enger zusammen. Zumindest psychisch, wenn schon nicht physisch. Diese absolute Ausnahmesituation verändert ja auch die Beziehung zu unseren Kundinnen, im besten Fall wird sie dadurch noch intensiver.

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