Handelsverband Österreich zum Coronavirus

„Wirtschaftliche Folgen werden in ganz Europa erheblich sein“

Imgao/Independent Photo Agency Int.
Auswirkungen in Österreichs Nachbarland Italien: Leere Straßen und Läden in Mailand
Auswirkungen in Österreichs Nachbarland Italien: Leere Straßen und Läden in Mailand

Auch in Österreich gibt es die ersten Coronavirus-Fälle. Dazu hat sich jetzt der Handelsverband Österreich zu Wort gemeldet. Er widmet sich möglichen Auswirkungen des Coronavirus auf den europäischen und österreichischen Einzelhandel.

„Eines ist bereits klar: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie werden auch in Europa erheblich sein“, stellt der Verband klar. Die Schäden durch Produktionsausfälle, gestörte Lieferketten sowie eingeschränkte Konsummöglichkeiten seien derzeit vor allem in China und Südkorea beträchtlich. Beide Länder seien aber wichtige Handelspartner für Österreich. „Bleiben asiatische Fabriken aufgrund des Virus länger geschlossen, geraten auch deren Geschäftskunden in Europa und Nordamerika in Bedrängnis“, so der Handelsverband.


Unter Druck gerieten derzeit zum Beispiel Produzenten und Händler aus dem Luxusgüter-Segment, da ihre Umsätze stark von Touristen abhängig seien. „Hier macht sich der Rückgang ausländischer Besucher besonders stark bemerkbar“, so der Verband. Mit Umsatzsteigerungen dürfe hingegen der Onlinehandel rechnen. Er werde insbesondere durch die psychologischen Folgen der Corona-Krise mehr Zuspruch erhalten. Für den E-Commerce sei, neben einer raschen Auslieferung, entscheidend, die gesamte Lieferkette in Krisenzeiten sicherstellen zu können.

Mittelfristig seien aber fast alle Branchen, Hersteller und Händler von Einschränkungen betroffen. „Neben einem effektiven Gesundheitsschutz für die Bevölkerung muss die österreichische Bundesregierung jetzt auch das wirtschaftliche Krisenmanagement für unsere Unternehmen stärker in den Fokus nehmen“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Verbands. In Japan beispielsweise habe die Regierung bereits vor zwei Wochen ein begrenztes Notfall-Paket von umgerechnet rund 90 Mio. Euro ankündigt, um einheimische Einzelhändler finanziell zu unterstützen. Taiwan denke an die Bereitstellung von Retail-Gutscheinen im Wert von über 60 Mio. Euro, um den lokalen Konsum anzukurbeln, sobald die Ausbreitung des Corona-Virus nachlasse. Und weltweit hätten Immobilienentwickler und Vermieter von Einzelhandelsflächen versprochen, in den kommenden Monaten Mietnachlässe zu gewähren, um Umsatzeinbußen abzuschwächen.

„Wir sehen derartige unbürokratische Notfall-Pakete zur kurzfristigen Unterstützung betroffener Unternehmen im Anlassfall sehr positiv. Langfristig gehen wir allerdings nicht davon aus, dass COVID-19 erhebliche dauerhafte Auswirkungen auf die Einzelhandelsmärkte in Europa haben wird“, erklärt Will.

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