HDS/L-Chef Carl-August Seibel über neue Saison-Timings

"Endlich wieder über die Faszination des Produktes reden"

Josef Seibel-Gruppe
 Carl-August Seibel: "Mit einer Verscheibung der Saison könnte der lang diskutierte Schritt, die Verkaufszeit endlich den Wetterbedingungen und der Jahreszeit anzupassen, in die Realität umgesetzt werden."
Carl-August Seibel: "Mit einer Verscheibung der Saison könnte der lang diskutierte Schritt, die Verkaufszeit endlich den Wetterbedingungen und der Jahreszeit anzupassen, in die Realität umgesetzt werden."

Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie HDS/L arbeitet mit vielen Partnern unter Hochdruck daran, die Situation für die Branche zu vereinfachen. Viel diskutiert dieser Tage werden Verschiebungen von Lieferterminen bzw. gleich der gesamten Saison.

 Der HDS/L konzipiert inzwischen gemeinsam mit dem Bundesverband des deutschen Schuheinzelhandels BDSE und den Verbundgruppen ein spezielles Programm für die Händler, wie HDS/L-Chef Carl-August Seibel berichtet. Dabei definiere jede Marke bzw. jeder Hersteller die durchlaufenden Artikel/Modelle aus der aktuellen, jetzt gelieferten Frühjahres-/Sommer-Kollektion für die nächste Saison Frühjahr/Sommer 2021. Diese Info solle dann in den nächsten Wochen direkt oder über die Verbundgruppen an die Händler übermittelt werden.

„Dies erlaubt es dem Handel, diese Schuhe gegebenenfalls gleich für die nächste Saison zu verplanen und den Warendruck für die durch die Geschäftsschließungen verkürzte Verkaufszeit zu senken", so Seibel. Die Finanzierung der eingelagerten Ware müsse dann über KfW-Kredite und/oder die Verbundgruppen gewährleistet sein. Die Industrie werde ebenfalls die für die Nachorder vorgesehene Ware einlagern und für die Saison Frühjahr/Sommer 2021 reservieren.

Für die Zeit nach der Wiedereröffnung der Schuhgeschäfte würde Seibel am liebsten die reguläre Verkaufssaison auf die Monate Juni und Juli erweitern, „um dem Handel die Möglichkeit zu geben, über die Sommermonate regulär noch möglichst viel Ware verkaufen zu können. So könnte auch der lang diskutierte Schritt, die Verkaufszeit endlich den Wetterbedingungen und der Jahreszeit anzupassen, in die Realität umgesetzt werden".

Damit verschöbe sich auch das Timing für Herbst/Winter; die Ware würde nicht vor dem 1. August von der Industrie ausgeliefert werden. „Damit würde einerseits der Handel von frühzeitigen Wareneingängen für Herbst/Winter 2021 entlastet und die Zahlungsziele würden nach hinten geschoben. Andererseits würde es der Industrie helfen, Verspätungen in der Produktion, die durch Corona weltweit entstanden sind, wieder aufzuholen. Dies ist natürlich auf die jeweiligen Warengruppen abzustimmen", erläutert Seibel.

Hilfreich wäre dabei der einfache Datenaustauch zwischen Industrie und Handel. Laut Seibel arbeite der HDS/L gemeinsam mit den Verbundgruppen unter Hochdruck an der schon lange diskutieren Branchenlösung einer digitalen Datenplattform, um künftig einfach, preiswert, schnell und in rechtlich zulässiger Weise Daten zwischen Industrie und Handel auszutauschen.

Das Schlimmste an der Krise sei die große Unsicherheit. Niemand wisse, wie lange es dauert und welche Maßnahmen noch kommen werden, so Seibel. „Ich wünsche mir eine Lockerung der Maßnahmen und baldige Normalisierung der Situation, damit unsere Industrie und der Handel wieder nach vorne schauen können. Damit wir endlich wieder über die Faszination des Produktes, über Mode und Qualität reden und diskutieren können."
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