HDS/L und BDSE legen aktuelle Umsatzzahlen vor

Schuhbranche: „Corona-Folgen sind noch nicht abschätzbar”

"Die Folgen auf die deutsche Textil-, Mode- und Schuhindustrie, insbesondere mit Blick auf die ausbleibende oder verspätete Lieferung von Rohmaterialien und sonstigen Zuliefererprodukten, lassen sich momentan nicht mit Gewissheit abschätzen", erklärte der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie HDS/L am Montag in Düsseldorf auf der Gallery Shoes. „Angesichts der nachlaufenden Wirkung auf die Liefer- und Wertschöpfungsketten sind verlässliche Bewertungen frühestens in den nächsten ein bis zwei Wochen möglich.”

Auch der Schuhhandel hierzulande, der mit leichten Umsatzrückgängen in das Jahr 2020 gestartet ist, blickt verunsichert in die Zukunft. Ob und inwieweit sich in der aktuellen Umsatzentwicklung bereits eine gewisse Konsumzurückhaltung aufgrund des Coronavirus niederschlage, lasse sich schwer beurteilen. Bis Anfang März zumindest waren – von besonders betroffenen Regionen wie dem Kreis Heinsberg einmal abgesehen – kaum größere Auswirkungen auf den Umsatz der Schuheinzelhandels spürbar, erklärt der Schuhhandelsverband BDSE.

Die Lust der Verbraucher auf Schuhe hänge erheblich von einer positiven Konsumstimmung ab. "Die breite und teilweise Panik auslösende Berichterstattung in den Medien zum Coronavirus dürfte der Kauflaune jedenfalls eher geschadet als sie beflügelt haben", sagt BDSE-Präsidentin Brigitte Wischnewski. Auch in Bezug auf die Warenversorgung seien die Händler verunsichert und tauschten sich dieser Tage mit Verbundgruppen und Industriepartnern zu diesem Thema aus. Denn ein Großteil der in Deutschland angebotenen Schuhe stammt aus chinesischer Produktion oder enthält Vorprodukte und Zutaten von dort. Zumindest bei der aktuellen Frühjahrs-/Sommer-Saison sieht die Branche derzeit keine nennenswerten Lieferverzögerungen. Für die Auslieferung der Herbst-/Winterware könnte es jedoch dazu kommen, wenn die betroffenen Produktionsstätten nicht wieder anlaufen und die Transportwege nicht reibungslos funktionieren.



Sollten die Ansteckungsraten aber kurzfristig wieder zurückgehen, werden sich die negativen Auswirkungen auf den Schuhhandel in engen Grenzen halten. Zumal Konsumpsychologen davon ausgehen, dass nach Abebben der Epidemie die Käufe wieder überproportional stark nach oben schießen, so Wischnewski. Bei diesem Szenario rechnet der BDSE mit einem insgesamt leicht positiven Umsatzverlauf für 2020

Weniger optimistisch zeigen sich die Hersteller. Die aktuelle HDS/L-Konjunkturumfrage unter den deutschen Schuhlieferanten zeigt: Drei Viertel von ihnen melden eine schlechte bis befriedigende Entwicklung des Umsatzes und der Auftragslage in den vergangenen drei Monaten. Das Exportgeschäft habe sich in dem Zeitraum für die Hälfte der deutschen Schuhhersteller nur befriedigend entwickelt. Jeder vierte Schuhhersteller geht im gesamten Jahr 2020 zudem von einem rückläufigen Exportgeschäft aus. Vor Ausbruch des Coronavirus' ewarteten zwei Drittel der Hersteller unter den damaligen Bedingungen ein gleichbleibende Umsatzentwicklung im Vergleich zu 2019. Mit den Auswirkungen des  Coronavirus' (Frequenzrückgang in Innenstädten oder Quarantänemaßnahmen) sinken die Erwartungen allerdings für das laufende Jahr.

Umsatzentwicklung 2019

Industrie:

Die Verkaufserlöse der deutschen Schuhindustrie waren 2019 erstmals nach einigen Jahren des Wachstums rückläufig. So sanken die Erlöse von Herstellern  mit 50 oder mehr Beschäftigten um 2,7% auf 2,8 Mrd. Euro. 2,4 Mrd. Euro entfielen auf den Inlandsumsatz, der um 1,8% unter Vorjahr lag. Größere Sorgen bereiten die Auslandsmärkte. Dort schrumpfte der Umsatz um 6,9% auf 491 Mio. Euro. In der Euro-Zone wurden 335 Mio. umgesetzt (minus 2,4%).

Gestiegen ist die Zahl der Beschäftigten, und zwar um 2% auf 15.708. Die Erzeugerpreise sind für die Branche leicht gestiegen um 1,1%; die Verbraucherpreise um 0,2%.

Handel:

Der BDSE meldet für den deutschen Schuhhandel ein Plus von 3% auf 11,8 Mrd. Euro. Im stationären Handel betrug der Zuwachs 2,5%, online 5%. Der Internethandel steht für rund 22% der Umsätze. Nach Verbandserhebungen verzeichneten 53% der Händler ein Plus, 27% ein Erlösminus. 60% der Schuhgeschäfte meldeten rückläufige Frequenzen.

Import und Export der Schuhindustrie

2019 wurden knapp 341 Millionen Paar (plus 10,2%) mit einem Gesamtwert von 7,6 Mrd. Euro  (plus 9,9%) aus Deutschland ausgeführt. Der Durchschnittspreis betrug 22,27 Euro. Wichtigstes Abnehmerland bleibt Polen mit 59,5 Millionen Paar (plus 25,6%).  Die ausgeführte Paarzahl von Textilschuhen stieg um 10,4% auf 124 Millionen Paar.



Importiert wurden über 734 Millionen Paar Schuhe, ein Plus von 3,1%. Der Wert der importierten Schuhe ist um 5,5% auf 10,7 Mrd. Euro gestiegen. Der Durchschnittspreis erhöhte sich um 2,2% auf 14,59 Euro. Wichtigstes Lieferland bleibt China mit 341 Millionen Paar Schuhen (plus 1,9%). Insgesamt sank der Anteil dieses Importmarktes von 47,1 auf 46,5%. Prozent gesunken. Auf dem zweiten Rang folgt Vietnam mit knapp 113 Millionen Paar Schuhen (plus 6,9%). Aus Italien kamen 32,1 Millionen Paar Schuhe (plus 1,5%).

Auf Schuhe mit Spinnstoffoberteil entfallen 40% der Importe. Die Paarzahl stieg um 2,7% auf 289 Millionen. Lederschuhe wurden 190 Millionen Paar importiert (plus 2,9%).
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