"Hersteller kümmern sich um Fachhandel"

850 Mio. Euro: Modeindustrie will Rettungsschirm für den Mittelstand

Einer der Initiatoren der Fonds-Idee: Dieter Holzer, Chef von Marc O' Polo.
Einer der Initiatoren der Fonds-Idee: Dieter Holzer, Chef von Marc O' Polo.

Das ist mal eine Ansage: Rund 30 Hersteller fordern von der Bundesregierung angesichts der Corona-Krise einen Liquiditätsfonds zur Rettung der mittelständischen Modebranche. Volumen: 850 Mio. Euro.

"Wir brauchen einen Rettungsschirm, der die Liquidität der Händler unterstützt", fordert die Gruppe der Hersteller, die nach eigenen Angaben rund 60% des Umsatzes des deutschen Facheinzelhandels repräsentiert. Mit dabei sind unter anderem Betty Barclay Group, Brax, CBR, Falke, Marc Cain, Marc O'Polo, Olymp, Opus und die S.Oliver Group.


"Der gesunde Teil der Industrie kümmert sich um den gesunden Teil des deutschen Fachhandels", wie Händlervertreter Daniel Terberger, Chef der Bielefelder Katag, sagte. Die staatliche Unterstützung sei in der aktuellen Ausnahmesituation notwendig, "um die systemrelevante Wertschöpfungskette nicht zu zerschlagen", so Terberger. Das komme auch den Innenstädten zugute, sie seien schließlich wesentlich von den mittelständischen Modehändlern geprägt.


Der Fonds soll dem Handel mit 180 Tage-Valuta Liquidität für die Lieferungen zwischen Juli und November 2020 sichern. Nach dem Plan übernimmt der Fonds 90% des Haftungsrisikos, für zehn Prozent will die Industrie einstehen.

"Das soll kein Zuschuss von der Regierung sein", sagte Dieter Holzer, CEO von Marc O'Polo, der TextilWirtschaft. Er hat maßgeblich an dem Plan mitgearbeitet. Die Rückzahlung soll von einer unabhängigen Wirtschaftskanzlei kontrolliert werden.

"Mit dieser staatlichen Hilfe sind die Warenflüsse gesichert und die Liquidität bleibt für 180 Tage im Handel", heißt es bei der Initiative, die nicht zuletzt auf Gedanken von Stefan Leewe zurückgehe, Eigentümer der Marken Opus und Someday. Gespräche mit der Politik laufen, Holzer hofft auf eine Umsetzung innerhalb von vier Wochen.



Die aktuellen Probleme während des Shutdowns dürfte der Vorstoß der Top-30-Händler allerdings kaum lösen. Holzer, Terberger und ihre Mitstreiter haben vor allem die nächste Phase der Krisenbewältigung im Auge. Irgendwann werden die Läden ja wieder öffnen dürfen.

"Ob die Initiative Rabattschlachten ab dem Tag der Wiedereröffnung verhindert, vermag ich nicht zu sagen. Aber sie bringt den Händlern mehr Sicherheit, um nach vorne planen zu können. Und sich nicht um jeden Preis Liquidität über fragwürdige Sales beschaffen zu müssen", so der Marc O'Polo-Chef. Dass eine solche Brückenfinanzierung auch die Vororder bei der Industrie absichern würde, dürfte ebenfalls eingepreist sein.

Die Initiatoren loben zwar die bisherigen Rettungs-Initiativen der Bundesregierung, sehen aber Probleme bei der Geschwindigkeit und bei der bisher für KfW-Darlehen vorgesehenen Beteiligung der privaten Banken in Höhe von 10%. Doch die hat die Branche zuletzt nicht allzuoft als risikofreudig erlebt. Das mache es zusätzlich schwierig, an Geld zu kommen – vor allem schnell. Denn "Industrie und Handel leiden unter dem Totalausfall einer gesamten Frühjahr-/Sommer-Saison".

Lesen Sie mehr dazu in der kommenden TextilWirtschaft, ab diesem Mittwoch 18 Uhr im E-Paper und ab Donnerstag in der Printausgabe.

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