Hilfe für strauchelnde Mittelständler

30 Milliarden Euro: Bund unterstützt die Kreditversicherer

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Alles andere als Kleingeld: Der Bund sichert die Kreditversicherer mit 30 Mrd. Euro.
Alles andere als Kleingeld: Der Bund sichert die Kreditversicherer mit 30 Mrd. Euro.

Der nächste Schutzschirm kommt direkt von der Bundesregierung: Der Bund sichert die Kreditversicherer mit 30 Mrd. Euro ab, damit sie weiterhin für Corona bedingte Zahlungsausfälle von Lieferanten einstehen können. Auch die Versicherungsunternehmen beteiligen sich.



Laut Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ist das neue Instrument für die Fälle gedacht, in denen ungewiss ist, "ob der Kunde am Ende zahlen kann." Der neue Schutzschirm sorge dafür, "dass Kreditversicherer weiter für etwaige Zahlungsausfälle einstehen". Er trage dazu bei, "die Lieferketten in Deutschland und weltweit aufrechtzuerhalten."

Schützen soll der Schirm ausschließlich Unternehmen, die erst durch Corona in Schieflage geraten sind.

Während der Bund 2020 mit rund 30 Mrd. Euro geradesteht, reichen die Kreditversicherer als ihren Beitrag nach eigenen Angaben 65% ihrer Prämieneinnahmen nach Berlin weiter. Zudem tragen sie 500 Mio. Euro Ausfallverluste, die über die Bundes-Absicherung hinausgehen. Alle großen Kreditversicherer beteiligen sich an dem Projekt. Marktführer Euler Hermes nach eigenen Angaben mit rund der Hälfte des Beitrages der Unternehmensseite.

Deren DACH-Chef Ron van het Hof sagte zur Erklärung: "Wir stehen an einem Wendepunkt für die deutsche Wirtschaft. Wir haben deshalb sehr frühzeitig den Schulterschluss mit dem Bund gesucht, um gemeinsam deutsche Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen. Gerade auch für den Mittelstand ist dies elementar."

Kettenreaktionen vermeiden

Vorrangiges Ziel sei es, "das Vertrauen in den Handel zu stabilisieren". Er sei das Rückgrat der Wirtschaft. Mit dem neuen Schirm könnten die Versicherer ihre "Deckungszusagen für zuvor gesunde Unternehmen aufrechterhalten und Kettenreaktionen vermeiden."

Man nehme die Verantwortung gegenüber den Unternehmen ernst, erklärte Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius und gleichzeitig Sprecher der Kommission Kreditversicherung im Branchenverband GDV.

"Die Garantie-Zusage des Bundes ermöglicht es uns, Kreditlimite für Abnehmer, die grundsätzlich gesunde Unternehmen darstellen, aber durch Corona in Schwierigkeiten geraten sind, aufrechtzuerhalten beziehungsweise zu zeichnen. Diese wären unter gewöhnlichen Risiko-Underwriting-Grundsätzen mit Blick auf die Einordnung von Corona als pandemisches Risiko nicht versicherbar gewesen", so Langen.

Nach seiner Darstellung hat Atradius wegen Corona keine Verträge gekündigt. Die Mitarbeiterzahl sei aufgestockt worden, "um auch bei dem zu erwartenden erhöhten Schadenaufkommen die gewohnte Schnelligkeit der Schadenauszahlung zu gewährleisten", so Langen. Atradius habe weltweit in den vergangenen drei Jahren über alle Branchen hinweg Schäden in Höhe von über zwei Mrd. Euro an Kunden ausbezahlt − was 42% der eingenommenen Prämien entspreche.

Laut Euler Hermes haben die Kreditversicherer 2019 insgesamt Deckungszusagen in Höhe von 400 Mrd. Euro an deutsche Unternehmen vergeben − knapp die Hälfte davon sei auf die Allianz-Tochter entfallen.

Nach Angaben des  Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hätten die Kreditversicherer in Deutschland zudem Deckungszusagen für rund 15% der deutschen Ausfuhren gegeben.
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