Hintergründe zur Panorama-Insolvenz

Jörg Wichmann: „Wir brauchen das klare Commitment der Branche”

Panorama
Panorama-Chef Jörg Wichmann will neu aufgestellt weitermachen.
Panorama-Chef Jörg Wichmann will neu aufgestellt weitermachen.

„Es war eine Verkettung vieler Umstände. Um nicht noch mehr in Schieflage zu geraten und um das Unternehmen und die Mitarbeiter zu schützen, mussten wir die Reißleine ziehen und Insolvenz beantragen”, sagt Jörg Wichmann, Chef der Panorama.

Wie am Montag bekannt wurde, hat die Panorama Fashion Fair Berlin GmbH, vertreten durch den Geschäftsführer Wichmann, Ende vergangener Woche beim Amtsgericht Charlottenburg Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen gestellt.



Im vorigen Herbst hatte Wichmann sich von der Messe Berlin und dem Standort unterm Funkturm getrennt für einen Neustart in Tempelhof. Damit einher ging nicht nur die Verkleinerung und notwendige Umstrukturierung der Messe. Auch etliche Dienstleistungen, die die Messe Berlin erbracht hatte, mussten nun von der Panorama selbst gestemmt werden. Standbauten in Tempelhof sind zudem teurer, Vorabinvestitionen u.a. in Lichtanlagen waren nötig. Für die eigentliche Vermarktung des Events blieben Wichmann und seinem Team nur rund drei Monate Zeit.

Zwar herrschte nach der Premiere im Januar grundlegend eine positive Stimmung, doch mit rund 270 Labels in zwei Hallen blieb die Messe deutlich unter ihren einstigen Bestleistungen. Am Ende habe ein sechsstelliger Minusbetrag die Bilanz belastet, so Wichmann.

Wie es mit der Panorama Fashion Fair GmbH weitergeht, an der Wichmann und seit 2015 Christoph Giulini beteiligt sind, ist noch offen, die Gespräche mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Niklas Lütcke laufen. 30 Mitarbeiter habe die Gesellschaft, Anpassungen seien nötig, sagt er. Wie genau die aussehen, ist noch offen.

Geht es nach Wichmann, will er neu aufgestellt weitermachen. Bestimmte Dienstleistungen will er künftig an externe Firmen vergeben. Auch mit der Messe Frankfurt, die erfolgreich die Fair Fashion-Messe Neonyt in Tempelhof organisiert, will er weiterhin bzw. verstärkt Synergien nutzen, u.a. im Bereich Security.

Die Rückkehr zur Kultlocation Tempelhof kam bei den meisten gut an.
Panorama Berlin
Die Rückkehr zur Kultlocation Tempelhof kam bei den meisten gut an.
Er und sein Team schreiben nun alle Kunden an und gehen in den nächsten drei Wochen in Gespräche mit potenziellen Ausstellern. Sie werden nach ihren Ideen und Wünschen gefragt. Auch der Messe-Name Panorama steht zur Diskussion. „Nach viel positivem Feedback im Januar fühlen wir, dass wir ein Mandat haben, weiterzumachen. Aber wir brauchen das klare Commitment”, betont Wichmann. Er und Giulini seien bereit, selbst zu investieren. Er wolle neue Ideen umsetzen, neue attraktive Angebote und Konzepte für Präsentationen entwickeln. Das Aussteller-Portfolio soll und muss relevant sein; ein klug kuratierter Mix aus etablierten und neuen Brands.

Zu den Gewinnern im Januar zählte die Neonyt in Tempelhof. Sie will im Sommer dort expandieren.
Anja Probe
Zu den Gewinnern im Januar zählte die Neonyt in Tempelhof. Sie will im Sommer dort expandieren.

Das sagen Neonyt und Premium

Wichmanns Messe-Kollegen lassen sich von der Entwicklung nicht aus der Ruhe bringen. Thimo Schwenzfeier, Leiter der Neonyt, will im Sommer auf jeden Fall mit mindestens zwei Hallen nach Tempelhof zurückkehren. Für ihn war die Premiere an diesem Standort im Januar ein voller Erfolg.

Und auch Anita Tillmann, Chefin der Premium Group, bekräftigt, dass im Sommer alles so bleibt, wie gehabt: die Seek läuft in der Arena in Treptow, die Premium in der Station am Gleisdreieck, wo das Unternehmen noch für mehrere Saisons einen Mietvertrag hat. Gerade in Zeiten der Corona-Hysterie wolle man Ruhe austrahlen und sich als verlässlicher Partner für die Branche positionieren. Die Panorama-Insolvenz kommentiert Tillmann so: „Um es mit einer Metapher aus dem Fußball zu sagen: Wenn man auf lange Sicht das Ziel hat, in der Champions League zu spielen, dann führen ein ständiger Personalwechsel und immer neue Konzept-Ankündigungen eher zu Abstiegsdiskussionen als zum Erfolg.”
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