H&M Home General Manager Ida Lindahl im Interview

"Die Pandemie hat unser Zuhause wichtiger gemacht als je zuvor"

H&M
H&M Home General Manager Ida Lindahl: "Ich denke, dass die Pandemie den Wunsch verstärkt hat, sich durch die Einrichtungsgegenstände in den eigenen vier Wänden auszudrücken und sie Geschichten über die Menschen erzählen zu lassen, die dort leben."
H&M Home General Manager Ida Lindahl: "Ich denke, dass die Pandemie den Wunsch verstärkt hat, sich durch die Einrichtungsgegenstände in den eigenen vier Wänden auszudrücken und sie Geschichten über die Menschen erzählen zu lassen, die dort leben."

28 Flagship-Stores, 400 Shop-in-Shops und ein großes Sortiment von Geschirr über Homewear bis hin zu Möbeln. Was 2009 als reines Online-Konzept mit Bettwäsche, Überwürfen, Kissen und Kuscheltieren gestartet war, ist heute eine eigenständige Marke innerhalb der H&M Group. Und H&M Home ist auf Expansionskurs: Für Herbst 2022 steht der erste eigene Standort in Österreich auf der Agenda. Ende April eröffnet ein neuer Store in Berlin. Ein absoluter Wunschstandort, wie H&M Home General Manager Ida Lindahl im Interview mit der TextilWirtschaft erzählt, in dem sie auch über nahtlose Einkaufserlebnisse, Nachhaltigkeit und Transparenz sowie die neuen Trends spricht.

TextilWirtschaft: In Kürze eröffnet H&M Home in Berlin. Wie wird der Store aussehen?
Ida Lindahl:
Inspiriert von einzigartigen Boutique-Hotels und großartigen Stadtwohnungen haben wir eine warme und einladende Wohnumgebung mit authentischen Details aus Beton und Holz geschaffen. Der Store hat ein modernes Großstadtgefühl, aber mit einem eklektischen Stilmix. Neben der Inspiration durch visuelle Elemente vom Alexanderplatz waren Elemente des Bauhaus-Stils einige der wichtigsten Quellen der lokalen Inspiration. Wir sehen Berlin als eine der inspirierendsten Kultur- und Design-Hauptstädte der Welt, und während des gesamten Planungsprozesses für dieses Projekt war es uns wichtig, ein Lifestyle-Ziel zu schaffen, das zur Stadt und ihrer erstaunlichen Vielfalt passt. Um den Store einzigartig zu machen, haben wir ihn mit Kunstwerken lokaler Künstler und Künstlerinnen dekoriert, handverlesene Vintage- und Upcycling-Stücke in die Ladeneinrichtung integriert, eine kuratierte Auswahl lokaler externer Marken in das Sortiment aufgenommen und um unseren Standort noch einladender zu gestalten, haben wir auch ein Café eingerichtet.


Was sind die architektonischen Highlights des Konzepts?
Die digitale Transformation des Einrichtungs- und Lifestyle-Einzelhandels verändert die Rolle der Geschäfte. Wir schaffen nicht nur ein nahtloses Erlebnis zwischen dem digitalen und dem physischen Bereich, sondern verbessern auch das Erlebnis im Store, um die sich ständig ändernden Erwartungen unserer Kundinnen und Kunden zu erfüllen. Passend zum neuen Gebäude haben unsere Architekten und Architektinnen einen klaren und kantigen Look mit schlanken und sauberen Details gewählt. Die Raumbögen sind ein charakteristischer Teil des architektonischen Konzepts – sie schaffen eine dynamische Atmosphäre und helfen dabei, den großen Raum in verschiedene Bereiche aufzuteilen, die sich über alle Zimmer des Hauses erstrecken.
Mehr zum Thema
TW Podcast
Oliver Lange, Head of H&M beyond, im Gespräch mit TW-Ressortleiter Jörg Nowicki

TW Podcast: Wie sieht die Zukunft von H&M aus, Oliver Lange?

Als Chef des H&M-Innovationslabors H&M beyond beschäftigt sich Oliver Lange mit der Frage, wie Fashion Retail in Zukunft aussehen könnte. Wie wollen die Menschen Mode kaufen? Welche Rolle spielt On-Demand-Produktion und wie setzt man diese in der Realität um? Was muss eine virtuelle Brand Experience leisten? Und zuletzt die Frage: Wollen die Kunden der Zukunft überhaupt noch Kleidung kaufen und besitzen oder lieber mieten?

In diesem Jahr sind noch weitere Standorte geplant, zum Beispiel in Österreich im Herbst. Wie hat sich das Home-Segment in den letzten zwei Jahren entwickelt?
Die Pandemie hat unser Zuhause zentraler gemacht als je zuvor. Wir verbringen viel mehr Zeit zu Hause, und diese Räume sind zu unglaublich prägenden Aspekten unserer Persönlichkeit geworden – ein Ort, an dem wir uns sicher fühlen, aber auch ein Ort für Arbeit, Familie und Freizeitaktivitäten. Wir können uns vorstellen, dass dies den Wunsch verstärkt hat, sich durch die Einrichtungsgegenstände in den eigenen vier Wänden auszudrücken und sie dazu zu bringen, Geschichten über die Menschen zu erzählen, die dort leben. Das Besondere an unserem Angebot ist die starke Kombination aus unserer Geschäftsidee, modernes Design und Qualität auf eine inspirierende und nachhaltige Weise anzubieten, und der Vielfalt unserer Produktpalette. Wir streben danach, immer für das tatsächliche Leben, für die tatsächlichen Bedürfnisse und für jeden und jede zu entwerfen.

H&M Home deckt bereits viele Segmente ab. Gibt es noch Produkte, Preisklassen oder Kategorien, in die Sie gerne expandieren würden? Wo sehen Sie noch Wachstumspotenzial?
Auf jeden Fall. Es ist immer faszinierend, neue Wege zu gehen. Wir sehen uns selbst als unseren größten Konkurrenten und prüfen ständig, wie wir noch besser werden können. Unser Ziel ist es immer, unsere Kundinnen und Kunden zu überraschen und ihre Erwartungen zu übertreffen – und unsere Kollektionen werden mit Blick auf Kundinnen und Kunden entworfen. Ich kann hier nicht weiter ins Detail gehen, aber wir entwickeln stetig Neues.

Was sind derzeit die großen Trends in Bezug auf Farben, Formen und Materialien im Home-Bereich?
Wir werden noch mehr gewagte und mutige Farben mit einzigartigen künstlerischen Akzenten und Formen sehen. Wir sehen auch einen zunehmenden Trend zu natürlichen Materialien.

Stichwort: Nachhaltigkeit. Welche Anstrengungen werden hier unternommen? Und wird dies von den Kunden zunehmend gefordert?
Bei der H&M Group arbeiten wir seit mehr als 20 Jahren an der Nachhaltigkeit unseres Geschäfts, aber jetzt müssen wir uns selbst herausfordern, alte Annahmen infrage stellen und uns neu vorstellen, was Wachstum bedeutet. Unsere Branche definiert sich neu und entwickelt sich weiter, und das tun auch wir. Wir übernehmen die Verantwortung dafür, dass unsere Produkte auf ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Weise hergestellt werden, und wir verwenden nicht nur neue Materialien und Verfahren, sondern auch Geschäftsmodelle und neue Wege, wie die Menschen Design erleben können. Unsere Vision ist es, den Wandel hin zu zirkulärem und klimapositivem Design anzuführen und gleichzeitig ein faires und gleichberechtigtes Unternehmen zu sein, und mit jeder Kollektion und Saison erhöhen wir die Anzahl der nachhaltigen Materialien. Bereits jetzt stammen 90 % unserer Textilien aus nachhaltigeren Quellen, und wir nutzen auch andere nachhaltigere Materialien wie z.B. FSC-zertifiziertes Holz, recyceltes Plastik, recyceltes Papier und recyceltes Glas.

Wie machen Sie das transparent? Auf der Website zeigen Sie z.B., wie die Produkte hergestellt werden, und stellen die Menschen vor, die hinter den Produkten stehen. Wie übertragen Sie diese Geschichten und Informationen in den Laden?
Wir bieten in unserer App und auf hm.com eine Transparenz-Ebene, auf der wir ausführliche und detaillierte Informationen zu jedem Produkt bereitstellen. Unsere Kundinnen und Kunden können leicht herausfinden, wo ihr Lieblingsprodukt hergestellt wurde, wie der Name des Lieferanten lautet und aus welchen Materialien es besteht. Indem wir offen und transparent darüber informieren, wo unsere Produkte hergestellt werden, hoffen wir, die Messlatte für unsere Branche höher zu legen und unsere Kundinnen und Kunden zu ermutigen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Wenn Kunden die H&M-App im Geschäft benutzen, können sie einfach den Barcode auf dem Etikett des Produkts scannen und alle oben genannten Informationen abrufen, egal ob im Geschäft oder zu Hause.


stats