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Im Juni wird es besonders eng

Lieferverzögerungen von bis zu 50 Tagen durch Corona-Krise

Adobe.Stock/donvictori0/Setlog
Derzeit stauen sich in einigen chinesischen Häfen volle Container, die für den Transport nach Europa vorgesehen sind.
Derzeit stauen sich in einigen chinesischen Häfen volle Container, die für den Transport nach Europa vorgesehen sind.

Die derzeitige Verspätung für Waren aus Asien beträgt im Schnitt 20 Tage. Das hat das auf Supply Chain Management-Software spezialisierte Unternehmen Setlog berechnet. Aber es wird noch schlimmer: Für die Sommermonate prognostizieren die Analysten vereinzelte Verspätungen von bis zu 50 Tagen.

Ab Juli wird es demnach besonders eng für Unternehmen, die insbesondere aus China beliefert werden oder Rohwaren von dort für ihre Produktionen beziehen.

Keine Zutaten mehr in China

Nach Informationen von Setlog konnten viele Betriebe im Reich der Mitte nach dem Ende der chinesischen Neujahrs-Ferien am 11. Februar die Produktion nicht oder zumindest nicht wie gewohnt aufnehmen. Ursache dafür sei unter anderem, dass Sublieferanten der chinesischen Hersteller aufgrund der Pandemieauswirkungen Rohstoffe wie etwa Stoffe, Zutaten oder Komponenten nicht liefern konnten. Ein weiterer Grund für Lieferengpässe ist, dass in einigen chinesischen Häfen aufgrund der Viruskrankheit Arbeiter und Fahrer fehlen, sodass sich Container stauten und nicht ins Inland befördert werden können. Somit könnten sowohl Roh- als auch Fertigwaren nicht in andere asiatische Produktionsländer und nach Europa auf den Weg gebracht werden. 

Probleme auch in Südosteuropa

Setlog zufolge liegt das Nivea der Lieferungen aus China derzeit bei 70% des Vorjahres. Erst langsam verbessere sich die Lage. Die Bochumer Supply Chain-Experten beobachteten zudem Verzögerungen von Produktionsaufträgen in Südosteuropa. Vereinzelt meldeten Lieferanten aus der Türkei, Rumänien und Italien, dass später als ursprünglich geplant produziert wird. Wegen der besonders kritischen Lage in Italien wurden für die Woche vom 9. bis zum 15. März im Setlog-System Osca keine Lieferungen aus dem südeuropäischen Land verzeichnet.

Umstieg von Seefracht auf Luftfracht

Laut Setlog seien einige deutsche Firmen für Lieferungen aus China von See- auf Luftfrachttransporte umgestiegen. Dafür müsse allerdings aufgrund der starken Nachfrage auf dem Spotmarkt für Air Cargo im Vergleich zum Vorjahr mitunter das Fünffache bezahlt werden. Aber nicht nur die erhöhten Frachtkosten machten vielen Fashionspezialisten derzeit zu schaffen, sondern auch die nachlassende Nachfrage. Weil Verbraucher zu Hause bleiben und sich eher Lebensmittel als Hemden und Hosen zulegen, leiden viele Anbieter unter rückläufigen Verkäufen.

Verknappung der Transportkapazitäten

Eine Entspannung sei nicht in Sicht. "Wir befürchten, dass es nach der Entspannung der Krankheitslage in China zu anderen Problemen kommen könnte. Sobald die Fabriken die Kapazitäten hochfahren, besteht Gefahr, dass nicht alle auf Standards im Bereich Qualität und Corporate Social Responsibility achten", sagt Setlog-Vorstand Ralf Düster. Er rechnet zudem damit, dass es zu einer Verknappung der Transportkapazitäten kommen wird, zuerst im Reich der Mitte, später in anderen asiatischen Ländern. "Es ist wichtig, dass Unternehmen so früh wie möglich Transporte in den Wochen buchen, die als besonders kritisch gelten, so Düster.

Transparenz hilft

Jetzt zeige sich, wie wichtig ein professionelles Supply Chain Management ist. "Denn transparente Supply Chains sind die Grundvoraussetzung, dass Unternehmen bei unerwarteten Unterbrechungen der Ketten – sei es durch Pandemien, Streiks, Unfälle oder Umweltkatastrophen – handlungsfähig und agil bleiben", resümmiert Düster. Nur mithilfe einer zentralen, digitalen Plattform, an die alle Partner angeschlossen sind, ließen sich Veränderungen in puncto Produktion oder Transport rasch und für alle Beteiligten nachvollziehbar durchführen. „Und falls jemand wegen Krankheit ausfällt, können die Kollegen unkompliziert die Arbeit übernehmen, weil sie über sämtliche Prozesse einen Überblick haben. Sie müssen nicht erst mühsam in alten E-Mails nach Informationen suchen", fasst Düster zusammen.

Für die Analyse wertete Setlog am 12. März die Lieferketten von mehr als 100 Fashionmarken und deren Supply Chain-Partnern aus. 

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