PwC veröffentlicht Studie "Lockdown, Shake Up"

So sieht die neue Normalität beim Shopping aus

Imago Images/Ralph Peters
Laut PwC werden Bilder von überfüllten Einkaufszonen immer seltener. Das Foto zeigt die Flinger Straße in Düsseldorf.
Laut PwC werden Bilder von überfüllten Einkaufszonen immer seltener. Das Foto zeigt die Flinger Straße in Düsseldorf.

Die Hälfte der europäischen und 30% der deutschen Großstädter kaufen weniger im stationären Einzelhandel ein als vor der Pandemie. Zu diesem Ergebnis kommt PwC in der neuen Studie "Lockdown, Shake Up: The New Normal for Shopping in Europe".

Für die Analyse hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung Bewohner von Großstädten in sieben europäischen Ländern befragt: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Schweden und Niederlande. Knapp 6200 Probanden wurden vor dem Ausbruch der Pandemie interviewt, weitere 3400 nach dem Ausbruch der Krise. Unter den Befragten waren rund 500 deutsche Konsumenten aus Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt.

Eines der Kernergebnisse der Studie: Fast die Hälfte der europäischen Verbrauchen kauft seit Beginn der Corona-Krise seltener im Laden um die Ecke ein. Inwieweit die Menschen den stationären Einzelhandel meiden, hängt dabei auch davon ab, wie stark ihr Land bislang von der Pandemie betroffen war. So geben in Deutschland 30% der Befragten an, weniger im Laden vor Ort einzukaufen als vor der Krise; in Italien sind es dagegen mit 62% mehr als doppelt so viele.

E-Commerce boomt weiter

Während viele Menschen also auch nach dem Lockdown noch auf größere Shopping-Touren verzichten, bleibt der E-Commerce auf hohem Niveau. Besonders profitieren kann der Lebensmittelhandel: Laut der PwC-Studie haben europäische Verbraucher während der Pandemie insgesamt deutlich mehr Nahrungsmittel online bestellt. In Frankreich, Spanien und Italien hat fast ein Drittel der Menschen Lebensmittel und Produkte für den täglichen Bedarf in erster Linie online eingekauft.
„Corona hat dem Online-Lebensmittelhandel endgültig zum Durchbruch verholfen.“
Christian Wulff
Die Deutschen zeigen sich in diesem Zusammenhang gewohnt konservativer: Nur 22% haben den Online-Einkauf dem Besuch beim stationären Lebensmittelhändler vorgezogen. Unter den deutschen Großstädtern sieht das schon anders aus: Dort bestellt heute jeder Zweite (52%) seine Lebensmittel lieber im Netz als vor der Corona-Krise. Und noch bemerkenswerter: Die große Mehrheit (82%) will das auch nach der Pandemie im gleichen Umfang beibehalten.

"Corona hat dem Online-Lebensmittelhandel endgültig zum Durchbruch verholfen", resümiert PwC-Experte Christian Wulff. "Verbraucher schätzen nicht nur den Komfort und die Sicherheit des E-Commerce, sondern arbeiten häufiger von zu Hause und können die Lieferung besser in Empfang nehmen. Mögliche Skepsis, dass online bestellte Lebensmittel qualitativ minderwertig sind, hat sich nicht bestätigt."

Für den stationären Einzelhandel ergeben sich aus diesen Entwicklungen große Herausforderungen, um die Kunden in die Geschäfte zurückzuholen. Ein Lösungsansatz liegt in dem Einsatz von Technologie am physischen Point of Sale, die das Kundenerlebnis nachhaltig verbessert. Beispiele dafür sind der automatisierte Bezahlvorgang, den sich bereits mehr als ein Drittel (34%) der europäischen Verbraucher wünscht. 29% der Befragten schätzen zudem den Versand individualisierter Angebote auf das Smartphone, sobald man das Geschäft betritt.

"Durch die Angst vor einer Ansteckung ist die Nachfrage nach einem kontaktlosen Einkaufserlebnis stark gestiegen", konstatiert Wulff. "Selbst unter deutschen Verbrauchern, die mobile Angebote im europäischen Vergleich eher zögerlich annehmen, erfreut sich das kontaktlose Bezahlen seit Beginn der Pandemie großer Beliebtheit. Für Händler sind automatisierte Checkouts und ein berührungsloser Bezahlvorgang längst kein Nice-to-have mehr, sondern ein Muss."

Zudem können Einzelhändler auch mit Anpassungen im Produktangebot punkten und sich etwa stärker den Segmenten Gesundheit und Wohlbefinden zuwenden: Rund zwei Drittel der deutschen Stadtbewohner geben in der Studie nämlich an, dass sie in Folge von Covid-19 stärker auf ihre Gesundheit, Fitness und Ernährung achten wollen.

Wulff: "Diese Entwicklung gibt Händlern die Chance, ihr Sortiment an Gesundheitsprodukten zu erweitern und sich damit vom Wettbewerb abzuheben." Dafür sollten sie auch ihre Marketingkanäle und -formate entsprechend neu justieren: Denn insbesondere über soziale Medien und eine Zusammenarbeit mit Influencern, die Gesundheitsprodukte authentisch repräsentieren, lassen sich Aufmerksamkeit und Umsatz steigern", so Wulff weiter.

Schließlich verstärkt sich in der Corona-Pandemie auch der Trend zum bewussten Konsum: "Die Zeit des Lockdowns war auch eine Zeit der Reflexion: Viele Verbraucher haben gemerkt, dass sie viel weniger benötigen als gedacht. Folglich werden sie in Zukunft bewusster konsumieren - und preissensibler", erklärt Wulff.

Das verstärkte Achten auf den Preis liegt dabei vor allem darin begründet, dass 40% der europäischen und rund ein Drittel der deutschen Befragten in Folge von Corona Einkommenseinbußen hinnehmen mussten.

Von den deutschen Stadtbewohnern will laut der Studie rund ein Viertel künftig weniger Geld ausgeben. Im stark von der Pandemie betroffenen Spanien geht sogar über die Hälfte der Verbraucher (56%) davon aus, in den kommenden Monaten weniger Spielraum für finanzielle Aufwendungen zu haben.

Dieser Text erschien zuerst auf www.horizont.net.

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