Shopping-Center und Modehaus testen Maskenerkennungssoftware

"Bitte setzen Sie eine Maske auf"

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"Danke, dass Sie eine Maske tragen", sagt die Maskenerkennungssoftware zu Kunden, die Mundschutz tragen.
"Danke, dass Sie eine Maske tragen", sagt die Maskenerkennungssoftware zu Kunden, die Mundschutz tragen.

Seit Montag dürfen Geschäfte mit bis zu 800m² Verkaufsfläche in Niedersachsen wieder öffnen − wenn sie hygienische Bedingungen und Abstandsregelungen erfüllen. Eine Maskenpflicht gibt es in dem Bundesland erst ab kommender Woche. Durch eine neue Maskenerkennungssoftware, die derzeit in Hildesheim getestet wird,  sind das Shoppingcenter Arneken Galerie und das Modehaus Kressmann schon auf die Situation vorbereitet.

"Herzlich Willkommen! Danke, dass Sie eine Maske tragen": So werden Besucher des Einkaufszentrums Arneken Galerie in Hildesheim von dem kleinen Bildschirm im weißen Aufsteller begrüßt, wenn sie einen Mundschutz tragen. Das Gerät wurde an einem von drei Eingängen des Centers positioniert. Diese werden aktuell alle durch Sicherheitspersonal überwacht, das den Einlass reguliert. Das Gerät mit der Maskenerkennungssoftware wurde zusätzlich aufgestellt. Bei der Software handelt es sich um das Projekt eines lokalen Start-ups. Die Arneken Galerie will es unterstützen, in dem es die Mall für den Praxis-Test des Prototypen bereitstellt.

Sicherheitsbedenken und Kritik an möglicher Kameraüberwachung liegen bei solch einem Gerät nahe - laut Center Manager Holger Höfner sind diese Bedenken aber unbegründet. "Es handelt sich quasi um einen Sensor, der nur erkennt, ob ein Gesicht eine Maske trägt oder nicht. Es wird nichts aufgezeichnet und keine Daten werden gespeichert", erläutert er. Wer einen Mundschutz trägt, dem sagt ein Emoji auf dem Bildschirm danke und wünscht einen schönen Tag. Wenn nicht, wünscht der Smiley ebenso einen Tag - aber trägt dann selbst keinen Mundschutz.


Ja, Höfner habe auch Kritik oder Bedenken von Kunden gespiegelt bekommen. "Natürlich dürfen sich die Besucher nicht unwohl fühlen", sagt er. Aber hauptsächlich kämen positive Reaktionen auf die Maskenerkennungssoftware. Das Gerät eigne sich demnach auch unter "normalen" Umständen, um die Kunden freundlich zu begrüßen.

In Niedersachsen gibt es erst ab kommender Woche eine Maskenpflicht. Darauf sah sich der Center Manager mit der Software schon in dieser Woche vorbereitet. "Dann kann man zum Beispiel programmieren, dass auf dem Bildschirm aufblinkt 'Bitte setzen Sie eine Maske auf'". Sobald die Pflicht in Kraft tritt, will er dies entsprechend umstellen lassen. Klar stellt Höfner, dass die Maskenerkennungssoftware kein Sicherheitspersonal ersetzt. "Wir sparen keine Kosten damit ein und es misst keine Besucherzahlen", so der Centermanager.
Zur Software
Laut eigener Definition ist Maskedanke.de ist "ein junges Start-up aus Hildesheim, das seine Fähigkeiten zur Bekämpfung der Corona-Krise einsetzen will". Es will die Gesellschaft dafür sensibilisieren, einen Mundschutz zu tragen, um die Ansteckung und Ausbreitung des Coronavirus zu verringern. Bei der Maskenerkennungssoftware wurde die Bilderkennungstechnologie des Start-ups in eine App eingebaut. Zusammen mit einem personalisierbaren Aufsteller erkennt das verbaute Tablet, ob Kunden einen Mundschutz tragen oder nicht. Das System gibt eine direkte Rückmeldung an den Kunden. Bei dem Aufsteller bei Kressmann und in der Arneken Galerie handelt es sich um ein Pilotprojekt. Nach Angaben des Unternehmens werden keine Daten erhoben oder gespeichert.
Die Arneken Galerie wird von dem Immobilienunternehmen Klépierre betrieben. Wie Deutschland-CEO Johan Caspar Bergenthal gegenüber der TW sagt, könnte die Software auch in anderen Malls zum Einsatz kommen: "Wenn die Testphase weiterhin gut verläuft, ist das nicht ausgeschlossen." Zu Klépierre gehören in Deutschland beispielsweise auch die Centrum Galerie in Dresden und das Forum Duisburg.

Ein weiterer Tester des Maskenerkennungs-Prototyps, ebenfalls in Hildesheim, ist das Modehaus Kressmann. Hier stehen die Geräte seit Montag, dem 20. April, direkt am Haupteingang. Laut Geschäftsleiter Heiko Heiß erkennt die Software "sehr zuverlässig, ob ein Kunde eine Maske trägt". Die Besucher des Modehauses seien zwar "noch etwas irritiert", nehmen laut Heiß aber die freundliche Ansprache durch das Gerät wahr.

Sicherheitsbedenken habe man derzeit auch bei Kressmann nicht, da das Gerät weder Fotos mache noch Daten speichere. Hier wurde das Gerät mit anderen Texten programmiert: Menschen ohne Maske sagt es "Bitte denken Sie daran, Abstand zu halten". Trägt jemand einen Mundschutz, wünscht es "Viel Spaß beim Einkaufen", sagt "Danke für die Maske" oder wahlweise "Schöne Maske".

"Bitte Abstand halten": Das sagt MaskeDanke im Modehaus Kressmann, wenn der Kunde keinen Mundschutz trägt.
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"Bitte Abstand halten": Das sagt MaskeDanke im Modehaus Kressmann, wenn der Kunde keinen Mundschutz trägt.
Wenn am kommenden Montag die Maskenpflicht gilt, wird das Gerät den Hinweis "Ab hier bitte mit Maske" geben.

Kressmann hat seit 20. April seine Türen wieder geöffnet, derzeit auch beide Eingänge. Sollte es zu voll werden, wird der Haupteingang der einzige Eingang, der andere zum Ausgang. Die Verkaufsfläche wurde auf 800m² begrenzt, so ist nur die DOB im Erdgeschoss zugänglich. Auch die Fläche des Schuhhändlers Zumnorde, die sich ebenfalls im Erdgeschoss des Modehauses befindet, hat derzeit geöffnet. Drei Mitarbeiterinnen sind auf der Fläche, weitere zwei laufen durchs Haus und besorgen auf Wunsch der Kunden Produkte aus anderen Abteilungen.

Neben der Maskenerkennungssoftware wurden diverse Schilder positioniert, die auf die Abstands- und Hygieneregelungen hinweisen. An der Kasse gibt es eine Schutzglas-Wand, außerdem wurde ein Desinfektionsmittelspender positioniert.

Mit der Kundenfrequenz ist man bei Kressmann derzeit unter den aktuellen Umständen "nicht unzufrieden", so Heiß. Auch wenn es wehtue, nur ein Fünftel des Ladens öffnen zu dürfen. Mit dem aktuellen Wetter würde man unter normalen Umständen zu diesem Zeitpunkt "sensationelle Umsätze" machen. "Die Kunden kommen aber gezielter als sonst", fügt er an. Besonders gefragt sind derzeit neben der DOB im Erdgeschoss Wäsche und Strümpfe. "Aber wir verkaufen sogar Herrenanzüge", fügt Heiß an.

Die Maskenerkennungssoftware wird erst einmal im Haus stehen bleiben, laut dem Kressmann-Geschäftsleiter arbeitet der Erfinder der Software an einer Zählfunktion, sodass die Kundenzahl im Haus bestimmt und wenn nötig reglementiert werden kann. Auch diese würde das Modehaus gerne in Anspruch nehmen. Außerdem werden gerade neue Texte eingesprochen, die vermutlich schon in der kommenden Woche mit Eintritt der Maskenpflicht zum Einsatz kommen könnten.
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