Insolventes Premiumlabel

Streit um Kurzarbeitergeld: Laurèl bangt um seine Existenz

Laurèl
Aus der Laurèl-Kollektion
Aus der Laurèl-Kollektion

Eigentlich wollte das Aschheimer Premiumlabel Laurèl bis zum Ende des Monats einen Investor gefunden haben und sich so aus Insolvenz befreien. Dann kam die Corona-Krise.


Nachdem Shutdown wollte das Unternehmen für die Mitarbeiter in den vier nun geschlossenen Laurèl-Stores und einen Teil der Mitarbeiter in der Zentrale Kurzarbeitergeld beantragen, das kurzfristig gezahlt werden sollte.


Der Verkürzung der üblichen Frist von vier Wochen muss die IG Metall zustimmen. Doch die fordert für die Fristverkürzung eine Gegenleistung: Laurèl soll das Kurzarbeitergeld von 60% bzw. 67% des letzten Nettogehalts auf 80% aufstocken. Dazu sieht sich das insolvente Label derzeit nicht in der Lage und will eine mögliche Aufstockung nur für den Fall garantieren, dass ein Investor gefunden wird, der deutlich über 4 Mio. Euro für das Unternehmen zahlt. 

„Wir können nicht auf Verdacht eines möglichen künftigen Verkaufswert einer Fristverkürzung zustimmen”, sagt eine Sprecherin der IG Metall. Wenn sich Laurèl sicher sei, einen Investor zu finden, könne das Unternehmen seinen Mitarbeitern auch entsprechende Sicherheiten geben. 

„Es geht schlicht ums Überleben”

Insolvenzverwalter Christian Gerloff sagt: „Das Verhalten der IG Metall München ist mehr als irritierend. Es gibt bei Laurèl derzeit nichts zu verteilen, sondern es geht allein darum, mit dem Geschäftsbetrieb schlicht zu überleben, um den Investorenprozess abschließen zu können. Die Zustimmung zur Kurzarbeit von erheblichen Zusatzleistungen abhängig zu machen, die in einem Insolvenzverfahren nicht geleistet werden können, ist im hohen Maße unverantwortlich. Es ist zu befürchten, dass das Verhalten einzelner bei der IG Metall mehr als 100 Arbeitsplätze gefährdet. Offenbar ist bei einigen in der IG Metall noch nicht angekommen, in welch prekärer Lage der Textileinzelhandel in Deutschland steckt.“

Die IG Metall München verweist darauf, dass man Laurèl in den Verhandlungen bereits entgegen gekommen sei und bei einer Aufstockung auf 70% bzw. 77% der Fristverkürzung zugestimmt hätte, was gerade in einer Stadt in München, in der Arbeitnehmer die Hälfte ihres Nettogehaltes für Miete ausgeben, ein großes Zugeständnis.

Bleibt es bei dem Nein der Gewerkschaft muss der Insolvenzverwalter - wie aus einem internen Schreiben, das der TW vorliegt, hervorgeht - den Geschäftsbetrieb unverzüglich einstellen, allen Mitarbeitern kündigen und freistellen. Da der Insolvenzverwalter in diesem Fall Masseunzulänglichkeit erklären muss, erhielten die Mitarbeiter während der Kündigungsfrist keinen Lohn.

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