Insolvenz-Grund: Keine KfW-Kredite

Auch Sinn startet Schutzschirmverfahren

imago images / Max Stein
Sinn-Filiale in Dresden.
Sinn-Filiale in Dresden.

Jetzt hat es den nächsten Filialisten erwischt: Auch Sinn befindet sich im Schutzschirmverfahren. Das Amtsgericht Hagen gab dem Antrag auf Eröffnung dieses Insolvenzverfahrens am Montag statt. Als Hauptgrund für den Schritt nannte Firmenchef Friedrich-Wilhelm Göbel der TW, dass private Banken nicht in die Sicherung von KfW-Krediten einsteigen wollten.

Zuvor hatten sich bereits etwa Esprit, Galeria Karstadt Kaufhof, Hallhuber oder Appelrath Cüpper aufgrund der Folgen des Shutdowns ins Schutzschirmverfahren begeben, bei dem das Management an Bord bleibt und durch Sanierungsexperten von außen ergänzt wird. Gläubiger haben während des Verfahrens keinen Zugriff auf Forderungen.

Laut Göbel ist Sinn − 25 Filialen, 1400 Mitarbeiter, zuletzt 208 Mio. Euro Jahresumsatz − vor der Corona-Krise profitabel gewesen, es gebe auch keinen Restrukturierungsbedarf. "Im März und April zusammengenommen haben wir 33 Mill. Euro zum Plan verloren", erklärte Göbel. Das Unternehmen habe Kurzarbeitergeld beantragt und versucht, an KfW-Kredite heranzukommen. Drei Privatbanken jedoch hätten die notwendige Mithaftung in Höhe von 20% der Darlehenssumme abgelehnt.

Daraufhin habe er sich zur Vorbereitung des Schutzschirmverfahrens entschlossen, so Göbel. Bereits Ende März hatte er im TW-Interview diese Option angekündigt, falls er keine KfW-Kredite bekomme. Eine wesentliche Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren, die lediglich drohende Zahlungsunfähigkeit, läge vor. "In wenigen Wochen wäre dies nicht mehr möglich gewesen, dann wäre ein Regelinsolvenzverfahren notwendig geworden", schrieb Göbel an seine Mitarbeiter. Dann nämlich wäre Sinn komplett zahlungsunfähig gewesen.

Gegenüber der TW sagte Göbel: "Wir wollen grundsätzlich alle Häuser weiter betreiben und somit keine Arbeitsplätze abbauen". Er zeigte sich optimistisch, innerhalb von nur drei Monaten einen Insolvenzplan erstellt zu haben: "Wir sind gut vorbereitet."


Das werden die Lieferanten gerne hören: Laut Göbel ist es ihm gelungen, über Eurodelkredere bereits eine neue Warenkreditversicherung zu ermöglichen. Die Versicherung endet automatisch, sobald ein Unternehmen in ein Insolvenzverfahren startet. "Es ist in Deutschland seit 1949 noch niemandem gelungen, bereits am ersten Tag einer Insolvenz wieder versicherungsfähig zu sein", schreibt Göbel in der Mail an seine Mitarbeiter. Bei Galeria Karstadt Kaufhof etwa gibt es seit Beginn seines Schutzschirmverfahrens am 1. April keine Warenkreditversicherung für Lieferungen.

Für die Hagener Modehandelskette ist es bereits die dritte Insolvenz: 2008, kurz nach dem Ausscheiden aus dem selber maladen KarstadtQuelle-Konzern, hatte es die erste Insolvenz gegeben. 2016/17, zunächst als Schwesterunternehmen von Wöhrl, folgte die zweite. Damals hatte der ehemalige Wöhrl-Aufsichtsrat Göbel die Führung des Unternehmens übernommen, das damals noch SinnLeffers hieß, und es durch das Verfahren geführt sowie unabhängig von Wöhrl aufgestellt.

An Göbels Seite waren bei der Insolvenz von 2016 die Anwälte und Sanierungsexperten Thomas Kluth und Rolf Weidmann. Sie kehren jetzt in die Geschäftsführung zurück. Das Gericht bestellte Kluth als CRO und Weidmann als Sachwalter. Susanne Straus habe sich auf eigenen Wunsch zunächst aus der Geschäftsführung zurückgezogen, bleibe aber Einkaufschefin. Das ändere nichts an ihrer Bedeutung für das Unternehmen, so Göbel.

Im Mitarbeiterbrief kritisiert Göbel die Politik für ihr Krisen-Management. Er erinnert an Ministerankündigungen, nach denen durch Corona kein Unternehmen in die Insolvenz gehen müsse. "Fakt ist, dass man wochenlang und bis heute kopflos und unstrukturiert Maßnahmen ergreift, von denen man überhaupt nicht weiß, ob sie sinnvoll sind", sagte er der TW.

Selbstverständlich erfordere die Corona-Krise besondere Maßnahmen. "Aber für das Lahmlegen eines großen Teils einer ganzen Volkswirtschaft, wie wir sie jetzt sehen, braucht es meiner Meinung nach doch eine größere Bedrohung als Corona." Sein Unternehmen lasse rechtliche Schritte gegen die staatlichen Schließungsregeln prüfen.

Grundsätzlich sieht er schwere Zeiten auch auf den Modehandel zukommen: "Die kommende Wirtschaftskrise mit vielen Millionen Arbeitslosen und Konsumverzicht wird uns alle hart treffen. Wie alle anderen Händler werden wir über eine lange Zeit mit Konsumzurückhaltung leben müssen", so Göbel.
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