Interview mit Alberto Candiani, Präsident von Candiani Denim

"Wir sind hier, um über die Zukunft zu sprechen"

Candiani
Renzo Rosso, Alberto Candiani und Andrea Rosso (von links) sind die Initiatoren des neuen Denim-Events in Genua
Renzo Rosso, Alberto Candiani und Andrea Rosso (von links) sind die Initiatoren des neuen Denim-Events in Genua

Mit einem neuen Denim-Event in Genua, Wiege der Jeans-Herstellung, wollen Candiani, Diesel und Eco-Age alle Aspekte der Jeans, von der Geschichte über die Evolution bis hin zu Innovationen, in den Fokus nehmen. Das neue Denim-Format fand unter dem Titel Genova Jeans vom 2. bis 6. September in Genua statt. Bei Candiani drehte sich alles um Nachhaltigkeit in der Fertigung. So kuratierte der Denimweber eine künstlerische Reise, die die Schäden durch nicht nachhaltige Produktion beschreibt und alternative, weniger belastende Lösungen präsentiert.

TextilWirtschaft: Herr Candiani, wie kam es zu diesem Projekt?
Alberto Candiani: Vor einem Jahr begannen wir in einer Arbeitsgruppe mit dem Ziel, die erste Ausgabe dieser Veranstaltung ins Leben zu rufen. In der Zwischenzeit wurden verschiedene Partnerschaften mit privaten und öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen aktiviert. Durch sie konnte die Stadt Genua anfangen zu erzählen, dass die Jeans ein genuesisches und italienisches Kleidungsstück ist. Wir sind hier, um über die Ursprünge und die Vergangenheit eines italienischen Produkts zu sprechen, das eines der beliebtesten auf dem ganzen Planeten ist und das jeder kennt. Aber wir sind auch hier, um über die Zukunft zu sprechen. Es wird viel darüber geredet, dass Jeans die Umwelt stark verschmutzen und für Umweltkatastrophen verantwortlich sind, aber es wird nicht genug über diejenigen gesprochen, die versuchen, all das zu ändern, und über unser Unternehmen, das 1938 gegründet wurde, also 400 Jahre nach der Geburt der Jeans.


Was hat Candiani in der Praxis dafür getan?

Wir haben unsere Installation "Behind The Seams - Was Sie über Ihre Jeans zu wissen glauben" vorbereitet. Darin haben wir Lehrmittel zur Verfügung gestellt, mit denen wir analysiert haben, wie ein Paar Jeans hergestellt wird. Wir haben genau erklärt, aus welchen Bestandteilen eine Jeans besteht und welche Verfahren bei ihrer Herstellung angewandt werden. Aber vor allem haben wir alle Informationen weitergegeben, damit jeder beim Kauf seiner nächsten Jeans die richtige Wahl treffen kann. Denn zu viele Menschen halten das für selbstverständlich - doch das ist es nicht. Die Wahrheit ist, dass neun von zehn Menschen keine Ahnung haben, was sich hinter einer Jeans verbirgt. Wir sind der Meinung, dass man den Unterschied zwischen einer verantwortungsvoll hergestellten Jeans und einer anderen sehen muss, um ihn zu verstehen. Nur wenn man das sieht und versteht, kann man den Unterschied erkennen, sich in ein Produkt verlieben und es liebgewinnen.

Haben Sie auch Stoffe an Künstler gespendet, die an der Veranstaltung teilgenommen haben?
Ja, das haben wir. Bereits vor einem Jahr gab es in Genua eine Aktion rund um dieses Projekt nämlich die von Ursula Casamonti von Arte Jeans geförderte Aktivität von Künstlern, die eine Reihe von Kunstwerken aus Denim in der Stadt präsentierten. In diesem Jahr haben wir diesen Künstlern einen besonderen Stoff mit besonderes nachhaltigen Inhaltsstoffen zur Verfügung gestellt, die ihn auf besondere Weise interpretiert haben. Letztes Jahr haben sie eine außergewöhnliche Arbeit geleistet und ich kann es kaum erwarten, die Ausstellung dieses Mal zu sehen.

Wie könnte die Ausgabe 2022 von Genova Jeans aussehen? Werden Sie weiterhin daran teilnehmen?
Dazu kann ich nicht viel sagen, aber es ist ein gutes Zeichen, dass der Wunsch besteht, sie fortzusetzen. Wir wollen dabei sein, aber es wird sicherlich ein kulturelles Ereignis sein, denn wir wollen nicht an einer weiteren Handelsmesse teilnehmen. Es muss weiterhin eine kulturelle Initiative sein, die die Ursprünge von Denim und Jeans und ihre Zukunft erklärt. Das ist sehr wichtig. Ich denke, dass wir uns bei der nächsten Ausgabe mehr auf die Innovation konzentrieren werden, und abgesehen von der Tradition und dem Erbe, wollen wir in die Innovation investieren.

Außer mit Genova Jeans haben Sie auch eine Zusammenarbeit mit Diesel über Coreva, Ihren biologisch abbaubaren und kompostierbaren Stretch-Denim, begonnen.
Ja, das haben wir. Diesel hat einen Coreva-Stoff für eine Capsule Collection verwendet, aber das wird sich in den nächsten Monaten ausweiten. Es ist ein besonderer Stoff mit einem besonderen Aspekt - ganz im Sinne von Diesel. Diese neue Zusammenarbeit ist sehr interessant, da wir sie mit einer italienischen Marke starten, und sie stellt einen bedeutenden Schritt nach vorn dar, insbesondere für eine Marke wie Diesel, weil sie in die Entwicklung nachhaltiger Jeans miteinbezogen werden.

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