Interview mit Benjamin Zafar, Brooklyn in Nürnberg

„Für uns ist es ein Problem, dass manche Hersteller nicht mehr liefern“

Brooklyn
Benjamin Zafar ist Prokurist beim Sneaker- und Streetwear-Händler Brooklyn in Nürnberg.
Benjamin Zafar ist Prokurist beim Sneaker- und Streetwear-Händler Brooklyn in Nürnberg.

Benjamin Zafar vom Sneaker- und Streetwear-Store Brooklyn in Nürnberg erwartet gerade bei Turnschuhen, dass im zweiten und vor allem dritten Quartal eine Verknappung eintritt. Deswegen möchte er weiter beliefert werden – was mitunter gar nicht so einfach ist.

TextilWirtschaft: Herr Zafar, die meisten Händler wollen einen Stopp der Warenlieferung. Warum sieht das bei Ihnen anders aus?
Benjamin Zafar:
Wir haben ein relativ großes Lager, sind gut aufgestellt und deshalb momentan noch recht entspannt. Wir haben daher allen Herstellern gesagt, dass wir die Lieferungen wollen. Wir brauchen ja Ware, wenn’s wieder losgeht. Ich denke, bei Sneakern wird die Verknappung vielleicht im zweiten, vor allem aber im dritten Quartal kommen. Deswegen ist es für uns auch gerade ein Problem, dass Hersteller von sich aus gesagt haben, sie liefern nicht mehr. Nike setzt das zweite Quartal zum Beispiel europaweit komplett aus.


Wie gehen andere Lieferanten vor?
Generell sind die Gespräche mit den Herstellern sehr gut. Adidas und die Brands der VF-Gruppe machen es zum Beispiel abhängig vom Wunsch der Kunden.

Klappt denn mit der Logistik noch alles?
Wir haben auch alle Versandunternehmen angeschrieben, um darauf hinzuweisen, dass wir die Lieferungen wollen. Zum Teil fahren uns Fahrer gar nicht an, weil sie denken, es sei sowieso geschlossen. Dann geht die Ware einfach zum Absender zurück und wir haben zusätzliche Kosten.

Wie läuft der Online-Shop aktuell?
Darüber verkaufen wir zwar, aber damit können wir nicht die Kosten decken. Es ist schon ein herber Umsatzeinbruch. Immerhin haben wir jetzt die Zeit, da die Marketingaktivitäten hochzufahren. Überrascht hat mich, dass wir in den letzten Tagen Anrufe von Kunden hatten, die sich erkundigt haben, ob wir die Ware auch wirklich versenden können – obwohl unser Online-Shop ganz normal läuft, der Check-out funktioniert. Deswegen haben wir jetzt extra ein Banner auf der Website geschaltet, das darauf hinweist, dass wir noch versenden.



Wie verfahren Sie mit Ihren Mitarbeitern?
Ab dem Tag der Schließung haben wir erst mal die Hälfte unserer Mitarbeiter in den Resturlaub oder Abbau von Überstunden geschickt. Mit der anderen Hälfte machen wir Sachen, die sonst immer liegen geblieben sind, bringen zum Beispiel das Lager auf Vordermann. Wir wollten auch im Ladenbau was machen, aber da sind wir wohl nicht die einzigen. Es ist schwer, Handwerker zu bekommen und die haben dann zum Teil auch das Problem, von ihren Lieferanten Material zu bekommen.

Planen Sie, Kurzarbeit zu beantragen?
Wir denken darüber nach, sind aber noch nicht aktiv geworden.

Sie verhandeln sicher auch mit dem Vermieter. Wie läuft’s?
Unser Store befindet sich in einer Immobilie der Stadt. Wir haben wegen der Miete schon angefragt, aber die Stadt hat ja auch nie viel Geld. Deswegen haben wir jetzt erst mal die Info, dass es derzeit keine Mahnungen oder Kündigungen geben wird, aber auch keine Aussagen zu einem definitiven Nachlass.

Das Thema Sale wird derzeit ja noch einmal hitziger diskutiert als normalerweise schon. Wie gehen Sie damit um?
Ich denke, an Sale führt kein Weg vorbei. Da muss nur ein Großer anfangen und alle anderen ziehen nach. Was wir schon konkret zu spüren bekommen haben: Vor zwei Wochen sind ja viele schon mit Sale gestartet. Wir sind auf einigen Plattformen wie Everysize angeschlossen, auf denen das Ranking nach dem Preis geht. So sind wir natürlich direkt nach unten gerutscht.

stats