Interview mit C. Deenathayalapandian, Indien-Chef von Takko

"Viele werden sich nicht erholen"

Erlinger
C. Deenathayalapandian ist CEO der India & Bangladesh Operations von Takko.
C. Deenathayalapandian ist CEO der India & Bangladesh Operations von Takko.

Indiens Textilfabriken mussten die Arbeit einstellen. Selbst wenn die Produktion nun hochgefahren wird, wirft es die Branche zurück, meint C. Deenathayalapandian, Indien-Chef von Takko.

TexitilWirtschaft: Wie ist die aktuelle Situation in den Textilfabriken? Können Sie überhaupt noch arbeiten?
C. Deenathayalapandian: Die indische Regierung hat landesweit eine sogenannte Notfall-Sperre für 21 Tage erlassen. Sie ist seit dem 25. März in Kraft und soll bis zum 14. April dauern. Allerdings wird in Regierungskreisen gerade über eine Verlängerung diskutiert. Aktuell sind die Menschen dazu aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben. Nur Notfalldienste und lebensnotwendige Branchen dürfen tätig sein. Alle Unternehmen, also auch die Textilfabriken, sind zunächst bis zum 14. April geschlossen.


Gibt es noch genügend Bestellungen für die Textil- und Bekleidungsbranche?
Ja, die Einkäufer aus aller Welt haben ausreichende Orders abgegeben.


Aber einen Rückgang der Bestellungen spüren Sie schon, oder?
Ja. Die Einkäufer haben ihre Aufträge für die Lieferung Frühjahr/Sommer zum Teil storniert.


Was heißt das genau?
Wir haben mit den Kunden besprochen, dass Aufträge, die noch nicht produziert sind, und Orders, für die noch keine Rohwaren beschafft wurden, storniert werden. Zudem haben unsere Auftraggeber darum gebeten, die Lieferung von Teilaufträgen zunächst zu verschieben. Alerdings ohne, dass uns daraus Nachteile entstehen. Alle anderen Orders werden produziert, wenn die indische Regierung die Ausgangssperre aufhebt.


Aus welchen Ländern kommen die meisten Stornierungen?
Da tut sich kein Land besonders hervor. Die Einkäufer aus allen Ländern verfahren mehr oder weniger so, wie oben beschrieben.


Unterstützt der Staat die Textilunternehmen in dieser Krise?
Die indische Regierung hat bislang keine Unterstützung für die indischen Textilfirmen angekündigt. Dennoch wurden alle Unternehmenschefs aufgefordert, die Gehälter ihrer Beschäftigen ohne Abzüge zu zahlen.


Und das tun sie?
Die Arbeiter haben für den Monat März ihre Löhne von den Unternehmen gezahlt bekommen. Was allerdings passiert, wenn die Ausgangssperren verlängert werden, ist schwer vorherzusagen, denn dann spielen zwei Faktoren eine Rolle.


Welche sind das?
Zum einen haben die Fabrikbesitzer dann kein Geld, das sie auszahlen könnten, weil einen ganzen Monat nichts produziert und ausgeliefert wurde. Zum anderen, selbst wenn die Fabrikbesitzer irgendwie die Löhne doch zahlen können, gibt es keine Garantie, dass die Arbeiter nach Beendigung der Ausgangssperre in die Fabriken zurückkehren. Denn viele von ihnen sind Wanderarbeiter, die aus verschiedenen Teilen des Landes kommen.


Wenn die Ausgangssperre aufgehoben wird, kann dann die Produktion sofort beginnen, mal vorausgesetzt die Arbeiter sind zurück?
Eher nicht. Es wurden ja sämtliche Fertigungsstufen, also Spinnereien, Strickereien, Färbereien und Druckereien, stillgelegt. Wenn der Shutdown länger als einen Monat anhält, dann wird es zwei bis drei Monate dauern, bis die Belegschaft wieder vollständig anwesend ist.


Wodurch sich die Produktion erheblich verzögern würde.
Die indische Bekleidungsindustrie ist abhängig von den Exporten nach Europa und in die USA und es wird Saisonware produziert. Also sind wir auch von den Jahreszeiten in den Ländern unserer Auftraggeber abhängig. Wenn wir diesen Rhythmus nicht einhalten können, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Artikel in Indien bleiben.


Die Unternehmen werden alles daransetzen, die Liefertermine einzuhalten.
Sobald die Ausgangssperren aufgehoben sind, werden alle Fabriken schnellstens die Bestellungen verschicken. Dadurch werden aber Häfen und Flughäfen überlastet sein. Bis sich die Logistik wieder eingespielt hat, wird es wohl weitere drei Monate dauern. Bis dahin haben wir aber schon wieder einen Saisonwechsel.


Das könnte einen Großteil der Unternehmen in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bringen oder?
Ohne die Unterstützung der Banken wird es für Fabriken und Verarbeitungsbetriebe eng. Durchaus möglich, dass viele sich davon nicht mehr erholen. Gleichzeitig wird dann auch die Arbeitslosigkeit steigen. Das heißt im schlechtesten Fall: Selbst wenn die Einkäufer in den kommenden Jahren mehr Aufträge nach Indien vergeben, werden wir sie möglicherweise nicht annehmen oder ausführen können, weil sich die Zahl der Fabriken verringert.
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