Corona-Krise

Heinrich Zumnorde: "Wann ist das vorbei?"

"Wenn wir die Läden geschlossen halten müssen, aber weiterhin Mieten zahlen sollen, dann haben wir ziemlich kurze Hosen an", sagt Heinrich Zumnorde.
"Wenn wir die Läden geschlossen halten müssen, aber weiterhin Mieten zahlen sollen, dann haben wir ziemlich kurze Hosen an", sagt Heinrich Zumnorde.

650 Mitarbeiter auf der Payroll, 24 Filialen, Webshop. Und drei Covid-19-Infizierte, auch die Geschäftsführung selbst. Heinrich Zumnorde, Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Zumnorde aus Münster mit 24 Schuhhäusern, im Interview mit der TextilWirtschaft über die Herausforderungen, die diese Tage mit sich bringen.

TextilWirtschaft: Herr Zumnorde, wie bereiten Sie sich auf den bevorstehenden Shutdown vor?
Heinrich Zumnorde: Meines Wissens hat sich Nordrhein-Westfalen noch nicht dezidizert geäußert, ab wann der greifen soll.

Dennoch wird er ja kommen. Zusammen mit den Bundesländern hat die Bundesregierung gestern beschlossen, alle Geschäfte zu schließen, die nicht der Versorgung der Menschen dienen. Demnach dürften in den folgenden Tagen alle weiteren Bundesländer dem Beispiel Bayerns folgen, wo bereits der Katastrophenfall ausgerufen ist.
Das ist auch richtig so, allerdings vermisse ich eine klare Ansage. Genauso vermisse ich einen Leitfaden von Seiten der Handelsverbände. Meines Wissens ist da etwas in Vorbereitung, aber noch ist nichts ersichtlich.

Welche Fragen treiben Sie am dringlichsten um im Moment?
Wer macht wann wie zu? Wie verhält man sich gegenüber seinen Mitarbeitern? Was ist zu unternehmen? Überstunden und Resturlaub abzufeiern, ist gut und schön – aber was kommt dann? Wer bearbeitet die Anträge auf Kurzarbeitergeld? Wie ist die Gesetzeslage gegenüber den Vemietern? Welche Hilfen stehen hier zur Verfügung? Wenn wir die Läden geschlossen halten müssen, aber weiterhin Mieten zahlen sollen, dann haben wir ziemlich kurze Hosen an.

Ziehen Sie einen Rechtsanwalt zu Rate?
Nein, aber wir stehen im Austausch mit unserem Einkaufsverband, dem GEB.

Wie ist denn die Stimmung innerhalb des Teams?
Es gibt keine Panik unter den Mitarbeitern, aber es ist eine riesige Verunsicherung da. Wie soll man das alles bewerten, was tagtäglich auf einen einprasselt? Es kommt ja alles hopplahopp. Hinzu kommt, dass wir selbst betroffen sind: mein Neffe, mein Sohn und ich – wir sind jetzt zu Hause in Quarantäne.

Sie sind positiv auf Covid-19 getestet?
Ja, mein Neffe hatte am Freitag vergangener Wochen leichte Grippesymptome. Daher haben wir uns umgehend testen lassen, auch ich. Seit Montag sind wir nun in Qurantäne. Aber es geht uns gut, wir haben nur leichte Symptome – auch ich, obwohl ich zur Risikogruppe gehöre. Im Moment kümmern sich mein Bruder und unser kaufmännischer Leiter um das Wichtigste, in den einzelnen Läden sind es die jeweiligen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer. Bis eben geschlossen wird.

Nun waren Sie noch mitten in der Order zum HW20. Wie viel fehlt Ihnen noch?
Bestimmt 30 bis 40% – an Terminen, nicht an Menge. Ich bin da etwas ratlos, wie das alles weitergehen soll. Gut wäre es, die Termine nachzuholen. Selbst wenn das erst Mitte April wäre, würde uns das schon helfen. Auch wenn wir dann sicherlich 15 bis 20% weniger disponieren werden.

Wie überall hat vermutlich auch bei Ihnen die Frequenz signifikant nachgelassen in den stationären Stores. Verzeichnen Sie indes mehr Besucher in Ihrem Online-Shop? Haben Sie vor, diesen noch stärker zu bewerben oder sonstige Maßnahmen zu ergreifen?
Die Situation ist ausgesprochen schlimm, die Umsätze sind derartig am Boden. Ich gehe davon aus, dass sich eine Verschiebung Richtung Online automatisch einstellen würde. Allerdings rückt das Thema Schuhe bei den Verbrauchern aktuell natürlich in den Hintergrund, die Menschen haben andere Probleme. Nichtsdestotrotz – auch mit Blick auf die bevorstehenden Schließungen – hat für uns oberste Priorität, das Online-Geschäft am Laufen zu halten, lieferfähig zu bleiben. Wir arbeiten hier deshalb in zwei Mannschaften, so dass die Abläufe im Fall der Fälle nicht zum Erliegen kommen.

Wie ist die Interaktion mit Ihren Lieferanten?
Wir sind in engem Austausch. Wir fragen uns unaufhörlich, ob es zu Lieferverzögerungen kommen wird und in welchem Ausmaß. Wir werden keine Ware annehmen können, die uns mit Lieferverspätung erreicht. Wann ist das vobei? Das ist von allen Fragen die dringlichste, die uns umtreibt.
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