Interview mit Wolfgang Bauer, Chef der Outletcity Metzingen

"Die Deutschen werden mehr Geld in Deutschland ausgeben"

Foto: Outletcity Metzingen
Wolfgang Bauer: "Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass bei den riesigen Überschüssen in der Pipeline ein Angebotsdruck vorhanden ist. "
Wolfgang Bauer: "Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass bei den riesigen Überschüssen in der Pipeline ein Angebotsdruck vorhanden ist. "

Am 18. März war auch in der Outletcity Metzingen, Deutschlands größtem und bekanntestem FOC, Schluss. Diesen Freitag ist es als vorerst letztes deutsches FOC in dieser Woche an den Restart gegangen. Wir erreichen Geschäftsführer Wolfgang Bauer am Vorabend der Wiedereröffnung.

TextilWirtschaft: Herr Bauer, wie viele der Marken sind zum Restart dabei?
Wolfgang Bauer: Ungefähr 80%, aber die Situation ist ja im Moment sehr dynamisch.
Ist denn Ihr großer Magnetmieter, Hugo Boss, auch geöffnet?
Nein, die Regelung, dass auch größere Geschäfte eröffnen dürfen, ist noch ganz frisch. So schnell ist das leider nicht umzusetzen, das wird sich in den nächsten Tagen entscheiden.


Das Vorgehen in den Bundesländern ist uneinheitlich, teilweise sogar innerhalb eines Bundeslandes. In Baden-Württemberg zum Beispiel dürfen Sie aufmachen, das FOC in Wertheim muss aber geschlossen bleiben. Wie erklären Sie sich das?
Ich denke wir haben in Metzingen eine andere städtebauliche Situation. Wir sind in der Stadt und es gibt viele große Plätze mit ausreichend Raum für die Menschen, mehr als in einem doch recht engen Outlet-Village.

Die Outletcity Metzingen ist Deutschlands bekanntestes und umsatzstärkstes FOC.
Foto: Outletcity Metzingen
Die Outletcity Metzingen ist Deutschlands bekanntestes und umsatzstärkstes FOC.
Sie haben das Outlet am 18. März geschlossen. Wie waren bis dahin die Umsätze und Frequenzen?
Bis Ende Februar war die Entwicklung normal. Anfang März dann, als der internationale Reisemarkt eingebrochen ist und das Thema Corona in Deutschland immer präsenter wurde, kam der Knick.

 
Sie sind als High-End-Outlet mit vielen Luxusmarken stark abhängig von Kunden aus dem Ausland. Vor Corona standen die für etwa 40% der Umsätze in der Outletcity Metzingen. Was kommt jetzt?
Dieser Anteil wird sich natürlich verändern. Die Grenze zur Schweiz ist zu, auch Asiaten und Araber werden leider kaum zu uns kommen können. Doch andererseits dürfen ja auch die Deutschen vorerst nicht reisen und werden ihr Geld deshalb vor allem in Deutschland ausgeben.

Die Kunden dürften angesichts des langen Shutdown aus dem Vollen schöpfen können. Ihre Mieter werden nun versuchen, große Warenmengen im Outlet abzuschleusen.
Im Moment haben unsere Partner in Ländern wie Italien und Frankreich noch viele andere Probleme, weil die Situation dort teils dramatisch ist. Aber mittelfristig ist das Warenthema natürlich ein Thema. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass bei den riesigen Überschüssen in der Pipeline ein Angebotsdruck vorhanden ist. Ich bin überzeugt davon, dass viele Marken dafür den Outlet-Kanal stärker nutzen werden.

Aktuell wird zwischen Mietern und Vermietern teils heftig über das Zahlen der Miete gestritten. Wie ist das in Metzingen?
Wir befinden uns mit unseren Mietern in engen Gesprächen, um faire Lösungen zu finden. In vielen Fällen ist uns das bereits gelungen. Wie diese aussehen, kann ich Ihnen aus nachvollziehbaren Gründen nicht verraten.



Wie organisieren Sie den operativen Betrieb der Outletcity in Corona-Zeiten?
Wir haben an vielen Stellen so genannte Care Points aufgestellt, an denen wir die Kunden mit Masken und Desinfektionsmitteln versorgen. Und wir coachen natürlich die Stores und erklären ihnen auf Wunsch die Regeln, die nun gelten, zum Beispiel hinsichtlich der maximalen Personenzahl in den Läden. Außerdem haben wir die Öffnungszeiten auf 10 bis 18 Uhr verkürzt.

Konventionelle Einkaufszentren stellen zum Teil das freie Wlan ab, damit sich die Kunden nicht zu lange aufhalten. Machen Sie das auch?
Nein, das freie Wlan bleibt. Auch weil wir unsere eigene App dafür nutzen, um die Besucher über aktuelle Regelungen und unseren Service zu informieren. Trotzdem sind wir natürlich nicht so unglücklich, wenn es zu Beginn nicht zu voll wird bei uns. Niemand will ja, das wir wieder einen solchen Shutdown erleben müssen.

Die Outletcity Metzingen betreibt als weltweit einziges FOC einen eigenen Online-Shop. Wie waren die Umsätze dort während des Shutdowns?
In der ersten Zeit liefen die Geschäfte eher verhalten und ein bisschen schwächer als zuvor. In den letzten Wochen aber hat der Online-Shop zugelegt und liegt jetzt sogar deutlich über Vorjahr. Wir spüren, dass viele neue Marken Interesse an einer Zusammenarbeit haben, um ihre Bestände dort zu vermarkten. Wir bieten ihnen eine Möglichkeit, ihre Ware dort abzuschleusen. Durch das Online-Geschäft und unsere anhaltenden Bautätigkeiten konnte insgesamt rund die Hälfte der Firma auch in der Krise normal weiterarbeiten.

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