Jahresbilanz

Prada: Stagnation 2019, negativer Effekt durch Corona


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Frühjahrskollektion 2020 von Prada
Frühjahrskollektion 2020 von Prada

Die Prada-Gruppe hat die Ergebnisse für 2019 ohne Telefonkonferenz präsentiert. Dementsprechend spärlich sind die Aussagen zur Coronavirus-Pandemie. Immerhin verdeutlichen die Zahlen, wie schwer sich die Gruppe im Wettbewerb mit Louis Vuitton und Gucci tut.

Selbst ohne den Effekt des Coronavirus sind die Zeiten für Prada schwierig. Das belegen die Jahreszahlen 2019, die die Mailänder Gruppe am Mittwoch vorgelegt hat. Der Umsatz kletterte um gerade einmal 2,7% auf 3,2 Mrd. Euro. Wechselkursbereinigt stagnierte er. Der operative Gewinn fiel um 5% auf 307 Mio. Euro. Damit ging die Ebit-Marge um 0,8 Prozentpunkte auf 9,5% zurück.


Da die Gruppe die Telefonkonferenz mit den Finanzanalysten abgesagt und sich deshalb nicht detaillierter geäußert hat, ist der Ausblick 2020 nur spärlich und vage. Prada spricht von einem „sehr positiven Auftakt bis Ende Januar“, der „unerwartet“ durch die Covid-19-Pandemie unterbrochen worden sei. „Wir gehen davon aus, dass das unsere Ergebnisse im laufenden Jahr negativ beeinflussen wird“, teilte Prada mit. Mit einem „Notfallplan“ werde gegengesteuert. „Wir verlassen uns auf eine flexible Lieferkette und eine schlanke Organisation.“

Prada for Adidas: Premiere für die ersten Produkte

Prada hat zu kämpfen. Die Gruppe, die von CEO Patrizio Bertelli geführt wird, entwickelte sich 2019 weniger dynamisch als die Konkurrenz. Die Sparte Fashion- und Lederwaren von LVMH steigerte ihren Umsatz im vergangenen Jahr organisch um 17% auf 22 Mrd. Euro. Die Kering-Marke Gucci erhöhte ihren Umsatz um wechselkursbereinigt 13% auf 9,6 Mrd. Euro. Hermès verzeichnete ein Umsatzplus von wechselkursbereinigt 12% auf 6,9 Mrd. Euro.

Um zu den Wettbewerbern aufzuschließen, steckt Prada große Summen ins Produkt und in die Läden. Im Geschäftsjahr 2019 eröffnete die Gruppe 22 neue Stores, zog an diversen Standorten um und sicherte sich in Madrid eine Immobilie. Ende 2019 kam die Gruppe damit auf 641 eigene Stores, 410 davon waren Prada-Läden. Weil die Gruppe auch eine Dividende von 155 Mio. Euro ausschüttete, erhöhte sich die Nettoverschuldung von 314 auf 406 Mio. Euro.

Neues Kreativduo: Miuccia Prada und Raf Simons
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Neues Kreativduo: Miuccia Prada und Raf Simons
Große Hoffnung setzt Prada auf das Kreative. Erstmals in der Geschichte hat sich Kreativdirektorin Miuccia Prada dazu entschieden, die alleinige Kontrolle abzugeben, und hat sich Raf Simons an die Seite geholt. Der Designer, der für Jil Sander und Christian Dior gearbeitet hat und im Dezember 2018 bei Calvin Klein ausgeschieden ist, wird Co-Kreativdirektor. Seinen Einstand feiert das Duo mit der Frühjahrskollektion 2021 im September. „Wir reagieren auf eine Epoche der neuen Möglichkeiten, in der es erlaubt ist, andere Sichtweisen einzunehmen und etablierte Methoden zu hinterfragen“, hatte Prada im Februar mitgeteilt. „Es ist ein erster Schritt in Richtung mehr Interaktion.“

Mailand Fashion Week: Prada H/W 2020/21

Auch sonst probiert Prada allerhand Neues aus. Die Luxusmarke hat die Tech-Kollektion Linea Rossa wieder aufgelegt. Zusammen mit Adidas werden Bestseller wie der Superstar und die Bowling Bag reinterpretiert. Das Angebot wird um Echtschmuck und Kosmetik erweitert. Der neue Lizenzpartner L’Oréal soll dabei helfen.

Offensiv geht Prada das Digitale an. Machte Prada-CEO Bertelli lange einen Bogen um das Internet, so hat er seinen Sohn Lorenzo Bertelli als potenziellen Nachfolger ins Unternehmen geholt. Seit September 2017 kümmert sich Bertelli Junior um das Marketing und das Digitale. Der Filius kurbelt die Verkäufe über den eigenen Webshop an und knüpft Bündnisse mit IT- und Software-Spezialisten wie Oracle und Adobe. Er forciert den Auftritt bei E-Tailern und auf Marktplätzen wie JD.com. Prada lancierte eine Kapsel mit Highsnobiety und war auch beim Menswear-Start von Mytheresa dabei.

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