Kampf der Teleshopping-Giganten

HSE wirbt Thomas Rath von QVC ab

Thomas Rath
Thomas Rath verkauft seine Kollektion Thom ab Januar exklusiv bei HSE.
Thomas Rath verkauft seine Kollektion Thom ab Januar exklusiv bei HSE.

Nach mehr als sieben Jahren bei QVC startet Verkaufsschlager Thomas Rath 2022 beim Konkurrenten HSE – und will den Erfolg seiner Teleshopping-Marke Thom by Thomas Rath dort noch toppen.

Der Teleshopping- und Live-Commerce-Riese HSE hat seinem Konkurrenten QVC Verkaufsschlager Thomas Rath abgeworben. Ab 2022 werde der Designer seine Marke Thom by Thomas Rath exklusiv über das Münchener Unternehmen vertreiben, bestätigt HSE entsprechende Informationen der TextilWirtschaft. Komplett unabhängig von seinen Teleshopping-Aktivitäten laufe nach wie vor seine Luxus-Linie "Semi Couture" weiter. Die Kooperation mit HSE umfasse Mode, Schmuck sowie eine eigene Home Collection. Damit legt HSE einen deutlich größeren Fokus als bisher auf das Thema Mode.

Während in der Corona-Pandemie, vor allem während der Lockdowns, viele Modeanbieter darbten, machte Thomas Rath nach eigenen Angaben bei QVC ein Plus von 25%. Sein Verkaufsschlager dabei: Blusen. "Ich habe meine Kundin umerzogen. Die Bluse ist das neue T-Shirt, auch in der Pandemie", sagt Rath im Gespräch mit der TextilWirtschaft. Bei QVC, wo Raths Vertrag nun ausgelaufen sei, habe er mit seiner Teleshopping-Marke Thom by Thomas Rath jährlich 52 Mio. Euro erlöst - das sind rund 5% des QVC-Jahresumsatzes in Deutschland. Bei HSE will Rath diesen Umsatz verdoppeln.



Während der Designer in seinen Anfängen bei QVC vor mehr als sieben Jahren von der Modebranche dafür zum Teil belächelt wurde, verkaufen nun immer mehr Kreative ihre Mode im Fernsehen und den digitalen Formaten der Teleshopping-Giganten. Erst im Sommer kündigte Steffen Schraut an, den Wholesale komplett zugunsten des Vertriebs über QVC aufzugeben. Eva Lutz gab ebenfalls den Start ihrer Kollektion bei QVC ab Frühjahr/Sommer 2022 bekannt. Bei dem Unternehmen, das zur amerikanischen QVC Gruppe gehört, finden sich darüber hinaus Namen wie Jette Joop, Uta Raasch, Dawid Tomaszewski und Annika Schwieger. HSE hat in diesem Bereich noch Nachholbedarf. Bekannteste Markennamen im Modesortiment sind hier bislang Marcel Ostertag, Brian by Brian Rennie und C'est tout. Thomas Rath wird damit das erste große Zugpferd für die Münchener im Bereich Mode.

Was erwartet Thomas Rath also nun bei, aber auch von HSE? "Wir haben noch etwas mit der Marke vor", so der 54-Jährige. Bei HSE stehe der Lifestyle-Komplettgedanke im Vordergrund, wovon er sehr angetan sei. HSE sei mehr wie Fernsehen, bei QVC werde hingegen eher nur ein Produkt erklärt. Der Entertainer freue sich auf seine neue Aufgabe, für die HSE ihm gerade ein eigenes Studio baue. Mit Couch und Sitzecke und allem, was zu einer Wohlfühlumgebung gehöre. „Mich hat der Lifestyle-Gedanke bei HSE überzeugt sowie der Entertainment-Ansatz, der in den Shows herrscht. Dieser Komplettgedanke lässt uns als Marke wachsen und dafür ist HSE der richtige Partner.“

2020 steigerte die HSE Unternehmensgruppe den Nettoumsatz um 4,4% auf 809 Mio Euro und schloss das Geschäftsjahr als das erfolgreichste der Unternehmensgeschichte ab. Mit einem bereinigten Ebitda von 160 Mio. Euro (Marge: 19,8%) war HSE um ein Vielfaches profitabler als 2019. Das Unternehmen erreicht über drei TV-Sender (HSE, HSE Extra und HSE Trend) rund 46 Millionen Haushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Konkurrent QVC kam 2020 hierzulande auf einen Umsatz vom 978 Mio. Euro - ein Plus von knapp 10% im Vergleich zu 2019.
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über die Hintergründe des Wechsels und die Pläne von Thomas Rath mit HSE in der aktuellen TW, die am 3. November um 18 Uhr als digitale Ausgabe und am 4. November als Printausgabe erscheint.
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