Kampf gegen den Corona-Schock

Britische Regierung setzt auf 30 Mrd. Pfund Stützungspaket

Die Briten kämpfen gerade an vielen Fronten. Zur Unsicherheit über den Brexit kommt die Virus-Krise und der Börsen-Crash in dieser Woche. Das Land ist wieder im Krisenmodus.

Modebranche und Einzelhandel warteten gespannt auf den Budgetplan, den der neue Schatzkanzler Rishi Sunak nur 27 Tage nach Amtsantritt an diesem Mittwoch vorlegte. Darin launchte er ein Paket mit fiskalpolitischen Impulsen in Höhe von 30 Mrd. Pfund mit einer ganzen Reihe von Stützungsmaßnahmen. Sie sollen den Unternehmen – vor allem mittelständischen und kleinen Firmen – helfen, sich für die wirtschaftlichen Turbulenzen infolge der Virus-Krise zu wappnen. Sunak sagte, Corona werde „signifikante“, aber temporäre Auswirkungen auf die britische Wirtschaft haben. Mittelständischen und kleinen Unternehmen in Sektoren, werden die Business Rates für ein Jahr erlassen. Kleine Firmen, die keine Business Rate zahlen, sollen eine Barzuwendung in Höhe von 3000 Pfund erhalten, was sich alleine auf 3 Mrd. Pfund addiert.

Aber schon am frühen Mittwochmorgen hatte die Bank of England den Ton gesetzt und den Leitzins von 0,75 auf 0,25% gesenkt. Zugleich wurde ein Maßnahmenpaket gegen den Corona-Schock angekündigt. Es soll helfen, den wirtschaftlichen Schaden einzudämmen und Unternehmen wie Haushalte vor den schlimmsten Auswirkungen der Krise zu schützen. Banken sollen über eine Periode von vier Jahren billiger Finanzierung während der Corona-Krise weiter Kredite vergeben können, um eine „potenziell herausfordernde Zeit“ zu überbrücken. Mark Carney, Gouverneur der britischen Notenbank, sagte, dass dadurch zusätzliche 200 Mrd. Pfund (228 Mrd. Euro) Unternehmenskredite bereitstehen könnten. Das entspreche genau der Art von Inanspruchnahme, wie sie in einer solchen Situation notwendig sei, so Carney.

Die Verunsicherung in Großbritannien ist so hoch wie zu Zeiten der Finanzkrise. Nach der langen Ungewissheit um den Brexit-Termin gab es zum Jahresbeginn zunächst ein Aufatmen. Das Geschäftsklima verbesserte sich, aber im Februar hemmten Sturm und Überflutungen das Einzelhandelsgeschäft und bei schneller Verbreitung des Corona-Virus bleiben die Kunden lieber zuhause. Der Handelsdaten-Spezialist Springboard ermittelte für den Monat Februar einen Rückgang der Kundenfrequenz um 7,8%. Davon waren vor allem die Einkaufsstraßen in den Innenstädten betroffen, während Einkaufzentren 2,5 % und Retail Parks 1,1 % weniger Besucher hatten. Bei 17 Regentagen im Februar kauften die Konsumenten bevorzugt dort ein, wo es überdachte Flächen und nahe Parkmöglichkeiten gibt.

Die wachsende Corona-Ausbreitung wird sich laut Springboard im März stärker auswirken. Nicht nur im Londoner West End sind weniger Leute in den Einkaufsvierteln unterwegs, auch die einschlägigen Touristen-Hotspots bekommen die rückläufige Frequenz zu spüren. Und auch im Designer Outlet Bicester Village geht es ruhiger zu, weil die chinesischen Touristen ausbleiben, die bislang zu den häufigsten Besuchern in dem Outlet in Oxfordshire zählten.

Wie aus den Daten des British Retail Consortium (BRC), die zusammen mit KPMG im Retail Sales Monitor erhoben werden, stiegen die Einzelhandelsumsätze in Großbritannien im Februar insgesamt nur um 0,1% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Januar wurde ein Zuwachs von 0,4% und im Februar 2019 ein Zuwachs von 3,2% erzielt. Für die drei Monate bis Februar wurde für Non-Food Umsätze im stationären Handel ein Rückgang von 1,8% im Vergleich zur Vorjahresperiode ermittelt, während die Ausgaben für Food um 0,3 % zulegten. Die Non-Food Onlineumsätze sind laut BRC/KPMG Retail Sales Monitor im Februar um 3,6% gewachsen und lagen damit über dem 12-Monatsdurchschnitt von 2,9%. „Die Stürme Ciara, Dennis und Jorge forderten ihren Tribut bei den Retail Sales“, sagt Helen Dickinson, BRC Chief Executive, „die leicht steigenden Ausgaben für Lebensmittel und Gesundheit sind auf die Sorgen rund um Corona-Virus zurückzuführen.“

Dass die anfängliche Erholung nach der Parlamentswahl im Dezember einen Dämpfer bekam, zeigen auch die Daten von Barclaycard. Danach sind die Umsätze in den Department Stores im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,6% zurückgegangen, die Ausgaben in Restaurents gingen um 6,4% zurück, so das Kreditkartenunternehmen, das nach eigenen Angaben fast die Hälfte aller Kredit- und Debitkarten Transaktionen abwickelt. „Stürme, Überschwemmungen und die Furcht vor der Virusausbreitung haben viele Briten von den Einkaufsstraßen weggehalten,“ sagt Esme Harwood, Director bei Barclaycard. Ob die Kriseninterventionen von Regierung und Notenbank wirken, muss sich erst noch zeigen. Denn keiner weiß, wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt und welche Auswirkungen sie haben wird. Das größte wirtschaftliche Problem, so Branchenbeobachter, ist ein Zusammenbrechen der globalen Wertschöpfungsketten und fehlendes Konsumentenvertrauen.
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