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Karriere-Event in Mainz

Making Future '19: Recruiting auf Augenhöhe

Light Hunters Photography
Teilnehmer informieren sich in Mainz über offene Stellen. Vakanzen gibt es vor allem in IT und Retail.
Teilnehmer informieren sich in Mainz über offene Stellen. Vakanzen gibt es vor allem in IT und Retail.

Marc O’Polo sucht einen Developer Full Stack, Guess einen Vertriebsmitarbeiter und die Betty Barclay Group einen Praktikanten im E-Commerce. Nur ein paar Beispiele vom Jobboard in Mainz. Das wichtigste Takeaway des erstmals von der dfv Mediengruppe veranstalteten Karriere-Events Making Future '19: Um junge Talente zu gewinnen, müssen Firmen neue Anreize schaffen, neue Werte vermitteln. Das gilt vor allem für IT und Retail.

Dennis Bednarek kommt kaum dazu, Fragen zu beantworten. Der Handelsmanagement-Student schreibt fieberhaft Stichpunkte auf sein White Board. Im Design Thinking-Workshop geht es schließlich darum, in kurzer Zeit viele Ideen zu sammeln. „Der heutige Tag könnte ein Sprungbrett für meine Karriere sein“, sagt er, ohne den Stift abzusetzen. Er ist einer von 380 Nachwuchskräften, die nach Mainz gekommen sind, um sich mit Unternehmen aus Mode, Handel, FMCG, Medien, Hotelerie, Gastronomie sowie Tourismus zu vernetzen. Die Location: Halle 45 in Mainz. Das Programm: Vorträge, Workshops, Messestände. Das Ziel: Recruiting auf Augenhöhe.


„Durch das branchenübergreifende Konzept können wir Synergien schaffen“, sagt Janina Tanck, Coordinator People, am Bestseller-Stand (u.a. Vero Moda, Only). Quereinsteiger seien bei ihr gerne gesehen, die Augen hält Tanck vor allem nach „leidenschaftlichen Persönlichkeiten“ offen. Bestsellers Nachbarn im Fashion-Bereich in der Mainzer Fabrikhalle sind C&A, Gant, Adler, die Betty Barclay Group, Guess, Marc O'Polo, P&C Düsseldorf, New Yorker und PVH (u.a. Tommy Hilfiger, Calvin Klein). Auf der Teilnehmerliste stehen aber auch Namen wie Edeka, der Europa Park oder Red Bull.

Making Future '19: Impressionen

Bei der Weihnachtsfeier von Marc O’Polo wird es in diesem Jahr keinen Christbaum geben. Wieso, das erzählt Sandro Schramm auf der Hauptbühne in einer Speed-Vorstellungsrunde. Für die Verjüngung von Marc O’Polo stehen auf der Agenda des Director Marketing & Growth die Punkte Modernität, Internationalität und Nachhaltigkeit. Letzterer ist laut Schramm schon immer Bestandteil der Firmen-DNA, wurde bislang jedoch nicht klar kommuniziert. „Dieses Understatement ändert sich jetzt“, sagt der Marketing-Experte. Etwa ab November mit der neuen Weihnachtskampagne. Für jedes verkaufte Teil aus der Christmas-Kollektion wird ein Baum gepflanzt. Da wäre eine Tanne zur Weihnachtsparty nicht sehr authentisch.

Tatendrang in der Workshop-Area. Hier diskutiert etwa Michael Gartner von P&C Düsseldorf in kleiner Runde über Omnichannel-Maßnahmen. Überzeugt sind die Teilnehmer vor allem von Miet-Services und intelligenten Spiegeln. Eine ihrer Ideen: Der Smart Mirror solle zeigen, ob der anprobierte Anzug zum Look der Begleitung passt. Reger Austausch auch bei dem Karriere-Coaching für Frauen. Kristina Tophinke von Eurowings ist Mitgründerin des Netzwerks „Wings.WoMen“. Sie rät, in Kontakte zu investieren. „40% ihrer Zeit verbringen erfolgreiche Führungskräfte mit Netzwerken. Und auch Ihr solltet euer ganzes Unternehmen kennenlernen.“

Gesagt, getan. Tophinkes Rat können die Young Professionals an den Ständen der Aussteller umsetzen. Hier stellt etwa die Betty Barclay Group den neuen dualen Studiengang mit digitalem Schwerpunkt vor. „Passende Software-Entwickler zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt die Personalleiterin Annegret Weigel. Daher will sich die Gruppe nicht nur als Traditionsunternehmen, sondern als innovativer Arbeitgeber positionieren. Glamour spielt für viele IT-Spezialisten schließlich kaum eine Rolle: „Sie kann man nicht unbedingt mit der für viele spannenden Modebranche locken, ihnen müssen andere Werte vermittelt werden“, begründet Ferdese Bazih-Redzepi von Gant. Auch Christina Al-Naqib sieht in der IT enormen Bedarf. Trotzdem will sie in Mainz alle Berufe der C&A-Zentrale promoten. Denn bislang würden die meisten Bewerber das Unternehmen nur mit Retail in Verbindung bringen.



Nur ein paar Meter weiter sucht Guess hingegen gezielt nach Personal für neue Flächen. Vor zwei Jahren gab es in Deutschland noch 170 Angestellte, aktuell sind es 400. Doch die Rekrutierung im Retail bleibt eine Herausforderung, ist beispielsweise Behija Karup, Personalchefin bei Marc O’Polo überzeugt. Auch, „weil der Bereich durch das starke Wachstum des Online-Handels bei Nachwuchskräften an Attraktivität verloren hat“.

Eine der vielen Recruiting-Herausforderungen, der sich Unternehmen in Mainz stellen. Nicht nur durch Information, sondern auch durch Nähe – der Arbeitgeber zum Anfassen. So gehört zu Al-Naqibs Messeteam eine Praktikantin, die über ihren Einstieg bei C&A berichtet. Gant setzt auf den Spaßfaktor und fordert Teilnehmer heraus, einen Bügelrekord aufzustellen. An diesem Stand steht nun auch Dennis Bednarek. Er hat wieder den Stift gezückt. Und trägt seinen Namen in ein Kontaktformular ein.

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