Kastner & Öhler appeliert an Österreichs Regierung

„Wir benötigen 5 Mio. Euro, um unsere Liquidität zu sichern“

Seit Montag, den 16. März, sind in Österreich die Geschäfte geschlossen. Wann die angekündigten Hilfspakete für betroffene Unternehmen ausgezahlt werden, steht jedoch noch nicht fest. Nun appeliert Martin Wäg, Vorstandschef der Handelskette Kastner & Öhler, an die österreichische Regierung: "Ohne schnelle Hilfe wird es nicht gehen".

Am Donnerstag wurden in Wien Details zu dem angekündigten Hilfspaket für betroffene Branchen wie Handel und Touismus verkündet. Bei dem Nothilfefonds in Höhe von bis zu 15 Mrd. Euro handelt es sich um eine Mischung aus Kredit und Zuschuss, ausgezahlt wird je Unternehmen maximal ein Quartalsumsatz. Unklar bleibt jedoch, wann das Geld zur Liquiditätssicherung ausgezahlt werden wird.


Die Frage nach dem Timing bereitet Kastner&Öhler-Vorstandschef Martin Wäg große Sorgen. „Wenn das zugesagte Hilfspaket nicht in den nächsten 14 Tagen wirksam gemacht wird, können wir keine Rechnungen mehr bezahlen. So wie wohl die Hälfte aller österreichischen Einzelhändler, die von den Ladenschließungen betroffen sind“, sagte er gegenüber der TextilWirtschaft. Bezüglich der nötigen Überbrückungskredite wurde er konkret: „Wir benötigen fürs erste 5 Mio. Euro, um unsere Liquidität zu sichern.“

Alle 1900 Mitarbeiter von Kastner & Öhler befinden sich bereits in Kurzarbeit. Zudem nehme das Mode- und Sporthandelsunternehmen Steuerstundungen in Anspruch. Doch um in der kommenden Woche die Gehälter zahlen zu können, seien sofortige Unterstützungen der Regierung nötig. Nun hofft Wäg aufgrund der angekündigten Maßnahmen und entsprechend hohen Summen auf eine bessere Basis für Gespräche mit Banken bezüglich einer Überbrückung.

Halbe Milliarde Verlust im Einzelhandel

500 Mio. Euro Verlust allein in der ersten Woche nach den Ladenschließungen – so beziffert das Forschungsinstitut KMU Forschung Austria die Umsatzentwicklung des gesamten österreichischen Einzelhandels der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge. Für die letzte Märzwoche gehe Karin Gavac, wissenschaftliche Mitarbeiterin der KMU, von der gleichen Summe aus. Für den im Normalfall besonders umsatzstarken April rechne sie mit noch höheren Verlusten.

Gegenüber der TextilWirtschaft äußerte sich Gavac über den Modehandel: „Der Bekleidungseinzelhandel ist unter allen Branchen, die in Österreich von den Geschäftsschließungen betroffen sind, der umsatzstärkste Bereich“. Sie gehe aktuell von einem wöchentlichen Netto-Umsatzentgang von rund 100 Mio. Euro aus. Allerdings sei zu erwarten, dass sich ein Teil auf den Handel im Netz verschoben habe.

Bei Kastner&Öhler entwickelt sich das Online-Geschäft aktuell positiv. Insbesondere die Nachfrage nach Biking- sowie Fitnessartikel sei laut Wäg gestiegen. Modische Artikel täten sich hingegen schwerer. „Unser Fokus liegt jedoch klar auf dem stationären Handel und wir können durch unseren Online-Shop in keinem Fall das verlorene Volumen ausgleichen“, sagt der Vorstandschef. 
2019 erwirtschaftete Kastner & Öhler einen Gesamtumsatz von 283 Mio. Euro. Der Anteil der Online-Geschäfts liegt bei 7 bis 8%.

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