Keine Kommission für Connected Retail

Zalando: Liquiditätshilfe für stationäre Händler

Zalando
Carsten Keller: „Wir verzeichnen bei Connected Retail eine positive Entwicklung der Bestellvolumina.“
Carsten Keller: „Wir verzeichnen bei Connected Retail eine positive Entwicklung der Bestellvolumina.“

Zalando gibt jetzt Gas bei Connected Retail und beschleunigt die Anbindung des stationären Handels an die Plattform. In den nächsten zwei Monaten zahlen Partner keine Provision, wenn sie ihr Sortiment über Zalando verkaufen. Zudem soll die Auszahlung der Umsätze wöchentlich statt bisher monatlich erfolgen. Fließen denn Umsätze? Schließlich hat Zalando selbst mit weniger Frequenz zu kämpfen? Wir haben den Verantwortlichen für Connected Retail, Carsten Keller, gefragt.

Spätestens seit Montagabend ist klar: Die Corona-Krise geht auch an Online-Retailern nicht spurlos vorbei. So sah sich Zalando gezwungen, seine Prognose für das erste Quartal zu senken. Der börsennotierte Modekonzern rechnen nun mit „deutlich“ weniger Umsatz und Bruttowarenvolumen (GMV) sowie einem Verlust im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres.


„Als Europas führende Modeplattform teilen wir Risiken und Chancen mit der Modebranche“, schreibt der Vorstand in seinem Brief und gibt sich zuversichtlich: „Wir verfügen über eine starke Bilanz und über liquide Mittel von mehr als 1 Mrd. Euro. Unser Unternehmen ist stark und wir werden unsere Widerstandsfähigkeit in der aktuellen Krise unter Beweis stellen.“

Gas gibt Zalando jetzt bei Connected Retail und beschleunigt die Anbindung des stationären Handels an die Plattform. Von April bis Mai zahlen neue und bestehende Partner des Programms keine Provision, wenn sie ihr Sortiment über Zalando verkaufen. Diese liegt üblicherweise bei 12 bis 15%, heißt es aus Händlerkreisen.

„Für viele Retailer ist das Online-Business ein wichtiger Hebel, um überleben zu können. In den vergangenen zwei Wochen haben wir eine Verfünffachung der Anfragen verzeichnet“, berichtet Carsten Keller, Vice President Direct to Consumer und Verantwortlicher für Connected Retail. Ist das Unternehmen für den Andrang gerüstet?  „Wir haben unsere Kapazitäten aufgestockt, um alle möglichst zeitnah anzubinden.“

Unter dem Hut von Connected Retail hat Zalando inzwischen 1500 stationäre Läden versammelt, die sich mit der Plattform vernetzen und aus ihren Beständen versenden, falls der Onliner die Ware nicht selbst vorrätig hat. Und verkaufen sie aktuell auch. Schließlich hat Zalando selbst mit weniger Frequenz zu kämpfen? Keller: „Wir verzeichnen bei Connected Retail eine positive Entwicklung der Bestellvolumina.“

Konkrete Zahlen bleibt er allerdings schuldig. Betont aber eine weitere Maßnahme des Programms: Um die Liquidität aufseiten der Händler zu erhöhen, soll die Auszahlung der Umsätze ab April wöchentlich statt bisher monatlich erfolgen. In den kommenden Monaten sollen weitere Möglichkeiten identifizieren werden, um die Partner in diesen herausfordernden Zeiten zu unterstützen.

Kommt bald die große Rabattschlacht? „Die Krise kam zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Viele Händler haben sich gerade mit Ware eingedeckt, eventuell bereits für den Mid Season Sale aufgestockt“, sagt Carsten Keller. Trotz Warendruck blieben die Händler auf der Zalando-Plattform aber diszipliniert und vermieden Sales weitgehend. „Das ist eine gute Entwicklung. Gleichwohl haben sie Angst, dass es in einigen Monaten massive Rabattschlachten gibt.“

Zalando selbst hat sich kürzlich noch mit reichlich Ware für den Mid Season-Sale eingedeckt, heißt es aus Lieferantenkreisen. Wie hoch der aktuelle Lagerbestand ist, darüber gibt das Unternehmen auf Nachfrage keine Antwort. Nur so viel: „Das bereinigte Ebit wird durch Sonderabschreibungen auf den Warenbestand als Folge der revidierten Umsatzerwartung für die laufende Saison negativ belastet.“

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