Kidswear-Spezialist

Kanz Financial Holding ist insolvent

Aus dem Portfolio der eigenen Marken waren Kanz und das Mützenlabel Döll zuletzt noch umsatzstark.
Aus dem Portfolio der eigenen Marken waren Kanz und das Mützenlabel Döll zuletzt noch umsatzstark.

Die Kanz Financial Holding (KFH), Pliezhausen, hat Insolvenzantrag gestellt, ebenso wie ihre Tochtergesellschaften – vor allem die Kids Fashion Group und die Junior Brands Group.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Tobias Wahl aus Stuttgart bestimmt. Gläubigerschutz beantragt haben u.a. auch die KFH-Tochter S&D GmbH, unter der die Sons & Daughter-Stores und Outlets zusammengefasst sind, sowie die Spielzeugsparte mit der Build A Bear GmbH und der Spielwaren Kurtz GmbH."Wir sind bereits geschwächt in die Krise gegangen", begründet Geschäftsführer Harald Hepperle den Schritt.

In der Tat hatte die KFH zuletzt mit massiven Problemen zu kämpfen. Vor zwei Jahren verlor die Gruppe mit der Steiff-Lizenz die Cash-Cow des Unternehmens. 2019 büßte die Gruppe auch die Lizenz für die Marc O'Polo Junior-Kollektion ein. Sie ging an die Katag. 

Aus dem Portfolio der eigenen Marken waren Kanz und das Mützenlabel Döll noch umsatzstark. Auf kleinerem Niveau auch Bellybutton. Außerdem bescherte das Hamburger Label Lizenzeinnahmen. Die Bellybutton International ist von der Insolvenz nicht betroffen.

Bellybutton und Tom Tailor-Lizenz nicht betroffen

Ebenso wenig wie die Junior Fashion Group. Sie produziert für die KFH die Tom Tailor Kids-Lizenzkollektion. Was bislang für den Pliezhausener Konzern ein großes Desaster darstellte. Händler berichteten von nie dagewesenen Lieferschwierigkeiten. Die Ware sei teils mit zweimonatiger Verspätung eingetroffen. 

In der vergangenen Saison beschränkten sich die Lieferverzögerungen dann nicht mehr allein auf die Tom Tailor Kids-Kollektion, sondern auch auf die anderen KFH-Kollektionen. Viele Händler beendeten darauf endgültig die Zusammenarbeit mit der Gruppe aus Pliezhausen, was die offenkundigen Liquiditätsprobleme noch verschärft haben dürfte. Ein Teufelkreis. 

In den vergangenen Monaten wurden bereits erste Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. "Wir haben Kostenanpassungen unter anderem in unserem Showroom-Netz vorgenommen", sagt Hepperle. So seien die zweiten Showrooms in Hamburg, München und Neuss geschlossen worden, außerdem die Showroooms in Eschborn und Berlin. Logistik-Prozesse seien von Lauterbach nach Polen verlagert worden. Die Lizenzgebühren von Bellybutton kassiert nun die Deutsche Leasing. Laut Hepperle wurden 20 Sons & Daughter-Stores in Innenstadt-Lagen geschlossen. Aktuell betreibt die Gruppe noch fünf eigene Stores sowie 13 Outlets. Von 100 Mitarbeitern habe man sich im Zuge der Restrukturierung trennen müssen, sagt Hepperle. Das entspräche rund 30% der Belegschaft. 

Wie es nun weitergeht, ist unklar. "Hätten wir eine komplett grüne Wiese und könnten noch einmal von vorn anfangen, würde sicherlich eine Fokussierung auf die wesentlichen Assets Sinn machen", sagt Hepperle. Ursprünglich war die Strategie der KFH, komplette Kindermodeflächen zu bespielen und selbstständig zu bewirtschaften. Dafür hatte die KFH unter Geschäftsführer Özgür Bender in der Vergangenheit einige insolvente Kindermodelabel aufgekauft. So zählen zum Portfolio neben den genannten Linien auch das Jeanslabel Lemmi, Jackenspezialist Ticket To Heaven, Kleiderspezialist Königsmühle und das niederländische Lifestyle-Label lief. 

Im Dezember wurde zudem bekannt, dass die Kids Fashion Group die Lizenz für die Kindermode-Linie von Esprit übernommen hat, was im Markt ob der bekannten Schwierigkeiten für Kopfschütteln sorgte. Esprit hat nun selbst einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt.
stats