Konen-Geschäftsführerin Gabriele Castegnaro

"Wir dürfen uns keine Rabattschlachten liefern"


Konen
Gabriele Castegnaro, Geschäftsführende Gesellschafterin von Konen
Gabriele Castegnaro, Geschäftsführende Gesellschafterin von Konen

Erst der Shutdown, jetzt die Ausgangsbeschränkungen. In Bayern spitzt sich die Lage zu. Gabriele Castegnaro, Geschäftsführende Gesellschafterin von Konen, berichtet im TW-Gespräch, wie jetzt der neue Alltag beim Münchner Platzhirsch aussieht.

TextilWirtschaft: Frau Castegnaro, wie halten Sie in diesen Tagen den Betrieb in Ihrem Unternehmen am Laufen?
Gabriele Castegnaro:
Tobias Ponn und ich sind als Geschäftsführung selbstverständlich vor Ort. Ebenso die Personalbteilung und die Ausbildungsbetreuer. Für unsere 45 Azubis können wir kein Kurzarbeitergeld beantragen. Sie arbeiten unter strenger Beachtung aller Hygieneempfehlungen jetzt bei uns im Schichtbetrieb für den Onlineshop, jeder in seinem Bereich. Die Stimmung ist gut, es gibt Brezn und Pizza. Weitere 30 Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice. Mitarbeitern, die vor Ort sein müssen haben wir dringend geraten, nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen und erstatten auch Parkgebühren.


Am Freitag wurde bayernweit eine Ausgangsbegrenzung verhängt. Müssen Sie jetzt für jeden Mitarbeiter einen Passierschein ausstellen?
Nein, bisher braucht man keinen Passierschein. Es reicht wohl, wenn man plausibel machen kann, warum man unterwegs ist. Allerdings sind wir hier selbst noch unsicher, wir bekommen aktuell hier noch widersprüchliche Angaben.

Sie verkaufen nun online weiter. Rechnet sich das tatsächlich oder wäre es nicht kostengünstiger, den gesamten Verkauf einzustellen?
So denken wir nicht. Es geht auch um Marktanteile, wir wollen das Feld nicht nur den Zalandos und mytheresas überlassen. Allerdings pushen wir unseren Onlinekanal in diesen Zeiten auch nicht über die Maßen. Wir bieten beispielsweise keine neuen Services wie etwa eine telefonische Outfitberatung an. Sondern wir fokussieren uns auf eine gute, sensible Kundenkommunikation.



Wie sieht die aus?
Zum Beispiel haben wir unseren Kunden nach dem Shutdown einen sehr persönlichen und ehrlichen Brief geschrieben. Dabei haben wir großen Wert darauf gelegt, nicht pushy zu sein nach dem Motto, wir wollen jetzt unseren Onlineshop komplett ausschlachten. Wir melden uns jetzt alle drei bis vier Tage wieder per Newsletter und kommunizieren weiter über Instagram. Hier hatten wir uns auch an der Stayhome-Kampagne beteiligt.

Wie lösen Sie das Warenproblem?
Wir hatten die erste Woche nach dem Shutdown die Logistik noch geöffnet, ich wollte nicht in Annahmeverzug geraten. Die allermeisten unserer Lieferanten haben uns von sich aus angeschrieben und die Lieferungen erst einmal gestoppt. In dieser Krise trennt sich die Spreu vom Weizen: Es gibt natürlich auch einige, die erst einmal ihre eigenen Schäfchen ins Trockene bringen wollen. Juristisch gelten hier wohl die Regelung zum Wegfalls der Geschäftsgrundlage, dh. es gibt einen Rechtsanspruch auf Anpassung vor Auflösung bestehender Verträge. Vor allem aber ist es zentral, dass wir uns nicht gegenseitig die nächste Rabattschlacht liefern.

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