Großvermieter: "Wir rechnen nicht damit, dass es weitergeht"

Orsay schließt in Österreich alle Filialen, Zukunft in Deutschland ungewiss

Imago / Hanno Bode
Orsay in Deutschland: Die Filiale in der Hamburger Mönckebergstraße wird ebenfalls schließen.
Orsay in Deutschland: Die Filiale in der Hamburger Mönckebergstraße wird ebenfalls schließen.

Der DOB-Filialist Orsay befindet sich in Deutschland schon seit dem Vorjahr im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, in Österreich allerdings nicht. Die Muttergesellschaft hoffte bis zuletzt auf einen Käufer – doch die Verhandlungen sind gescheitert. Nun werden auch die gut 50 österreichischen Filialen geschlossen. Die Ordia Handels Ges.m.b.H mit Sitz in der Wiener Mariahilferstraße hat jetzt am Handelsgericht Wien den Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens gestellt, berichten Creditreform und KSV1870. Wie es in Deutschland weitergeht, ist noch immer offen.

Die Antragstellerin betrieb in Österreich unter dem Markennamen Orsay zuletzt noch 51 Filialen. "Die Insolvenzursachen liegen vor allem in den durch die Covid-19-Pandemie angeordneten Lockdowns im gesamten Handel und den daraus folgenden Umsatzeinbrüchen", heißt es in der Mitteilung von Creditreform. "Auch nach der Aufhebung des Lockdowns blieben die Umsätze hinter den Planungen zurück."


Bereits im November 2021 wurde über das Vermögen der in Deutschland befindlichen Muttergesellschaft, die Orsay GmbH, ein Insolvenzverfahren eröffnet. Sowohl bei der Muttergesellschaft als auch bei der Ordia Handels Ges.m.b.H. sind Gespräche mit potenziellen Investoren gescheitert, sodass auch die österreichische Tochter nunmehr gezwungen war, einen Konkursantrag zu stellen.

Laut Schuldnerangaben betragen die Verbindlichkeiten rund 15 Mio. Euro. 239 Mitarbeiter sowie weitere rund 110 Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen. Die Schuldnerin strebt keinen Sanierungsplan an. Möglicherweise wird kurzfristig fortgeführt um eine bessere Verwertung der Ware zu ermöglichen.

Laut einem Bericht der Tageszeitung Standard wies die Ordia Handels GesmbH in der Bilanz 2020 ein negatives Ergebnis der Geschäftstätigkeit in Höhe von 4,35 Mio. Euro aus. Der Umsatz lag bei rund 30 Mio. Euro. Eigentümerin des Unternehmens ist die französische Mulliez-Gruppe, die auch hinter Marken wie Decathlon oder Auchan steht. Eine weitere Marke aus dem Mulliez-Portfolio, Pimkie, hatte im Vorjahr ein ähnliches Schicksal wie nun Orsay erlitten.

In Deutschland indes läuft die Suche nach einem Investor weiter. Wie berichtet, sollte ein Übernehmer bereits im Februar gefunden sein. Vorsorglich, "weil wir nicht wissen, ob es am 1. Juli weitergeht", hat die Orsay GmbH alle Mietverträge genau wie die Arbeits- und Dienstleistungsverträge per Ende Juni gekündigt. Das bestätigte ein Sprecher auf Anfrage der TextilWirtschaft. Es gebe aber "Anzeichen für eine Fortführung". Ob das auch den stationären Handel betrifft, "ist weiter offen", so der Sprecher.

Die Kündigungen seien ausgesprochen worden, damit sich die Mitarbeiter und Vermieter frühzeitig neu orientieren können. Sollte es zu einer Übernahme kommen, "müsste der neue Eigentümer mit den Mitarbeitern und Vermietern Gespräche darüber führen, ob sie weiter mit bzw. bei Orsay arbeiten wollten. Schließen sollen 67 der 197 Stores in Deutschland. In Immobilienkreisen hierzulande scheint die Hoffnung auf eine Rettung indes bereits erschöpft. "Wir haben keinerlei Signale aus dem Unternehmen. Wir rechnen nicht damit, dass es weitergeht", sagt der Manager eines europäischen Großvermieters, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte.

Orsay ist auch in Polen stark vertreten. Über die Situation dort, äußert sich das Unternehmen nicht. Dem Vernehmen nach ist in Polen aber auch ein Restrukturierungsverfahren nach polnischem Recht eingeleitet worden. Es ist vergleichbar mit der Insolvenz in Eigenverwaltung in Deutschland. Danach hat das polnische Management weiterhin die Kontrolle über das Unternehmen, ist aber zur Restrukturierung und Sanierung verpflichtet.

Orsay betreibt in Polen mehr als 200 Läden und ein großes Distributionszentrum. Beschäftigt sein sollen über 1000 Mitarbeiter. Aus dem Markt heißt es, in Polen seien bislang keine Läden geschlossen worden.

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