Konsum in Zeiten von Corona

„So habe ich das Gefühl, dass ich rauskann – wenn auch nur virtuell“


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Lust auf Online-Shoppen in Zeiten von Corona?
Lust auf Online-Shoppen in Zeiten von Corona?

Das IFH Köln veröffentlicht den ersten „Corona Consumer Check“, die TextilWirtschaft eine Blitz-Umfrage unter Konsumenten. So ticken deutsche Verbraucher derzeit in puncto Mode.

Erstens: Jeder dritte Deutsche legt – insbesondere in puncto Lebensmitteln – in diesen Tagen Vorräte an. Zweitens: Die Verschiebungen ihrer Shopping-Habits von Stationär Richtung Online beobachten – mit grundsätzlich höherer Affinität bei den 18- bis 29-Jährigen – bis dato 13% der Konsumentinnen und Konsumenten an sich selbst. Drittens: Die Restriktionen des Einkaufsverhaltens, die die Corona-Krise mit sich bringt, ist für 31% der Verbraucherinnen und Verbraucher hierzulande gleichbedeutend mit dem Verlust von Freiheit, wobei darunter insbesondere die bis 49-Jährigen leiden. Zu diesen drei Fazits kommt das Institut für Handelsforschung, IFH Köln, in seiner ersten Ausgabe des „Corona Consumer Check“.

Die TextilWirtschaft wollte wissen, wie sich das Konsumverhalten unter Einfluss der Corona-Pandemie insbesondere mit Blick auf Mode und Lifestyle auswirkt – und hat deshalb Konsumentinnen und Konsumenten direkt befragt. Nicht, wie sonst üblich, im Rahmen von Face-to-Face-Interviews auf der Straße, sondern in nicht minder persönlichen Telefonaten.

Anna, 27, Journalistin
„Mein Verlagen nach Mode ist rapide gesunken. Gerade bei den Global Playern habe ich momentan keine Lust, etwas zu bestellen. Zwar habe ich kurz mit einem Jogging-Anzug im Batik-Look geliebäugelt, aber dann hatte ich doch die Sorge, dass ich ewig auf die Lieferung warten muss. Außerdem ist es in der aktuellen Lage wohl das Beste, sein Geld nicht aus dem Fenster zu werfen. Schließlich weiß keiner, wo man am Ende dieser Krise steht oder wem man vielleicht aus der Familie unter die Arme greifen muss. Allerdings möchte ich lokale Labels unterstützen und habe mir schon zwei Läden in meiner Stadt ausgesucht, bei denen ich in den nächsten Tagen Kleinigkeiten wie ein T-Shirt bestellen möchte. Auch um ein Zeichen zu setzen und die Leute vielleicht ein wenig zu motivieren.“

Hannah, 26, Studentin
„Ich fände es unverantwortlich, einen Paketboten zu mir kommen zu lassen. Das Risiko wäre ohnehin für alle Beteiligten, die in den entsprechenden Prozessen involviert sind, zu hoch. Außerdem finde ich Mode aktuell unwichtig in Anbetracht der Tatsache, dass die gesamte Gesellschaft mit einem so gravierenden Problem konfrontiert ist.“
 
Sascha, 41, Lehrer
„Habe mir gerade zwei T-Shirts bei Amazon bestellt. Eigentlich kaufe ich Kleidung nie online ein, aber jetzt habe ich im Internet gesurft und dann einfach bestellt. War ein absoluter Impulskauf. Wenn die Läden offen wären, wäre ich gar nicht in die Verlegenheit gekommen. Die Situation für den stationären Handel finde ich sehr schlimm, den Ansatz 'support you local dealer' finde ich sehr gut und unterstützenswert. Habe jetzt auch bei der Buchhandlung hier in der Nachbarschaft gesehen, dass sie einen Lieferdienst anbietet. Das möchte ich ebenfalls nutzen. Könnte mir auch vorstellen, bei den lokalen Händlern Gutscheine für die Zeit nach dem Shutdown zu kaufen. Was ich auf keinen Fall machen werde, ist, bei den großen Online-Händlern einzukaufen, die jetzt mit 20% auf Kleidung werben.“

Sofia, 39, Diversity Managerin
„Ich finde Liveshopping von lokalen Händlern, die ihr Überleben sichern müssen und von denen Existenzen abhängen, legitim – auch in der Krise. Modeketten wie Zara, H&M etc. unterstütze ich allerdings nicht, da ich der Meinung bin, dass diese Häuser insbesondere in der Krise ihre Fast Fashion-Strategie überdenken sollten. Lieferketten sinnvoller und humaner, vor allem nachhaltiger gestalten sollten. Solange diese Häuser aus dieser Krise nichts lernen und nicht mit neuem Konzept oder neuer Strategie in Erscheinung treten, werde ich auch nach der Krise nichts mehr bei denen kaufen. Denn auch wir Konsumenten haben eine Verantwortung. Was brauchen wir, was nicht? Auch für Modebewusste gilt – brauche ich 27 weiße T-Shirts und 34 Paar Birkenstocks? Welchen 'Preis' ist man bereit zu zahlen, und würde man für eine transparente nachhaltige Mode mehr bezahlen wollen? Macht mich der schlichte Konsum glücklich?“

Kerstin, 46, Grundschuhllehrerin
„Ich habe im Moment total Lust, online zu shoppen, weil mich das von allem ablenkt. Das gibt der ganzen Situation wieder ein Stück weit Normalität. Auf diese Weise habe ich das Gefühl, dass ich rauskann, wenn auch nur virtuell. Ich surfe derzeit, wo ich sonst auch surfe: auf Fashionette, Rebelle, Vestiaire Collective und Ebay Kleinanzeigen, google aber auch nach Schuhen – und schaue, wo ich dann lande. Vor ein paar Tagen habe ich so ein Paar Veja-Sneaker bei Zalando bestellt, außerdem warte ich auf ein Paar Gucci-Slipper, die ich über Ebay Kleinanzeigen erstanden habe. Bei Yoox würde ich aktuell nichts bestellen – da habe ich Sorge, dass die Produkte nicht ankommen würden, da sie ja aus Italien verschickt werden.“

Katharina, 36, Wissenschaftlerin
„Obwohl ich generell gerne Mode kaufe und durch Online-Shops scrolle, ist mir in den vergangenen Wochen kein einziges Mal in den Sinn gekommen, etwas zu bestellen. Heute habe ich eine E-Mail von meiner Lieblingsmarke erhalten, in der erklärt wurde, welche Vorkehrungen getroffen werden, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen, aber auch ihre Arbeitsplätze – zum Beispiel durch das Weiterführen des Online-Geschäfts. Erklärt wurden auch verschiedene Vorsichtsmaßnahmen in Produktion und Versand. Das fand ich gut, und da ich das Glück habe, von zu Hause arbeiten zu können und vorerst keine Gehaltskürzungen zu befürchten habe, werde ich in den nächsten Tagen vielleicht doch mal etwas bestellen, um das Unternehmen und seine Mitarbeiter zu unterstützen.“

Dominik, 27, Journalist
„Mode ist für mich weiterhin ein Thema, schließlich kann man auch zu Hause im Home Office schick rumlaufen und sich an neuen Sneakern erfreuen. Nur das Gefühl, sie das erste Mal voller Vorfreude anzuziehen und auf der Straße zu tragen, fehlt. Und das macht es aktuell etwas seltsam. Außerdem bleibt es eine schwierige Frage, ob man sein Geld für Mode ausgeben möchte, da gerade wichtigere Dinge anstehen. Aber es gibt auch immer eine Zeit danach. Mode beschäftigt mich daher auch jetzt – wenn auch nicht so sehr wie sonst.“

Carolin, 32, Erzieherin
„Momentan habe ich, ehrlich gesagt, kein wirklich großes Interesse daran, Mode zu shoppen. Es sei denn, es handelt sich vielleicht um eine neue bequeme Jogginghose für die Quarantäne oder die Ausgangssperre. Natürlich könnte man sich mit einem neuen Kleid oder dem lang ersehnten Paar Sneakern etwas Gutes tun und sich ablenken, aber zu Hause sieht's ja eh keiner. Größere Ketten haben es in der jetzigen Situation sowieso einfacher, vermute ich. Wenn überhaupt, dann würde ich jetzt Selbstständige oder den kleinen lokalen Einzelhandel unterstützen, aber nicht die Online-Shops der Großen. Infolge der Ladenschließungen bieten ja jetzt viele kleinere Geschäfte persönliche Beratung am Telefon, Lieferservice nach Hause oder locken mit Prozentaktionen durch Gutscheine für 'danach'. Zur Unterstützung und Erhaltung dieser Läden kaufe ich dort dann gerne etwas. Support your Locals!“

Wilhelm, 45, Architekt
„Aktuell steht mir nicht so richtig der Sinn nach Shopping, das ist schon sehr nebensächlich geworden. Durch die Krise bin ich ziemlich abgelenkt, habe nicht den Kopf, mir über solche Dinge Gedanken zu machen. Und es fehlt schlichtweg die Lust. Ich frage mich eher, ob man jetzt nicht doch sein Geld zusammenhalten sollte, weil man nicht weiß, wie lange die Krise gehen wird. Was ich aber tatsächlich gerade bestellt habe, ist ein kleines Interior-Teil von Vitra, um meinen Arbeitsplatz zu verschönern. Das ist aber ein absoluter Impulskauf gewesen. Wenn wir in ein, zwei Monaten immer noch solche Ausgangsbeschränkungen haben, hätte ich vermutlich schon irgendwann das Bedürfnis, etwas zu kaufen, mir etwas Neues zu gönnen. Dann würde die Krise aber vermutlich auch schon eher schon zur 'Normalität' werden.“
„Ich rechne mit Lieferengpässen ab Frühsommer und empfehle jedem meiner Freunde und der Familie, jetzt Kleidung und Schuhe zu kaufen.“
Christiane, 49 Jahre

Christiane, 49, Hausfrau
„Ich rechne mit Lieferengpässen ab Frühsommer und empfehle jedem meiner Freunde und der Familie, jetzt Kleidung und Schuhe zu kaufen, die man bis zum Herbst braucht. Ich selbst habe Sommerkleider gekauft für mich, jede Menge Jeans für meine Tochter in zwei Größen, weil sie gerade schnell wächst. Außerdem habe ich mehrere hundert Euro für Tag- und Nachtwäsche für die ganze Familie ausgegeben. Aktuell schaue ich insbesondere auf die frische Online-Ware meiner Lieblingsläden. Ich überlege mir allerdings drei Mal, ob ich bestelle. Denn man muss ja wieder das Haus verlassen, wenn man eine Retoure hat. Fazit: Im Großen und Ganzen sind wir eingedeckt. Alles Zusätzliche wäre nice to have.“

Anke, 42, Marketingleiterin
„Zurzeit shoppe ich gar nichts, dabei hab ich mich auf die neue Frühlingsmode gefreut. Vorige Woche habe ich mir zwei Seidenblusen bei Cos bestellt, ziehe sie aber im Home Office nicht an. Somit ist die Freude an der Mode dahin. Was ist der Sinn schicker Sachen, wenn ich sie maximal zum Nudelnkochen trage? Online bestelle ich nur etwas, wenn es schnell geht. Denn wenn ich etwas kaufe, möchte ich es sofort anziehen. Aber Amazon hat derzeit Lieferfristen von einer Woche. Das macht mir dann auch keinen Spaß.“

Laura, 28, Verwaltungsbeamtin
„Ich kaufe zurzeit eigentlich überwiegend bei Amazon, und zwar eher Dinge für die Wohnung. Aber ich habe auch online etwas bei H&M und bei Douglas bestellt. Bei mir gibt es immer Phasen, in denen ich mal mehr, mal weniger einkaufe. Im Moment ist es wieder mehr, weil man den ganzen Tag zu Hause herumsitzt und nichts zu tun hat. Mich interessieren auch schon die neuen Kollektionen, so habe ich mir bereits Sommerkleider gekauft. Zwar schaue ich mir nicht gezielt die Sortimente kleiner Läden an, durch verschiedene Influencer auf Instagram werde ich jedoch auf den ein oder anderen aufmerksam. Zum Beispiel hat mir MiaZaya gefallen.“

Anika, 28, Social Media-Redakteurin
„Ich hatte – wahrscheinlich aus Ermangelung an den üblichen Freizeitaktivitäten – in den ersten Tagen zu Hause sehr viel Lust, online zu shoppen. Dank des guten Wetters landeten vor allem sommerliche Stücke in meinen Warenkörben bei Zara und Asos. Je mehr Zeit ich dann zu Hause verbrachte, desto eher schaute ich mich nach Interior um. Inzwischen ist die Shopping-Lust ein wenig abgeflaut.“

Andreas, 30, Entwicklungsingenieur
„Generell bestelle ich sehr viel online. Das bezieht sich primär auf Technik und sonstige, nützliche Dinge für den Alltag, Kleidung ist aber auch darunter. Im Bereich Kleidung ist mein Konsum seit den ersten Restriktionen durch Corona praktisch auf null zurückgegangen, da für die Arbeit von zu Hause aus der Jogginganzug völlig ausreicht. Für die restlichen Dinge des Alltags kann ich bei mir keine Veränderung im Onlineshopping-Verhalten erkennen.“

Johannes, 21, Student
„Ich kaufe fast ausschließlich online. Bei den Bestellungen handelt es sich überwiegend um Technik – über Amazon – sowie halbjährlich Kleidung – über Zalando. Da sich mein Lohn in der Größenordnung eines Minijobs bewegt und dieser aufgrund der Corona-Pandemie so gut wie komplett wegfällt, habe ich meine Online-Einkäufe komplett gekappt. Selbst wenn sich die Situation rund um Corona entspannt, werde ich meine Outfit-Einkäufe so lange wie möglich zurückhalten, da mein Fokus auf anderen Dingen liegt.“
„Weil ich nicht weiß, wie es finanziell weitergeht und wie lange das alles dauert, kaufe ich aus Vernunft nichts ein.“
Woula, 39 Jahre

Woula, 39, Hairstylistin
„Ich kaufe gerade keine Mode. Lust und Zeit hab ich ohne Ende, aber weil ich nicht weiß, wie es finanziell weitergeht und wie lange das alles dauert, kaufe ich aus Vernunft nichts ein. Auch wenn es mir schwerfällt. Händler sollten mehr über Insta machen, denn dort hängen alle gerade ab und sind sehr empfänglich. Ich würde trotzdem warten, um lokal einzukaufen, wenn die Stores wieder offen sind. Ich bin aber ohnehin kein Online-Shopper.“

Noel, 26, Student
„Ich habe momentan nicht mehr oder weniger Lust auf Mode als sonst auch und würde durchaus etwas bestellen. Mir ist außerdem aufgefallen, dass viele Teile aktuell im Sale sind, dadurch finde ich das Angebot umso attraktiver. Aber ich bestelle jetzt nicht auf Teufel komm raus etwas, nur weil es Rabatte gibt.“

Alina, 20, Studentin
„Eigentlich shoppe nicht anders als sonst. Ich kaufe ganz normal Lebensmittel und Drogeriebedarf. Wenn ich irgendetwas Cooles, Spezielles oder ein besonders gutes Angebot sehe, kaufe ich es. Ich hab genauso viel Lust wie immer, auf neue Schuhe und auf Kleidung. Ich gucke schon viel online nach Angeboten, auch in für mich neuen Shops, aber kaufe nicht zwingend mehr online als sonst. Nach der Krise werde ich auch nicht mehr oder weniger kaufen als sonst.“

Svenja, 38, Bankangestellte
„Ich habe gerade bei Zara bestellt. Ein paar Hosen und Strickjacken in Frühlingsfarben, in Flieder- und Orangetönen. Irgendwie brauchte ich etwas Aufmunterung, außerdem wollte ich fürs Home Office ein paar bequeme, aber dennoch ordentlich aussehende Hosen. Ich kaufe generell rund die Hälfte meiner Klamotten online ein, aber jetzt wäre ich – wenn die Geschäfte offen hätten – mal in den Laden gegangen, um die Teile dort anzuprobieren. Ich möchte aber auch die Läden hier in der Nähe unterstützen, habe mir jetzt bei einem Schmuck- und Interiorladen hier im Viertel einen Ring und ein Armkettchen ausgesucht – das wurde nach Hause geliefert. Gutscheine zu kaufen, finde ich auch gut. Zum Beispiel wurde gerade mein Friseurtermin abgesagt, und ich überlege, ob ich da nicht einfach einen Gutschein kaufe. Allerdings habe ich schon Sorge, was mit meinem Geld passiert, wenn es der Laden nicht durch diese Krise schafft.“

Anna, 38, Lehrerin
„Ich warte auf ein Paket von H&M. Eigentlich bestelle ich Bekleidung kaum online, aber meine Tochter und ich wollen T-Shirts batiken und brauchen dafür weiße T-Shirts. Und weil wir dann schon bestellt haben, habe ich für mich noch zwei Frühlingshosen und für meine Tochter noch eine Übergangsjacke ausgesucht. Gerade für sie kaufe ich eigentlich ziemlich viel secondhand, aber das geht ja gerade leider nicht. Wenn die Läden jetzt offen wären, hätte ich schon Lust, etwas Frühjahrs- oder auch Bademode zu kaufen, obwohl ich eigentlich definitiv nichts Neues brauche. Ob ich noch einmal online bestelle, hängt davon ab, wie lange die Läden geschlossen bleiben. Was mich noch wundert, ist, dass es von den Modegeschäften, gerade auch von den kleineren, bisher nicht so viele Angebote zum Kauf von Gutscheinen gibt. Im Gastrobereich habe ich das jetzt schon sehr oft gesehen.“

Da sich mein Lohn in der Größenordnung eines Minijobs bewegt und dieser aufgrund der Corona-Pandemie so gut wiekomplett wegfällt

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