Konzern benötigt dringend zweistellige Millionensumme

Gerry Weber sieht Existenz bedroht

Pramudiya
Gerry Weber braucht eine weitere Finanzspritze.
Gerry Weber braucht eine weitere Finanzspritze.

Die Corona-Pandemie setzt die Gerry Weber International AG massiv unter Druck. Vorstand Florian Frank spricht im Rahmen der Veröffentlichung der Zahlen für das Rumpfgeschäftsjahr 2019 von "existenzbedrohenden Auswirkungen, insbesondere, wenn die Verhandlungen über Finanzierungsmaßnahmen nicht zu einem positiven Abschluss gelangen". Frank sagt, Gerry Weber benötige einen zusätzlichen  "niedrigen zweistelligen Millionenbetrag". Bis Mitte März sei man auf einem guten Weg gewesen, dann habe die Corona-Krise das Unternehmen mit "Wucht" getroffen.


Es seien sofort alle Maßnahmen zum Schutz des Unternehmens ergriffen worden. Für einen Großteil der Mitarbeiter wurde Kurzarbeit beantragt, mit den Vermietern wurden Gespräche geführt, um eine "Entlastung für Mieten" zu bekommen. Es würden auch, "sofern sinnvoll, gesetzliche Hilfestellungen" genutzt. Mit den Lieferanten sei über Preisreduzierungen und Stornierungen gesprochen worden. Diese seien schon zum Teil vereinbart.

Des Weiteren habe der Vorstand zur "Sicherung der Liquidität unmittelbar intensive Verhandlungen mit allen Finanzierungspartnern aufgenommen", betont Frank.  Diese seien noch nicht abgeschlossen. Gerry Weber gehört den Finanzinvestoren Robus Capital, Whitebox Advisor und J.P. Morgan Securities. Darüber hinaus sollen die Kosten in allen Bereichen des Unternehmens nochmals gesenkt werden. "Zum aktuellen Zeitpunkt ist der Vorstand überzeugt, dass das neue Zukunftskonzept die Geschäftstätigkeit von Gerry Weber bis in das Jahr 2021 sichern wird."

Die Führung gehe davon aus, dass ab Anfang Mai in Deutschland die Läden wieder öffneten. Das werde aber nur zu einer "schrittweisen Erholung der Umsätze" führen. Für das Jahr 2020 rechnet der Konzern nun mit einem Umsatz von 260 Mio. bis 280 Mio.  Euro. Zuletzt war von Erlösen in Höhe von 370 Mio. bis 390 Mio. Euro ausgegangen worden.



In Rumpfgeschäftsjahr 2019 (1. April bis 31. Dezember) erlöste der Konzern 330,5 Mio. Euro. Vergleichbar ist das Rumpfgeschäftsjahr – es bezieht sich auf den kompletten Zeitraum der Insolvenz in Eigenverwaltung - mit dem Vorjahreszeitraum 2018/19 nur eingeschränkt, da es nur neun Monate zeigt. Der Vorjahreszeitraum umfasst nur fünf Monate. In das Rumpfgeschäftsjahr flossen zudem auch die Umsätze der verkauften Tochter Hallhuber nicht mehr ein.

Das Konzern-Ebitda des Rumpfgeschäftsjahres liegt durch die Sanierungserträge aus der "quotalen Ausbuchung von Insolvenzverbindlichkeiten" bei 176,7 Mio. Euro nach 7,6 Mio. Euro. Rechnet man alle Effekte (u.a. Sonderfaktoren) heraus, ergibt sich ein normalisiertes Ebitda von minus 6,2 Mio. Euro. Das normalisierte Ebitda des Vorjahres ohne Sonderbelastungen lag bei 2,2 Mio. Euro.

Das Konzernergebnis (Ebit) inkl. der Abschreibungen beträgt im Rumpfgeschäftsjahr 130 Mio. Euro (Vorjahr: minus 130,1 Mio. Euro). Ohne Sondereffekte sind es minus 22,2 Mio.Euro (Vorjahr: minus 12,1 Mio. Euro).

Im Rumpfgeschäftsjahr wurden 174 der selbstbetriebenen Läden geschlossen. Zuvor gab es (Stand März 2019) 798 selbstbetriebene Verkaufsflächen weltweit. Ende Dezember 2019 waren es 624. Zwischen März und Dezember vergangenen Jahres nahm die Zahl der Franchise-Läden und Shop-in-Shops von 2437 auf 2279 ab. Im Rumpfgeschäftsjahr wurden im Schnitt 3360 Mitarbeiter beschäftigt.

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