Krise in der Lieferkette

Bangladesch: Über die Hälfte der Modefabriken ist zu

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In Bangladesch gibt es rund 4000 Bekleidungsfabriken.
In Bangladesch gibt es rund 4000 Bekleidungsfabriken.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die weltweiten Lieferketten für Bekleidung werden immer dramatischer. In Bangladesch, dem zweitwichtigsten Lieferland für die deutschen Modehersteller, wurden inzwischen rund 58% der Fabriken geschlossen. Das geht aus einer Studie des Center for Global Workers‘ Rights (CGWR) von Ende März hervor. In einer Online-Umfrage zwischen dem 21. Und 25. März wurden Arbeitgeber in Bangladesch befragt. In dem asiatischen Land gibt es rund 2000 Bekleidungslieferanten mit 4000 Fabriken. Das Gros der Kunden kommt aus Europa (67,7%), gefolgt von Amerika (15,8%) und Asien (4,8%).


Wegen der Schließung der Geschäfte und der sinkenden Nachfrage nach Bekleidung weltweit hätten die Auftraggeber (Modemarken und -Händler) im großen Stil Produktionsaufträge storniert oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, schreiben die Studienautoren. Hinzu komme, dass sie in vielen Fällen bereits produzierte Bekleidung nicht bezahlt hätten. Die Folgen davon: die Betriebe wurden geschlossen, über eine Million Fabrikarbeiter ohne die gesetzlich vorgeschriebene Bezahlung oder Abfindungen nach Hause geschickt.

Laut der CGWR-Studie wurden seit dem Ausbruch von Corona in Bangladesch rund 46% der laufenden bzw. bereits fertiggestellten Produktionen von den Auftraggebern storniert. Rund 72% der Einkäufer würden zudem die von ihren Lieferanten bereits eingekauften Rohstoffe (Stoffe) nicht bezahlen, 91% weigerten sich die Produktionskosten zu begleichen.

Den vorübergehend beurlaubten Arbeitern steht laut Gesetz ein Teillohn zu. 98% der Lieferanten beteiligten sich daran nicht. Daher bekämen rund 72% der Fabrikarbeiter überhaupt kein Geld, so die Studie. Entlassenen Angestellten steht laut Gesetz eine Abfindung zu, auch an diesen Kosten beteiligten sich 97% der Auftraggeber nicht, mit der Folge, dass rund 80% der Arbeiter auch diese Zahlung nicht erhielten.



Die Corona-Pandemie wirkt sich laut der Studie in drei Phasen auf Bangladesch aus. Nach dem Shutdown in China, wurden bei 93% der Lieferanten aus Bangladesch die Rohstoffe knapp oder es kam zu Verzögerungen. Mitte März stoppten dann die Einkäufer nicht nur künftige Aufträge sondern nahmen auch bereits fertiggestellte nicht mehr ab. Es wurden "viele" Aufträge gestoppt, sagen 23% der Befragten, 22% geben an, die "meisten" Aufträge würden auf Eis liegen. Bis zum 22. März wurden Bekleidungslieferungen auf Bangladesch in Höhe von 1,4 Mrd. Dollar gestoppt. Die meisten von Primark in Höhe von 273 Mio. Dollar, gefolgt von C&A (166 Mio. Dollar) und Inditex (109 Mio. Dollar). Seit dem 25. März ist Bangladesch nahezu komplett abgeriegelt, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern. Reisen sind verboten, der öffentliche Verkehr steht still. Fabriken, die noch Aufträge haben,fällt  es zunehmend schwerer ihre Arbeiter zu befördern und gleichzeitig social distancing zu betreiben.

Die Situation für die Menschen im Land werde immer prekärer, zumal die wenigsten Fabrikarbeiter in der Bekleidungsindustrie so viel verdient hätten, um Rücklagen zu bilden. 

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