Corona-Krisenhilfe mit Hürden

Unmut über Sonderkreditprogramm

KfW-Bildarchiv / Rüdiger Nehmzow
Die KfW rechnet damit, dass Sonderkredite mit einem Gesamtvolumen von mindestens 50 Millionen Euro im Rahmen der Corona-Krise abgerufen werden.
Die KfW rechnet damit, dass Sonderkredite mit einem Gesamtvolumen von mindestens 50 Millionen Euro im Rahmen der Corona-Krise abgerufen werden.

Rund 10 Milliarden Euro Sonderkredite sind in den ersten Wochen der Corona-Krise bei der KfW beantragt worden. Die Kritik am Hilfsprogramm dauert an. Gerade im Modeeinzelhandel.

Seit dem Start des Sonderkreditprogramms sind bei der KfW rund 3200 Anträge eingegangen (Stand 2.4.). Insgesamt wurden laut KfW Kredite mit einem Gesamtvolumen von über 10 Mrd. Euro beantragt. „Das Programm ist sehr schnell aufgesetzt worden und ist erfolgreich angelaufen. Wir erwarten, dass in den nächsten Wochen die Anzahl und das Volumen der Anträge noch deutlich steigen werden“, sagte KfW-Vorstandsvorsitzender Günther Bräunig. Das schon jetzt das Gesamtvolumen bei über 10 Mrd. Euro liegt, werde man vermutlich auf 50 Mrd. hochlaufen. "Ob wir wirklich bis 100 Mrd. gehen, ist für mich nicht vorstellbar. Aber ich würde es auch nicht ausschließen wollen."
KfW


Doch längst nicht alle, die jetzt dringend Sonderkredite benötigen, erhalten diese auch. Die KfW übernimmt bekanntlich die Bürgschaft für 80%, bei kleineren Unternehmen auch bis zu 90%, des Kreditvolumens. Für die restlichen 10% bzw. 20% soll die Hausbank haften, die bei der Risikoüberprüfung die gesamte Kreditsumme zugrunde legt. Und hier fallen viele Modehändler durch. 

So berichtet ein Premium-Händler aus Rheinland-Pfalz: "In unserer Ladenstraße hat bereits mehr als die Hälfte der Händler von der Kreissparkasse eine Absage erhalten." Er selbst habe bei seiner Hausbank einen Antrag auf einen KfW-Sonderkredit in Höhe von 300.000 Euro gestellt. Die Bank habe eine persönliche Bürgschaft des Geschäftsführers über 300.000 Euro gefordert. "Was wir natürlich abgelehnt haben. 
Dann wollten sie nur noch 150.000 Euro, was wir ebenfalls abgelehnt haben. Dann haben sie es mit der Übertragung der Ladenausstattung und des Warenlagers versucht." Auch das habe er abgelehnt, schreibt der Händler. Bei seiner zweiten Hausbank habe er dann ohne Sicherheiten und ohne persönliche Haftungsübernahme einen Kredit erhalten.

Das Verhalten seiner ersten Bank empört ihn nachhaltig: "Wenn ein Geschäftsführer einer GmbH diesen Kredit nur bekommt wenn er sich persönlich für diesen Kredit und in voller Höhe verbürgt und kann das Unternehmen nach einem Jahr dennoch nicht retten, dann werden seine persönlichen Sicherheiten zum Beispiel sein Eigenheim verwertet, bis die Schuld von 300.000 Euro getilgt ist. Und das nur damit die Bank dann ihre volle Absicherung von 30.000 Euro hat", schreibt er weiter. 

Der Händler aus Rheinland-Pfalz ist längst nicht der einzige, der die Vergabepraxis kritisiert. Aus Hessen erreicht die TW die Mail einer Händlerin die ebenfalls bemängelt: "Durch die 90% Übernahme des Staats bekommen viele Händler ohne Verpfändung ihrer Häuser keine Kredite". Zudem sei es unmöglich die Kreditsummen in zwei bis fünf Jahren zurückzuführen. "Die Krise und der Umsatz sind nicht mit der Öffnung wieder auf 100%, wir brauchen zwei Jahre bis wieder Alltag eingetreten sein wird."

Die Schwächen des Systems sind bekannt. Auch Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis sagte unlängst dem Handelsblatt: "Manchen Unternehmen wird man mit den bestehenden Förderprogrammen nicht helfen können."  In der Modebranche fordert auch die Industrieseite Nachbesserungen. Der Bund müsse einspringen, wenn Mittelständler durch die Bankprüfverfahren leer ausgingen, fordert Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie.

Medienberichten zufolge wird in Berlin aktuell tatsächlich an Nachbesserungen gearbeitet. Allerdings bedarf beispielsweise die Übernahme einer 100%igen Staatsbürgschaft einer Zustimmung auf EU-Ebene.

Auch dann bleibt für viele Unternehmer ein Grundproblem des Hilfsprogramms bestehen. 
"Der KfW-Kredit bleibt ein Darlehen", sagt Thomas Ganter, Geschäftsführer von L&T in Osnabrück. "Darlehen sind zwar gut, helfen schnell, aber sie führen dazu, dass wir alle in hohem Maße Schuldner vom Staat werden und die nächsten Jahre damit beschäftigt sind, die Kredite  wieder zurückzuzahlen. Für eine Schließung, die richtig in der Sache ist, die wir aber nicht gewollt haben. Daher plädieren wir für Zuschüsse."

Auch Friedrich Wilhelm Göbel, Generalbevollmächtigter des Filialisten Sinn, hält die Kreditprogramme lediglich für eine kurzfristige Überbrückung für sinnvoll: "Viele Unternehmen und Privatleute haben bereits heute Schulden. Zusätzliche Schulden sind oft gar nicht tragbar. Es wird eine der ganz großen Herausforderungen für die Politik und z.B. die Fachleute der Bundesbank sein, die langfristig nicht tragbaren Kredite wieder aus dem Kreislauf zu nehmen."
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