Künstlerische Leiterin des Hermès-Stammhauses

Hermès trauert um die Königin der Schaufenster

Carole Bellaïche
Leïla Menchari
Leïla Menchari

Leïla Menchari prägte seit den 60er-Jahren mit ihren Vitrinen in der Rue du Faubourg Saint-Honoré den Farbenreichtum von Hermès. Jetzt ist die in Tunis geborene Künstlerin, der 2017 eine große Ausstellung im Grand Palais gewidmet wurde, an den Folgen des Coronavirus gestorben.

Die Covid-19-Pandemie hat ein weiteres prominentes Opfer gefordert. Leïla Menchari, die bei der Luxusmarke Hermès die Gestaltung der Schaufenster zur Kunst erhoben hat, ist am Wochenende an den Folgen des Coronavirus verstorben. Sie wurde 93 Jahre alt.


Menchari, die aus Tunis stammte, galt als eine der großen Meisterinnen ihrer Zunft. Sie war die künstlerische Leiterin der Schaufenster an der 24, Rue du Faubourg Saint-Honoré, dem Pariser Stammhaus von Hermès. Mit ihren Vitrinen entführte Menchari die Passanten in fremde Welten. „Dank Leïla hat die Exotik in der Rue du Faubourg Saint-Honoré eine glückliche und dauerhafte Heimat gefunden", sagte Hermès-CEO Axel Dumas.

Leïla Menchari studierte Malerei an der Kunsthochschule für bildende Künste in Tunis und an der École des Beaux-Arts Paris. Eine Zeit lang war sie Modell für Guy Laroche. 1961 trat sie in das Dekorationsteam von Annie Beaumel bei Hermès ein.

Wie ein Filmset: Hermès-Schaufenster aus dem Jahr 1995
Guillaume de Laubier
Wie ein Filmset: Hermès-Schaufenster aus dem Jahr 1995
Mit ihrem Schaffen wirkte sie über die Grenzen der Mode hinaus. Der französische Schriftsteller Michel Tournier, der für Werke wie „Freitag oder Im Schoß des Pazifik“ oder der „Erlkönig“ berühmt ist, bezeichnete sie als die „Königin der Verzauberung“. Im Jahr 2017 wurde sie mit einer Ausstellung im Pariser Grand Palais gewürdigt. Unter dem Titel „Hermès à tire-d'aile, les Mondes de Leïla Menchari“ wurde das Publikum das visuell-poetische Universum Mencharis näher gebracht.

Menchari prägte auch ihren Arbeitgeber Hermès. Sie sei „seit langem die treibende Kraft hinter dem Farbenreichtum des Hauses“ gewesen. Mit „ihrer Eleganz und ihrem außergewöhnlichen Sinn für Nuancen“ habe sie ein Vermächtnis hinterlassen, das sich in der Seidenkollektion für Damen wiederspiegele, teilte Hermès mit. „Wir haben viel von Leïla gelernt. Sie hat uns gelehrt, die Welt durch das Prisma der Farbe zu betrachten. Sie war eine unvergleichliche Geschichtenerzählerin, die die Welt verzauberte. Wir sind ihr unendlich dankbar für alles, was sie für uns getan hat, was sie uns weitergegeben hat", sagte Pierre-Alexis Dumas.

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