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Social Media in Corona-Zeiten (1)

#zusammengegencorona: So posten Händler und Co. in der Krise

Screenshots: instagram.com/ hm / dorotheeschumacher / jacquemus /onlyanitacom (i.U.)
Von H&M bis Dorothee Schumacher, von Jacquemus bis Onlyanita, Hamburg (v.l.n.r.): So wendet sich die Branche via Instagram an ihre Kunden.
Von H&M bis Dorothee Schumacher, von Jacquemus bis Onlyanita, Hamburg (v.l.n.r.): So wendet sich die Branche via Instagram an ihre Kunden.

Was einst #lookoftheday und #newcollection, sind in diesen Tagen #stayingin und #supportlocal: die Corona-Krise erfasst die ganze Modebranche – und folglich auch die Kundenkommunikation. Diese erfordert aktuell besonders viel Feinspitzengefühl und stellt Händler wie Labels auch aufgrund der sich ständig wandelnden Rahmenbedingungen vor große Herausforderungen. Wie wird in diesen Tagen auf Instagram, Facebook und Co. kommuniziert? Eine Übersicht.

„Es ist wichtig, eine kontinuierliche Kommunikation seitens der Unternehmensleitung zu betreiben. Der Dialog mit Kunden sollte gepflegt, Fragen und Unsicherheiten aufgenommen und beantwortet werden”, sagt Annika Schach, Professorin für Angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover, Beginn der Woche im TW-Interview zum Thema Krisenkommunikation. Da Social Media in den vergangenen Jahren zum unabdingbaren Kommunikationskanal geworden und für einige gar Dreh- und Angelpunkt ihres Geschäftsmodells ist, findet hier selbstredend auch ein Großteil der Krisen-Kommunikation statt. Fitness-Apps bieten kostenlose Probemonate, Museen setzen auf Live-Rundgänge, Restaurants verschenken Lebensmittelreste. Und die Modebranche? Bezieht Stellung, bekundet Solidarität, bittet um Support, verkündet Schließungen und propagiert neue Kontaktpunkte.

#supportyourlocaldealer

„In den nächsten Tagen können wir all die unabhängigen Gastronomen, Einzelhändler, Cafés und Lieblingsorte in unserem Leben supporten, die uns bis letzte Woche zu jedem Einkauf etwas Unbezahlbares hinzugegeben haben: Geschichten. Wir persönlich ziehen diesen Support einer weiteren Packung Klopapier vor” sagen die 43einhalb-Macher Mischa Krewe und Oliver Baumgart auf ihrem Instagram-Kanal. Und machen sich damit nicht nur für Mode-Einzelhändler stark. Auch Daniel Steindorf vom Frankfurter Store Uebervart ruft in seinen Stories dazu auf, regionale Kollegen – von Cafés bis zu Fashion-Stores – zu unterstützen: „Let us all stay together during these crazy times”. Kerstin Goerling von Hayashi, Frankfurt, sensibilisiert in ihren Stories die Kunden für die aktuellen Herausforderungen: „Für alle sind es sehr harte Zeiten und für uns ist die Zukunft wirklich ungewiss, doch wir geben nicht auf und machen weiter”, sagt sie. Auch Intersport weißt in einem Post darauf hin, dass Online-Bestellungen von Händlern verkauft und versandt werden: „So wird bei jeder Bestellung der Einzelhandel vor Ort unterstützt.”

43einhalb.com

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Eine Nachricht von unseren Gründern, Olli & Mischa.

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#supportyourcommunity

Einen ganz anderen Ansatz wählen die Branchenteilnehmer, die den Kunden und seine Bedürfnisse in den Fokus rücken: „Rufen Sie uns an. Wir möchten Ihnen Mut zusprechen und mit Ihnen zusammenstehen”, sagt etwa Petera, Innsbruck. Auch Sandro verbreitet bewusst positive Gedanken: „Jede Geste, sei sie noch so klein, zählt. Deshalb senden wir jeden Einzelnem von Ihnen unsere wärmsten Gedanken in dieser Zeit.” Dorothee Schumacher postet: „Love, solidarity, kindness, respect and humanity are stronger than any storm.” Auch Mango fordert zu Zusammenhalt und Verantwortungsbewusstsein auf. Das italienische Label Patrizia Pepe spendet unter dem Motto „ItalyStayStrong” an sein besonders stark betroffenes Heimatland und startet eine Fundraising-Kampagne für das Florentiner Krankenhaus Careggi.

Dorothee Schumacher

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#service

Durch Quarantäne, freiwillige Isolation und Co. verbringen die Kunden viel Zeit Zuhause – daher haben einige Accounts es sich zur Aufgabe gemacht, vermehrt Services − etwa in Form von Beschäftigungstipps für die Quarantäne − oder schlichtweg Ablenkung zu bieten. So postet Asphaltgold eine Liste mit den 10 besten Feelgood-Movies zum Zuhause schauen, Designer Simon Porte Jacquemus teilt auf seinem Account Bilder, die er in der Vergangenheit aufgenommen hat und die positive Laune verbreiten sollen. Bergsportspezialist Bergzeit etwa ruft in seinen Stories dazu auf, Zuhause zu bleiben und dort zu sporteln: „Zeig uns unter #bergzeitdaheim wie du die Berge in dein Wohnzimmer holst.”

Jacquemus

#supportyourstaff

Nicht nur die Händler und Labels selbst, auch deren Mitarbeiter sind von den Auswirkungen des Covid 19-Virus betroffen. Der amerikanische Filialist Nordstrom etwa spricht in dem Post, in dem die Store-Schließungen angekündigt werden, auch über die Mitarbeiter und verkündet, diese unterstützen zu wollen. Ebenso Textilium in Nidda: „Wir werden uns in dieser Zeit intensiv um unsere Mitarbeiter kümmern, um deren Lebensunterhalt und Arbeitsplatz zu sichern.”

Nordstrom.com

#shoponline

Da die stationären Händler notgedrungen schließen müssen, weichen sie auf alternative Kanäle aus. In vielen Fällen bedeutet das eine Verlagerung der Geschäfte in die Online-Shops. Kostenlose Lieferungen bieten etwa Onlyanita, Hamburg, Voo, Berlin, Uebervart, Frankfurt, Schnitzler, Münster und Machine-A, London, an – um nur einige zu nennen. Auch Händler wie The Wants, Köln, Asphaltgold, Darmstadt und Engelhorn, Mannheim weisen auf die Online-Verlängerung hin. In einigen Fällen werden nun erst spontan Onlne-Shops eingerichtet, etwa bei Het Kollektief, Köln, und Hayashi, Frankfurt: „Wir arbeiten hart an unserem Online-Shop, sodass wir unser Sortiment dort bald zeigen können”, sagt Goerling in ihren Stories. Sie wird ihr Portfolio künftig gemeinsam mit dem von Uebervart, dem Store ihres Mannes Daniel Steindorf, auf einer Website anbieten. „Macht auch total Sinn − man muss ja zusammenhalten in diesen Zeiten”, sagt er in seinen Stories dazu. Einige verkaufen nun auch erstmals bei Amazon, so etwa das Modehaus Magnus.

Voo Store, Berlin

#reachus24/7

Noch einen Schritt weiter gehen Händler, die nun auch vermehrt auf digitale Beratung via WhatsApp, Facetime, Instagram, Facebook, Mail oder Telefon setzen – bis hin zur Kurierlieferung an die Haustür. Services wie diese bieten, vor allem auf Instagram und Facebook, etwa Modehaus Götz, Dietfurt, Köhler Männermode, Gießen, Textilium, Nidda, Calla Mode, Oberursel, Goldig, Hamburg, und C. Wirschke, Düsseldorf, an.

Textilium, Nidda

#sale

Um verbleibende und teils erst neu eingetroffene Ware dennoch möglichst schnell verkaufen zu können, haben in den vergangenen Tagen auch einige, vor allem Online-Händler, auf starke Reduzierungen oder Rabatt-Codes gesetzt. Neben besonders frühen Mid Season Sales bei H&M, Cos und &otherstories bietet Lybe, Köln, um 20% reduzierte Gutscheine an – dazu der Hinweis: „Bitte unterstützt jetzt Eure Lybe, damit wir auch nach der Krise für Euch da sein können.”

Lybe, Köln

#fürdengutenzweck

Influencerin Danielle Bernstein spricht in einem Post über die Bedenken, die sie in der aktuellen Situation beim Launch ihrer neusten Kollektion hatte. Daher entscheidet sie sich für eine Zwischenlösung und spendet einen Teil der Erlöse an die gemeinnützigen Organisationen Food Bank NYC und River Fund, die etwa vom Coronavirus Betroffene mit Lebensmitteln versorgen.

WeWoreWhat

#goodbyefornow

Unausweichlich dennoch: die Schließung der stationären Läden. Obwohl einige der Händler auf die oben genannten Alternativen ausweichen, müssen sie sich zumindest physisch von ihren Kunden verabschieden – auf teils rührende Weise. Neben KadeWe, Berlin, Gioia, Köln, und L&T, Osnabrück, sagt auch H&M (zumindest stationär) auf Wiedersehen − mit der Headline „when business as usual becomes unusual.” Corpus, Neumarkt, verabschiedet sich besonders emotional: „Um ehrlich zu sein, es ist ein schlimmer und trauriger Moment für uns. Wirklich, wir lieben unseren Beruf aus ganzem Herzen, wir lieben, was wir tun. Es ist unsere Berufung, unsere Leidenschaft, unser Leben.”

Corpus, Neumarkt

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