Laut Medienbericht

Gerry Weber-Insiderhandel: Friedrich Knapp soll Geldauflage zahlen

Foto: Imago Images/Susanne Hübner
Friedrich Knapp ist Eigentümer des Filialisten New Yorker (hier die Zentrale in Braunschweig).
Friedrich Knapp ist Eigentümer des Filialisten New Yorker (hier die Zentrale in Braunschweig).

Friedrich Knapp, Geschäftsführer des Modeunternehmens New Yorker, muss wegen Insiderhandels mit Aktien von Gerry Weber eine millionenschwere Geldauflage zahlen. Das meldet die WirtschaftsWoche und beruft sich dabei auf Insider. Dem Bericht zufolge hat Knapp in großem Stil Aktien verkauft, kurz bevor die Insolvenz von Gerry Weber öffentlich wurde.

Dass es ein Ermittlungsverfahren gibt und in diesem Zusammenhang gegen vier Männer aus dem Raum Braunschweig entsprechende Geldauflagen für die Einstellung des Verfahrens erhoben wurden, darüber hatte auch die TW vergangene Woche berichtet. Die WirtschaftsWoche ist sich nun sicher, dass es sich bei einem der Männer um Friedrich Knapp handelt. Seine Geldauflage soll sich auf 2 Mio. Euro belaufen – davon 1,2 Millionen für die Abschöpfung des Sondervorteils, also für die von Knapp durch die vorzeitigen Aktienverkäufe vermiedenen Kursverluste.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Informationen auf TW-Anfrage bisher nicht. Friedrich Knapp selbst wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.
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Am 25. Januar 2019 gab die Gerry Weber International AG bekannt, einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung eingereicht zu haben. Einen Tag davor waren auffällige Kursbewegungen der Aktie zu beobachten, die Bafin leitete entsprechende Untersuchungen ein. Vier Männer gerieten dabei ins Visier der Behörden. Gegen sie sind nun hohe Geldbußen verhängt worden.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitete ein Verfahren ein, nachdem die Finanzaufsicht BaFin im Februar 2019 Strafanzeige erstattet hatte. Seither wurden in Braunschweig Ermittlungen wegen verbotenen Insiderhandels mit Aktien der Gerry Weber International AG geführt. Der Modekonzern hatte am 25. Januar 2019 seine Insolvenz bekannt gegeben, der Aktienkurs stürzte daraufhin dramatisch ab. Laut den Ermittlern gab es im zeitlichen Zusammenhang dieser Ereignisse "auffällige Aktiengeschäfte, die Ermittlungen gegen insgesamt vier Beschuldigte nach sich zogen". Es bestand der "Verdacht der unbefugten Verwendung / Weitergabe von Insiderinformationen über das drohende Scheitern der damaligen Finanzierungsverhandlungen" und des anstehenden Insolvenzantrages.

Ermittelt wurde laut der Behörde gegen zwei Beschuldigte "wegen des Verkaufes von zuvor gehaltenen Aktien" am 24. und 25. Januar 2019. Laut den Ermittlern hätten diese Personen so Kursverluste vermieden. Bei einer dieser Personen handelt es sich nach Informationen der WirtschaftsWoche um den Aktiendepot-Inhaber Knapp selbst, bei der anderen um seinen Bevollmächtigten.

Zwei weitere Beschuldigte wetteten auf fallende Kurse und konnten so ebenfalls Gewinne einstreichen. Alle Beschuldigten wurden zu Zahlungen von Geldauflagen verdonnert. Zur Erfüllung der Auflagen sei eine Frist bis Ende Mai 2021 eingeräumt worden. "Sollten die Beschuldigten die Auflagen fristgerecht und vollständig erfüllen, wird das Verfahren endgültig eingestellt werden. Die Beschuldigten gelten dann weiterhin als nicht vorbestraft", zitiert die WirtschaftsWoche die Staatsanwaltschaft.

Die Geldauflage dürfte Friedrich Knapp zumindest finanziell ohne größere Schmerzen verkraften. Sein Unternehmen New Yorker ist einer der führenden Young Fashion-Filialisten Europas mit einem Jahresumsatz von knapp 2 Mrd. Euro und hat in den vergangenen Jahren regelmäßig Margen erwirtschaftet, die über denen von Wettbewerbern wie Zara und H&M liegen. Das Forbes Magazin führt Knapp mit einem Vermögen von 2,6 Mrd. US-Dollar (2,1 Mrd. Euro) auf Platz 1196 der reichsten Menschen der Welt.
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