Liquiditätsengpass italienischer Hersteller

„Die Uhr tickt. Wir zählen die Minuten.“

Assopellettieri
Assopellettieri-Präsident Franco Gabbrielli: "Wir sind schwer besorgt."
Assopellettieri-Präsident Franco Gabbrielli: "Wir sind schwer besorgt."

Die italienische Regierung hat staatliche Kreditgarantien in dreistelliger Milliardenhöhe auf den Weg gebracht. Doch kommt das Geld an? Die Lederwarenhersteller zweifeln daran und schlagen Alarm. Geht es nach dem Assopellettieri-Präsidenten, droht ein gefährlicher Dominoeffekt.

Die italienische Lederwarenindustrie schlägt Alarm. Der Verband Assopellettieri fürchtet, dass viele Betriebe die Covid-19-Krise nicht überleben werden, sofern Regierung und die Banken nicht so schnell wie möglich die versprochenen Milliarden an Hilfsgeldern in Umlauf bringen.


„Die Uhr tickt. Wir zählen die Minuten“, sagte Assopellettieri-Präsident Franco Gabbrielli. „Wir sind schwer besorgt.“ Den Unternehmen drohe, am Ende des Monats das Geld auszugehen. „Dann kann es zu einem Dominoeffekt kommen. Mit wirklich unangenehmen Folgen.“

Die italienische Regierung hat 400 Mrd. Euro an Kreditgarantien in Aussicht gestellt, um die Unternehmen des Landes rasch mit Liquidität zu versorgen. Das Ausfallrisiko übernimmt im Schnitt zu 90% der Staat über die Förderbank Cassa Depositi e Prestiti und deren Tochter Sace. 10% tragen die Geschäftsbanken. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass dieses Modell bürokratisch ist.

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Mipel, Assopellettieri
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„Der Staat hätte 100% des Kreditrisikos übernehmen sollen. Mit diesem Modell hängt alles von den Geschäftsbanken ab“, sagte Gabbrielli. „Und die Banken gewähren meistens dem Kredit, der eigentlich keinen braucht.“ Italien solle sich an der Schweiz ein Beispiel nehmen, sagte Gabbrielli. „In der Schweiz ist das Geld in zwei, drei Tagen auf dem Konto. Das ist das, was wir brauchen.“

Der Bankenverband ABI bemüht sich nach eigenen Aussagen, die Kreditvergabe zu beschleunigen: „Wir leisten einen konstanten Beitrag, um zu vereinfachen, zu informieren und unsere Mitglieder in die Instrumente einzuweisen, mit denen Unternehmen und Familien mit Liquidität versorgt werden.“

Die Covid-19-Pandemie beendet eine gute Periode für die italienische Lederwarenindustrie. Der Sektor profitierte in den vergangenen Jahren von der starken Nachfrage der internationalen Luxusindustrie. Im Jahr 2019 steigerten die Betriebe ihre Exporte um knapp 26% auf 10,4 Mrd. Euro. Das ist doppelt so viel wie 2012. Inzwischen gehen 37% der Ausfuhren in die Schweiz, die für die globalen Luxuskonzerne eine Drehscheibe ist. Allerdings polarisiert sich das Feld. Denn die Stückzahlen stagnieren. Das bedeutet: Das Top-Genre entwickelt sich dynamisch, die Masse leidet.

Der Lederwaren-Verband versucht, digitale Technologien für den Kundenfang zu nutzen. Assopellettieri hat dazu eine Partnerschaft mit der IT-Gruppe Var aus dem toskanischen Empoli geschlossen. Die Idee ist, einerseits die Mailänder Lederwarenmesse Mipel ins Internet zu überführen. Zum zweiten soll eine Plattform aufgebaut werden, über die Modelabels weltweit nach Lederwaren-Hersteller in Italien Ausschau halten können.

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