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Marius Lebek, Geschäftsführer Frieda & Freddies

„Stornierungen zum Herbst würden unsere Lieferfähigkeit gefährden“

Frieda & Freddies
Marius Lebek
Marius Lebek

Das aktuelle Frühjahr hat Marius Lebek, Geschäftsführer Frieda & Freddies, abgehakt. Der kommenden Herbstsaison sieht er allerdings optimistisch entgegen. Auch, wenn die Mönchengladbacher erste Storno-Anfragen erreichen.

Am 18. März verschickte das Outdoor-Label Frieda & Freddies ein Scheiben an seine Handelspartner. Die Auslieferung werde bis zum 21. April gestoppt, die Rechnungsstellung erfolge mit einer Valuta von 30 Tagen. „Für die ausstehenden Verbindlichkeiten ab Rechnungsdatum 1.3.2020 stellen wir eine Valuta von 60 Tagen bereit“, heißt es weiter.


TextilWirtschaft: Herr Lebek, wie haben Ihre Partner auf Ihren Brief reagiert?
Marius Lebek: Das Feedback war bislang sehr positiv. In Zeiten wie diesen müssen wir partnerschaftlich agieren. Gerade, damit wir mittelfristig weiter zusammenarbeiten können.


Gibt es Anfragen für Stornierungen der Herbstorder?
Ja, vereinzelte Anfragen gibt es aus dem Kreis unserer Partner. Selbstverständlich respektieren wir den aktuellen Lieferstopp und gehen jeder einzelnen Stornierungsanfrage, was Lieferungen bis einschließlich April betrifft, partnerschaftlich nach. Da insbesondere in der Outdoor kurzfristige Korrekturen kaum möglich sind, können wir für Herbst/Winter 2020 keine Stornierungen vornehmen. Diese würden unsere Produktion und damit unsere gesamte Lieferfähigkeit gefährden. Über die Verschiebung von Lieferterminen oder Umlegungen können wir im Einzelnen sprechen.

Werden Sie überhaupt pünktlich liefern können?
Ich kann fast mit Gewissheit sagen, dass wir die gesamte in Fernost produzierte Ware pünktlich ausliefern werden. Hier sind die Arbeiten bereits in vollem Gange. Kritischer ist die Lage in Italien und Osteuropa. Italienische Fabriken sind nun für zwei Wochen geschlossen. Die Auswirkungen auf unsere Produktion können wir zu diesem frühen Zeitpunkt aber noch nicht endgültig absehen. Bei in Europa produzierter Ware könnte es bei den ersten Lieferterminen branchenweit daher zu leichten Verzögerungen kommen.

Rechnen Sie mit einer normalen Herbstsaison?
Wir sind für den Herbst vorsichtig optimistisch. Reisen werden storniert, die Geschäfte haben geschlossen. Aktuell können die Leute kaum Geld ausgeben. Online ist das Einkaufen zwar noch möglich, aber Mode findet nun mal in erster Linie stationär statt. Aber es ist gut vorstellbar, dass die Menschen im Herbst mit einem regelrechten Lagerkoller nachholen wollen, worauf sie in den vorherigen Monaten verzichten mussten. Daher rechnen wir mit einem positiven Start in die Herbst Winter Saison.

Halten Sie Sale für die richtige Strategie zur Wiedereröffnung der Läden?
Vor Mai kann die Branche sicher nicht zum Normalzustand zurückkehren und bis dahin wird der Forderungs- & Warendruck trotz Valuta sehr hoch sein. Wenn der Handel wieder öffnet, werden sicherlich viele Händler auf Rabatte einzelner Artikelgruppen setzen. Und ehrlich gesagt sehe ich kaum eine andere Möglichkeit, um Läger signifikant abzubauen.

Was ist aktuell die größte Herausforderung für Sie?
Auch wir müssen anfangen, Forderungen zu begleichen und die Herbst/Wintersaison vorzufinanzieren. Das fällt uns als inhabergeführtes Familienunternehmen durch die geringe Abhängigkeit von externen Kreditgebern allerdings etwas leichter als manch einem Mitbewerber. Auf unserer Produzentenseite ist die Situation aufgrund von einer grundsätzlich deutlich volatileren Nachfrage schwierig. Hier sind wir in Verhandlungen bezüglich Aufschlagsnachlässen, niedrigeren Minimums und schlussendlich auch Zahlungskonditionen.

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