Interview mit Markus Schreiber, Geschäftsführer von Toni Dress

„Unsere Produzenten können keine langen Zahlungsziele einräumen”

Toni Dress
Markus Schreiber, Geschäftsführer der Toni Dress Damenmoden GmbH
Markus Schreiber, Geschäftsführer der Toni Dress Damenmoden GmbH

Alles auf Stopp, nichts geht mehr. Für alle eine noch nie dagewesene Situation. So auch für den Forchheimer Hosen-Spezialisten Toni Dress.

Dort wurde die automatische Nachversorgung bereits am 16. März, die Auslieferung der Vororder für F/S 2020 einen Tag später gestoppt. Alle in der Zustellung befindlichen Waren der Marken Toni und Relaxed by Toni wurden mit 30 Tagen valutiert.

Das bestätigt Geschäftsführer Markus Schreiber, der darüber hinaus den aktuellen Stand mit Blick auf die Lieferkette skizziert:
„Wir müssen uns alle darüber im Klaren sein, dass ein partnerschaftliches Handeln bei allen Beteiligten der kompletten Textilwertschöpfungskette nötig sein wird. Die Vorstufen liefern, die Ware wurde bestellt, vertragliche Liefertermine zugesichert und auch bestätigt. Die kaufmännischen Hintergründe eines Kaufvertrags wurden uns in den letzten Tagen mehr als einmal erläutert und sind klar. Wenn man von 35% Nachorderumsatz spricht und auf die normalerweise stärksten Umsatzmonate des Sommergeschäfts zugeht, kann man sich ungefähr vorstellen, was das im Warenfluss bedeutet.“

TextilWirtschaft:
Was können Sie tun?
Markus Schreiber: Die H/W 2020 Hauptorder wurde Ende Februar abgeschlossen, auch hierfür ist fast alles bestellt. Die Vorstufen liefern und sagen trotz Corona die volle Leistung zu. Warum passiert das wohl? Viele sehr nahe Produktionsländer der Textilindustrie wie beispielsweise Rumänien, Makedonien und Albanien müssen liefern, da ihnen sonst jegliche finanzielle Basis fehlt. In den meisten dieser Länder gibt es keinerlei finanzielle Unterstützung.

Wir müssen unsere Stofflieferanten in Italien, Spanien und der Türkei fragen, ob wir die Hälfte der bestellten Meterware für H/W 2020 kostenlos stornieren können. Aber wie verfahren wir hier in unserer wirtschaftlichen aber auch sozialen Verantwortung? In der bis heute schwer einschätzbaren Situation stellen wir uns selbst als Unternehmen die Frage, wie auch die Industrieseite unterstützt werden kann. Wie lange kann man Valuta gewähren, wenn es keine kostenlosen Kredite zur Unterstützung gibt?



Was bedeutet das für die Produzenten?
Unsere 
Produzenten können keine langen Zahlungsziele einräumen. Im Gegenteil: Es muss auf Zahlung bestanden werden, weil Pleiten sonst nicht zu umgehen sind.

Welche Prioritäten können Sie aktuell setzen?
Im 
April wird es Kurzarbeit geben, jedoch nicht in allen Bereichen. Das Design muss in vollen Zügen die F/S Kollektion 2021 erstellen, denn wir wollen hier regulär weitermachen. Die 2. Kollektion H/W 2020 haben wir gestern eingestellt. Das ist ein weiterer großer Einschnitt in der Planung für 2020. Die Warenannahme ist weiterhin aktiv, es kommen täglich Lieferungen. Die Kurzarbeit bringt eine ungefähre Einsparung von 25% der Gehaltskosten.

Bei rund 200 Mitarbeitern kann man sich ungefähr ausrechnen, wie hoch die Entlastung ist. Eines ist klar, wir leben vom Handel und wir verstehen die aktuelle Situation und die mehr als klaren Botschaften. Wir sind als fairer Partner im Handel bekannt und werden auch mit Sicherheit Lösungen finden, damit wir gemeinsam aus der Krise kommen. Der Staat wird uns helfen, doch wir müssen solidarisch sein.
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